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Pechrabenschwarz Roman von Adler, Renata (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.03.2015
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Pechrabenschwarz

In Pechrabenschwarz erzählt Renata Adler mit kühner Raffinesse von Kate und ihrem Wagnis, sie selbst zu sein. Denn Kate befindet sich in einer Beziehung zu einem verheirateten Mann. Und die Widersprüchlichkeiten häufen sich, im Kopf und anderswo, bis sie die junge Frau zur Flucht aus New York treiben, mitten in die pechrabenschwarze Nacht im irischen Nirgendwo ... Renata Adlers Sound - im selben Moment nüchtern und sublim - ist unverkennbar. Dieser Sound machte ihren von der deutschen Kritik gefeierten Erstling Rennboot zu der Wiederentdeckung der letzten Jahre und Adler zu einem brandneuen Klassiker.

Renata Adler, geboren 1938 in Mailand, studierte in Harvard und an der Sorbonne. Sie arbeitete für den New Yorker und die New York Times . Zeit ihres Lebens ist sie eine streitbare Figur des amerikanischen Kulturlebens.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 228
    Erscheinungsdatum: 07.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518739938
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Pitch Dark
    Größe: 4704 kBytes
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Pechrabenschwarz

I . ORCAS ISLAND

Wir rannten, was das Zeug hielt. Der Auftakt war atemberaubend. Was dazwischen kam, war atemberaubend. Der Ausgang war atemberaubend. Es war wie ein Hindernisrennen, das nur aus Hürden bestand.

Aber ein Hindernisrennen wäre das hier ganz und gar nicht. Es wäre eher wie ein steiler, sehr steiler Anstieg.

Alle riefen sie, Erzähl, Big Momma, erzähl. Ich meine, das Kind ist doch erst sechs.

Muß ich das Ganze also noch stilisieren, oder kann ich es erzählen, wie es war?

Er wußte, daß sie ihn verlassen hatte, als sie wieder zu rauchen anfing.

Hör mal, ich habe dich geliebt, weißt du.

Ob er sich wohl je fragen wird, sich sagen wird, Eigentlich war es ja nicht die Welt, was sie verlangt hat - warum habe ich sie nur gehen lassen?

Ich bin aus der Haut gefahren, sagte Viola Teagarden gerne erhobenen Hauptes, die Nasenflügel gebläht, mit einem kleinen Schauder von Wichtigkeit, Stolz und Vergnügen, und fuhr dabei mit einem winzigen Ruck in die Höhe, als hätte sie durch den Stuhl, auf dem sie saß, einen leichten elektrischen Schlag bekommen. Ich bin aus der Haut gefahren. Sie sprach auch immer mit einer Art Ehrfurcht von dem, was sie "mein Zorn" nannte, als handelte es sich dabei um einen lebenden, preisgekrönten Besitz, einen reinrassigen Stier etwa, der sich zur Zucht verwenden ließ, oder auch in dem Ton, in dem ein Mann, der eine schöne, unberechenbar übellaunige Frau geheiratet hat, die weit reicher und jünger ist als er, sagen würde "meine Frau". Auch Leander Dworkin hatte, obschon er Viola kaum kannte und sie im Grunde verachtete, etwas, was er "meine Wut" nannte. Die glich einmal einem Treibhaus üppig gepflegter eingebildeter Leiden, dann wieder einem Pulsschlag, den er fortwährend zu messen pflegte, um festzustellen, mit wem und in welchem Maße er wütend zu sein habe, ein anderes Mal einer Quelle des Staunens und des Hochgefühls oder manchmal einfach nur einem Pferd, das man in lockerem Kanter oder im Galopp über die Heide reiten konnte. In Zeiten der Wut wollte er durch nichts auf der Welt abgelenkt oder besänftigt werden. Selbst Schmeichelei, für die er sonst einen so wahllosen und unersättlichen Appetit zeigte, konnte ihn in seinem Streben nach Apotheose regelrecht aufbringen. Einige wenige Leute ließen ihm in dieser Eigenart seinen Willen. Sie waren seine Freunde. Einen oder mehrere ebendieser wenigen Freunde traf unweigerlich seine Wut - fürs erste immer Anlaß zu Niedergeschlagenheit, da er die Freundschaft mit Worten abzubrechen pflegte, die ebenso schneidend wie launenhaft waren, dann aber, während der langen, ruhigen Zwischenzeit, die folgte, Grund zur Erleichterung.

Es fängt damit an, daß ich beinahe, allein, nach Graham Island gefahren wäre.

Er betrachtete sich, ja bezeichnete sich auch als einen außergewöhnlich gut aussehenden Mann. Sein Haar, das er in Kragenlänge trug, war rötlich. Sein Haaransatz wich immer weiter in die Stirn zurück; seine Augen, die wegen der Kontaktlinsen fortwährend blinzelten, waren von einem unwahrscheinlich blassen Blau. Obschon er keineswegs auffallend häßlich war, schien seine Überzeugung von seiner äußeren Schönheit auf dem einen zu beruhen: daß er groß war. Leander Dworkin war der ausschmückende Dichter. Willie Stokes war der Dichter der Verknappung. Beide lehrten Dichtkunst und schrieben Romane, als wir auf der Universität waren. Wir liefen uns in zwei irrwitzigen Seminaren über den Weg, die von zwei Koryphäen abgehalten wurden. Vorstellungen vom Paradies und Der Laut in der Literatur. Bei ersterem ging es im wesentlichen um literarische Utopien; bei letzterem um Onomatopöie. Beide Seminare waren anfangs so überfüllt, daß unter den Studenten eine Ausw

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