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Pimpernellche von Croissant-Rust, Anna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Pimpernellche

Der Band versammelt die drei Erzählungen Pimpernellche, Nikolaus Nägele sowie Duo, Trio und Duo. Die Titelgeschichte, der mit Abstand längste der drei Texte, erzählt die Geschichte der Nelly Heß, genannt Pimpernellche, 'ein kleines, altgescheites, naseweises, phantastisches und dabei doch überaus schüchternes Persönchen'. Doch die scheinbare Idylle ihres Kinderlebens hat ein Ende, als der Vater plötzlich tot im Bett liegt und sich herausstellt, dass sein Geschäft 'kapores' - bankrott - ist. Wie gut, dass Pimpernellche in ihrem Vetter Franz einen treuen Freund hat ... 1901 wurde Pimpernellche als erstes Werk der bedeutenden naturalistischen Autorin in der hochrenommierten Literaturzeitschrift Die Insel abgedruckt. Anna Croissant-Rust (1860-1943) wurde in Bad Dürkheim geboren und lebte lange Jahre in München sowie in Ludwigshafen. In München hatte sie Kontakte zur Schwabinger Künstler- und Literatenszene sowie zur Zeitschrift 'Die Insel' und zu dem Verleger Georg Müller. Ihre 1890 erschienene Erzählung 'Feierabend, eine Münchner Arbeiter-Novelle' wurde als 'Meisterwerk des Naturalismus' gefeiert und machte die Dichterin weithin bekannt. Sie war das einzige weibliche Mitglied der 1895 von Michael Georg Conrad gegründeten Gesellschaft für modernes Leben. Ihre Erzählungen und Romane sind von hoher sozialer Einfühlungsgabe und humorvollen Charakterzeichnungen geprägt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711460849
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 988 kBytes
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Pimpernellche

Pimpernellche

Pimpernellche war nur ihr Schmeichelname, der Vater hatte sie so getauft und niemand nannte sie mehr anders; eigentlich hiess sie Nelly, Nelly Hess und war ein kleines, altgescheites, naseweises, phantastisches und dabei doch überaus schüchternes Persönchen, für das der Name nicht schlecht passte. Er kam nicht etwa daher, dass sich Nelly viel im Garten herumgetrieben hätte, wo das wohlschmeckende Kräutlein Pimpinell neben den anderen Salatkräutern gedieh, dem feinblättrigen Estragon und dem rauhen Borasch, er gefiel eben dem Vater und war gar nicht verwunderlich, wenn man das Kind kannte. Es war etwas Erfahrenes, Überlegtes in seinem Wesen, das sich sehr gut durch das "Pimper" ausdrückte, und wieder etwas Weiches, Ratloses, dem das "Nellche" entsprach. Stirn und Nase sahen ganz resolut aus, letztere ein keckes Stumpfnäschen, aber Kinn und Mund zerflossen hilflos. Ganz gewiss keine Schönheit, das kleine Pimpernellche, und doch unter den Vieren Vaters Liebling, die Älteste, die Vernünftigste, und in seinen Augen auch die Liebenswerteste.

Nein, vom Garten kam der Schmeichelname nicht, den sah Pimpernellche selten genug; sie hatte sich schon früh gewöhnen müssen, der Mutter die meisten Pflichten abzunehmen. Diese sass die meiste Zeit im Lehnstuhl, durch eine Krankheit am Gehen verhindert, die ihr selbst als kein grosses Kreuz erschien, weil sie ihr erlaubte, still zu sitzen, die Arme bequem auf die Lehnen zu legen und zuzuschauen, wie andere arbeiteten. Und es bekam ihr sichtlich, so zu leben, ihr Teint und ihre Hände, die sie sehr liebte, blieben blütenweiss, und ihr Körper wurde schön rundlich, was immer die Sehnsucht ihrer mageren Mädchenjahre gewesen war.

War Pimpernellche dem Vater gegenüber die Liebenswürdige, Verständige, so war sie den zwei Brüdern, den "Buwe" gegenüber immer hartnäckig und widerhaarig, und stets tobte zwischen den dreien der wildeste Kampf, von seiten des männlichen Teiles mit Knüffen und Püffen, von seiten des weiblichen mit spitzen Redensarten, weisen Sprüchen und gelegentlicher Heulerei geführt. Trat der ernste Vater ins Haus, so verstummte alles, nur vor der Mutter gabs oft hässliche Zänkereien, für die immer Pimpernellche verantwortlich gemacht wurde, denn Mutter und Brüder lehnten sich gegen die Rechte auf, die ihr vom Vater eingeräumt wurden, und bildeten eine wortlose, aber sehr merkbare Verschwörung unter sich.

Immer sollte Pimpernellche nachgeben, immer hörte sie dasselbe von der Mutter: "Du bist die älteste, gieb du nur nach." Das Nachgeben war gerade nicht ihre Sache, es stimmte schon eher zu ihren Pflichten, dass sie den "Buwe" weise Reden hielt und als leuchtendes Beispiel eines einwandfreien Lebenswandels sichtbar und merkbar vor ihren Augen umherging. In der Schule war sie stets unter den ersten, was man den "Buwe" niemals nachsagen konnte, und hatte sie im Zimmer bei der immer schläfrigen Mutter zu bleiben, um lange Strümpfe und kurze Socken zu stricken, so that sie's ohne Murren, obwohl sie auch mit den andern gern getollt hätte. Nun dafür sorgte die Mutter schon, dass ihr das Tollen verging, sie hielt sie mit Launen und Wünschen und Befehlen so in Atem, dass Pimpernellche froh war, wenn sie nur einmal Ruhe gab. Freilich, während das Mädchen in der Schule war, schlief sie, was ihre liebste Beschäftigung war, kam die Kleine aber heim, so ging der Tanz los. Und dabei durfte sie nicht allen Wünschen nachgeben, der Vater erlaubte es nicht, denn die Mutter wünschte unvernünftig und kehrte sich gar nicht daran, dass sie schlecht standen, so oft's ihr auch der Vater sagte. Mehr wie einmal hatte es Pimpernellche erlebt, dass sie sich einfach die Ohren zuhielt und zu schreien anfing: "Du hoscht mich geheirat't, unn mir versproche, mich uff de Händ zu trage, des muscht du halte. Ich will nix Wüschtes höre, ich kann's nit, geh fort, geh nor fort!"

Alles in ihrem unverfälschten Pfälzer Dialekt, der den Vater zur Ve

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