text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Pedalpilot Doppel-Zwo Roman von Schmid, Wolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2014
  • Verlag: Liesmich Verlag UG
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Pedalpilot Doppel-Zwo

Der spontane Besuch des gerade pensionierten Paketwagenfahrers Walter bei seinem Sohn Johannes in Hamburg bringt die sicheren Mauern ins Wanken, hinter denen die beiden sich schon seit Langem zurückgezogen haben.Als sich Johannes alias Fahrradkurier 'Doppel-Zwo' bei einem Radunfall das Schlüsselbein verletzt, springt der Vater kurzerhand als 'Doppel-Zwo Senior' für ihn ein. So lernt Walter die Kurierszene Hamburgs, die dort geltenden Regeln und die eigenwilligen Menschen hinter den Funkgeräten kennen.Nebenbei holt er noch das eine oder andere Versäumnis seinem Sohn gegenüber nach ein Coming of Age im Rentenalter.Pedalpilot Doppel-Zwo ist ein unangepasster Entwicklungsroman, der die Leser mitnimmt zu den schönsten Rastplätzen und Aussichtspunkten der Elbe-Stadt.Mit Hamburg-Karte und literarischem Glossar.

Wolf Schmid wurde 1976 auf der Schwäbischen Alb geboren, hat beim Eichborn- Verlag volontiert, Ethnologie und Allgemeine Rhetorik studiert, eine Abschlussarbeit über soziale Identitäten von Freiern geschrieben und mehrere Jahre als Buchhändler, Messebauer und Fahrradkurier gearbeitet. Seit 2009 lebt er in Lissabon. 2013 gewann er mit der Illustratorin teresa Cortez den Prémio Nave especial für die iPad-Applikation Guarda Sóis do Brasil (dt.: Sonnenschirme aus Brasilien), die bei Nave especial in Lissabon erscheint. Pedalpilot Doppel-Zwo ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 15.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945491010
    Verlag: Liesmich Verlag UG
    Größe: 556 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Pedalpilot Doppel-Zwo

So kleingeistig und duckmäuserisch wie Walter wollte sein Sohn Johannes auf keinen Fall enden. Er verachtete ihn für seine Feinrippunterhemden, die braun-beige-karierten Pantoffeln, die Behäbigkeit, mit der er durch die Welt schlich, die schmale Stimme, die bei allem, was sie sagte, insgeheim um die Erlaubnis bat, überhaupt erhoben werden zu dürfen. Nach seinem Abitur verließ Johannes die Heimat, zog nach Hamburg und begann als Fahrradkurier zu arbeiten. Das war sechs Jahre her. Zwischenzeitlich hatte er sich ohne Erfolg bei sämtlichen deutschen Filmhochschulen und Rundfunkanstalten auf eine Ausbildung zum Regisseur oder Cutter beworben. Er hatte ein Soziologiestudium und mehrere Beziehungen abgebrochen, und sich durch acht Wohnungen in fünf Stadtteilen gewohnt. Nur seinem Job war er treu geblieben. Er war Pedalpilot Doppel-Zwo, Fahrer Nummer 22 bei den Pedalpiloten, Hamburgs ältester Kurierbude, über der Gerüchten zufolge seit Jahren die Pleitegeier kreisten.

Kurz nach acht verließ er seine Wohnung und radelte Richtung Stadtmitte, weil die wenigen Touren, die so früh fällig waren, meistens dort abgingen. Noch beschränkte sich der Funker darauf, gelegentlich ein traniges »keine Touren« zu wiederholen. Johannes trat gleichmäßig in die Pedale. In der Nacht hatte Sturmtief Anke ein erstes Mal in dieser Saison den Herbst durch die Straßen gejagt. Nun lagen sie voll mit glitschigem Laub. Er war so früh unterwegs, weil er einen Überschuss einfahren wollte. Wie die meisten Kuriere agierte er als selbstständiger Unternehmer. Er zahlte den Pedalpiloten eine monatliche Anschlussgebühr von knapp 400 Euro, der Rest seiner Umsätze blieb für Steuer, Krankenversicherung, Miete und im besten Fall, um Bedürfnisse zu stillen, die über die bloße Existenz hinausreichten. Am kommenden Freitag stand der Tag der Deutschen Einheit an. Er wollte das verlängerte Wochenende in Dänemark verbringen, Horizont und Ruhe tanken, bevor er von Schmuddelwetter und vorweihnachtlichem Hochbetrieb in die Mangel genommen wurde. Er bog hinter dem Dammtorbahnhof zur Binnenalster ab, als er eine erste Tour angeboten bekam, und bevor er die auslieferte, eine zweite, eine dritte und eine vierte, alles innerhalb des Innenstadtrings. Fette Beute sagte man unter Kurieren, wenn es gut lief. Johannes sagte es mit einer gewissen Ironie. Er wollte nicht als Kurier alt werden, aber für den Moment konnte er sich nichts Besseres vorstellen und irgendwie wollte dieser Moment einfach nicht aufhören.

Um fünf nach neun stand er an der Binnenalster und wartete auf einen neuen Auftrag. Er hatte einen Umsatz von 23 Euro und 75 Cent in der Tasche. Wenn es um Zahlen ging, war er exakt. In seinem Kopf klackerte permanent eine Zähluhr, die Monats- und Tagesumsatz, den gegenwärtigen Stundenlohn und Gewinn anzeigte, Ausgaben aufaddierte und Alarm schlug, wenn er vom Haben ins Soll rutschte.

Kollege Zwo-Sieben, Jochen, ein diplomierter Architekt, für den sein Jahr als Kurier ein Lebenstraum war, den er ausschließlich bei Sonnenschein und Temperaturen über 15°C auslebte, sagte, dass der Kurierjob viele Vorteile hatte, Geld verdienen aber nicht dazu gehörte. Johannes gab ihm recht.

Ein paar Meter weiter beschnupperte ein fusseliger Hund einen Laternenpfahl und schickte sich an, ein Hinterbein zu heben. Jeder Millimeter schien von Bedeutung. Er trippelte hin und her, stellte sich mal mit dem Gesicht zu seinem geduldig wartenden Herrchen, mal von ihm weg, und entschied sich schließlich für eine Position mit Blick auf die Alsterfontäne. Der Urinstrahl verfehlte den Pfahl großzügig und traf die Vorderpfote diagonal zum gehobenen Fuß. Der Gelbton des filzigen Fells ve

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen