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Orangenblütenjahr Roman von Sosnitza, Ulrike (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.02.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Orangenblütenjahr

Manchmal hängen Ende und Anfang so nahe beieinander wie die Blüten und Früchte am Orangenbaum Der Tod ihres Mannes enthüllt ein Geheimnis, mit dem Nelly nicht gerechnet hätte. Sie hält es in der Enge im Odenwald einfach nicht mehr aus, und so nimmt sie das Angebot ihrer Freundin Mona an, in deren Apotheke in München zu arbeiten. Großstadt statt Dorf und obwohl sie genug von der Liebe hat, umschwärmen die Männer sie wie die Bienen den Honig. Ihre Kinder allerdings haben Schwierigkeiten mit den vielen Änderungen im Leben ihrer Mutter, dabei hat es Gabriel, Kuchenbäcker und Heißluftballonfahrer, Nelly ganz besonders angetan. Ulrike Sosnitza, 1965 in Darmstadt geboren, liebt ihren Garten, auch wenn die Blumen dort meist nicht so wachsen, wie sie sich das vorstellt. Die frühere Bibliothekarin lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Würzburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 11.02.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641227593
    Verlag: Heyne
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Orangenblütenjahr

1

Heute begann es, mein neues Leben. Jetzt. In diesem Moment, in dem der rote Umzugswagen endlich in der Danklstraße auftauchte. Mein Leben als betrogene Ehefrau und Witwe auf dem Dorf lag hinter mir - hier in München war alles neu, die Luft war klar und frisch, und zwischen den Häuserreihen strahlte blau der Himmel.

Als der Laster geparkt hatte, machte ich schnell ein Foto und schickte es an Freunde und Familie. Dann lief ich voller Vorfreude hoch in den dritten Stock. Die Möbelpacker trotteten müde hinter mir her. Ihnen merkte man an, dass wir morgens um vier im Odenwald losgefahren waren - mir dagegen nicht, ich war voller Energie und Tatendrang.

Erst mal erläuterte ich ihnen, was sie in welche Zimmer bringen sollten. Sie nickten eifrig und redeten kaum, und ich hoffte das Beste, während immer wieder mein Handy vibrierte. Mona schickte ein paar Herzchen und kündigte ihren Besuch für abends an, meine Mutter fragte, wie die Fahrt gewesen war.

So ein kleiner Dicker trug gerade meinen Orangenbaum ins Wohnzimmer und gähnte dabei so sehr, dass ich seine Zahnplomben sehen konnte. Rumms ließ er dann auch noch den Baum mitten im Wohnzimmer fallen.

Hoffentlich war alles heil geblieben. Langsam wickelte ich die Noppenfolie ab. Erde bröselte mir entgegen, Topf und Äste schienen jedoch intakt zu sein. Vorsichtig schob ich den Baum vor die Tür des kleinen Balkons und sah, wie der Mann schon wieder verstohlen gähnte, während er die Folie wegräumte.

Hier herrschte eindeutig Koffeinbedarf, und die Espressomaschine war natürlich noch in irgendeiner Kiste verpackt.

Ich liebe es, Leute zu überraschen. Gleich in der Nähe war ein kleiner Bäcker, also schnappte ich mir meinen Geldbeutel und den Einkaufskorb und lief an zwei Männern vorbei, die gerade die Einzelteile meiner Bücherregale nach oben trugen. Hinter der Tür mit dem schwarzen Fußabtreter im ersten Stock hörte ich Schritte. Gegenüber standen Kinderschuhe. An der PC -Reparaturwerkstatt im Erdgeschoss hing ein "Geschlossen"-Schild. Auf meine neuen Nachbarn war ich schon sehr gespannt, während der Renovierungsarbeiten hatte ich leider kaum jemanden gesehen.

Ich war so froh über meine neue Wohnung hier in Sendling. Drei Zimmer, Küche, Bad, einen winzigen Balkon zur Straße, einen etwas größeren in den Innenhof, in einem gelben Altbau. Vermutlich Jahrhundertwende, so wie die weißen Muster an der Fassade und die kleinen Balkone aussahen. Sie erinnerten mich mit den geschwun genen Eisenstäben an Paris, und ich hatte sie gleich beim ersten Anblick in mein Herz geschlossen.

Die Danklstraße war eine schmale Seitenstraße, viel Verkehr gab es also nicht, parallel dazu verlief aber die Implerstraße mit allerlei Geschäften und einer U-Bahn-Station. Und eben den Bäcker, zu dem ich gerade unterwegs war.

Sendling war noch nicht so schick und teuer wie zum Beispiel Schwabing, aber auch hier standen viele alte Gründerzeit- und Jugendstilhäuser. Überall viele Bäume und kleine Parks, ein Schwimmbad, Cafés und Nachbarschaftsinitiativen. Und eine Buchhandlung! Nie hätte ich gedacht, dass ich so ein Glück haben würde.

Beim Bäcker holte ich für jeden einen großen Cappuccino und suchte belegte Brötchen mit Käse und Salami aus. "Semmeln", wie die Verkäuferin sagte, einfach wunderbar, keine "Weck" mehr, sondern Semmeln.

Auf dem Heimweg vibrierte wieder mein Handy. Endlich, die Kinder - dachte ich. Doch da stand "Viola" auf dem Display. Na, die hatte Nerven. Mit Viola würde ich auf gar keinen Fall sprechen, nie mehr. Von wegen beste Freundin! Ein verlogenes Miststück war sie, mehr nicht. Sofort drückte ich das Gespräch weg.

Leider war der Chef der Truppe überhaupt nicht erfreut über die Unterbrechung. Aber ich war lange genug selber Chefin gewesen, um zu wissen, wie wichtig Pausen für die Arbeitsqualität sind, und bestand deshalb darauf, dass im Sitzen gegessen wu

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