text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Pole Poppenspäler Novelle (Reclams Universal-Bibliothek) von Storm, Theodor (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.08.2016
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
2,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Pole Poppenspäler

Der Kunstdrechsler Paul Paulsen erzählt die Geschichte seiner Ichfindung: Als Kind vom Puppenspiel fasziniert, wird er als 'Pole Poppenspäler' verspottet, lernt dann aber, Verantwortung zu übernehmen und sich dem Ernst des Lebens zu stellen. Er heiratet seine Jugendliebe Lisei, die Tochter des Puppenspielers Tendler, und verbindet Kunst und Verantwortlichkeit zu einem geglückten Leben. - Theodor Storm verfasste diese Novelle für die 1873 neu gegründete Jugendzeitschrift 'Deutsche Jugend'. Im Nachwort zur Buchausgabe der Novelle weist er darauf hin, dass er sich für diese Auftragsarbeit intensiv mit dem Thema der Jugendschriftstellerei befasst hat und eine Form fand, die thematisch für Jugendliche geeignet, aber auch von Erwachsenen ernst zu nehmen ist. Text in neuer Rechtschreibung. E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden.

Theodor Storm (14. 9. 1817 Husum - 4. 7. 1888 Hademarschen, Holstein) ist durch stimmungsstarke Lyrik und Novellen hervorgetreten. Sein Werk ist dem Realismus zuzuordnen, prägend sind Natur- und Gefühlsschilderungen, eine zunehmende Rolle spielen im Lauf des Schaffens gesellschaftliche und psychologische Konfliktsituationen, auch in historischen Zusammenhängen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 90
    Erscheinungsdatum: 23.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159610306
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 377 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Pole Poppenspäler

[3] Ich hatte in meiner Jugend einige Fertigkeit im Drechseln, und beschäftigte mich sogar wohl etwas mehr damit, als meinen gelehrten Studien zuträglich war; wenigstens geschah es, dass mich eines Tags der Subrektor bei Rückgabe eines nicht eben fehlerlosen Exerzitiums seltsamerweise fragte, ob ich vielleicht wieder eine Nähschraube zu meiner Schwester Geburtstag gedrechselt hätte. Solche kleine Nachteile wurden indessen mehr als aufgewogen durch die Bekanntschaft mit einem trefflichen Manne, die mir in Folge jener Beschäftigung zuteil wurde. Dieser Mann war der Kunstdrechsler und Mechanikus Paul Paulsen, auch deputierter Bürger unserer Stadt. Auf die Bitte meines Vaters, der für alles, was er mich unternehmen sah, eine gewisse Gründlichkeit forderte, verstand er sich dazu, mir die für meine kleine Arbeiten erforderlichen Handgriffe beizubringen.

Paulsen besaß mannigfache Kenntnisse und war dabei nicht nur von anerkannter Tüchtigkeit in seinem eigenen Handwerk, sondern er hatte auch eine Einsicht in die künftige Entwickelung der Gewerke überhaupt, sodass bei manchem, was jetzt als neue Wahrheit verkündigt wird, mir plötzlich einfällt: das hat dein alter Paulsen ja schon vor vierzig Jahren gesagt. - Es gelang mir bald seine Zuneigung zu erwerben, und er sah es gern, wenn ich noch außer den festgesetzten Stunden am Feierabend einmal zu ihm kam. Dann saßen wir entweder in der Werkstätte, oder sommers - denn unser Verkehr hat jahrelang gedauert - auf der Bank unter der großen Linde seines Gärtchens. In den Gesprächen, die wir [4] dabei führten, oder vielmehr, welche mein älterer Freund dabei mit mir führte, lernte ich Dinge kennen und auf Dinge meine Gedanken richten, von denen, so wichtig sie im Leben sind, ich später selbst in meinen Primaner-Schulbüchern keine Spur gefunden habe.

Paulsen war seiner Abkunft nach ein Friese und der Charakter dieses Volksstammes aufs Schönste in seinem Antlitz ausgeprägt; unter dem schlichten blonden Haar die denkende Stirn und die blauen sinnenden Augen; dabei hatte, vom Vater ererbt, seine Stimme noch etwas von dem weichen Gesang seiner Heimatsprache.

Die Frau dieses nordischen Mannes war braun und von zartem Gliederbau, ihre Sprache von unverkennbar süddeutschem Klange. Meine Mutter pflegte von ihr zu sagen, ihre schwarzen Augen könnten einen See ausbrennen, in ihrer Jugend aber sei sie von seltener Anmut gewesen. - Trotz der silbernen Fädchen, die schon ihr Haar durchzogen, war auch jetzt die Lieblichkeit dieser Züge noch nicht verschwunden, und das der Jugend angeborene Gefühl für Schönheit veranlasste mich bald, ihr, wo ich immer konnte, mit kleinen Diensten und Gefälligkeiten an die Hand zu gehen.

"Da schau mir nur das Buberl", sagte sie dann wohl zu ihrem Mann; "wirst doch nit eifersüchtig werden, Paul!"

Dann lächelte Paul. Und aus ihren Scherzworten und aus seinem Lächeln sprach das Bewusstsein innigsten Zusammengehörens.

Sie hatten außer einem Sohne, der damals in der Fremde war, keine Kinder, und vielleicht war ich den beiden zum Teil deshalb so willkommen, zumal Frau Paulsen mir wiederholt versicherte, ich habe grad ein so [5] lustigs Naserl wie ihr Joseph. Nicht verschweigen will ich, dass Letztere auch eine mir sehr zusagende, in unserer Stadt aber sonst gänzlich unbekannte Mehlspeise zu bereiten verstand und auch nicht unterließ, mich dann und wann darauf zu Gaste zu bitten. - So waren denn dort der Anziehungskräfte für mich genug. Von meinem Vater aber wurde mein Verkehr in dem tüchtigen Bürgerhause gern gesehen. "Sorge nur, dass du nicht lästig fällst!", war das Einzige, woran er in dieser Beziehung zuweilen mich erinnerte. Ich glaube indessen nicht, dass ich meinen Freunden je zu oft gekommen bin.

Da geschah es eines Tages, dass in meinem elterlichen Hause einem alten Herrn aus unserer Stadt das neueste und wirklich ziem

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen