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Porträt einer Ehe Roman von Black, Robin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.05.2016
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
eBook (ePUB)
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Porträt einer Ehe

Gibt es ein Geheimnis für das Bewahren der Liebe? Augusta und Owen sind von der Großstadt Philadelphia aufs Land gezogen, wo sie ein ruhiges, einsames Leben führen, Gus als Malerin, Owen als Schriftsteller. Doch ihre Verletzungen konnten sie nicht zurücklassen: Die Malerin hatte eine Affäre, die zwar vorüber ist, aber Gus hat ihrem Mann alles gestanden, und nun versuchen beide, ihre Ehe zu retten. Als in das Nachbarhaus eine neue Mieterin einzieht, ändert sich das stille, isolierte, vorsichtige Leben des Paars. Gus freundet sich mit der geschiedenen Britin Alison schnell an, sie ist ebenfalls Malerin, und Schritt für Schritt wird das Beziehungsgeflecht zwischen den drei Nachbarn enger und vertrauter, aber auch komplizierter. Und spätestens als die junge Nora, Alisons Tochter, eintrifft, droht die Situation zu eskalieren ... Robin Black lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Philadelphia. Ihre Erzählungen und Essays sind in zahlreichen Zeitschriften veröffentlicht worden, und sie hat Stipendien der Leeway Foundation und der MacDowell Colony erhalten. Heute lehrt sie am Brooklyn College. Mit ihrem Roman "Porträt einer Ehe" kam sie auf die Longlist des Flaherty-Dunnan First Novel Prize.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 24.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641156374
    Verlag: Luchterhand Literaturverlag
    Originaltitel: Forgiving
    Größe: 624 kBytes
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Porträt einer Ehe

1

I n den letzten Tagen vor seinem Tod besuchte mein Mann Alison jeden Nachmittag. Ich schaute zu, wenn Owen über die verschneite kleine Anhöhe zwischen unseren Grundstücken stapfte, einmal von mir weg, das andere Mal auf mich zu. Und fragte mich, woran er dabei dachte. Fragte mich auch, ob Alison ihm ebenfalls von einem Fenster aus zusah und ob sein Gesichtsausdruck, wenn er auf sie zukam, sich von dem unterschied, den ich sah, wenn er wieder nach Hause zurückkehrte.

In den Wochen nach seinem Tod starrte ich aus demselben Fenster in unserem Wohnzimmer, dem am nächsten zum Kamin gelegenen, oft eine geschlagene Stunde lang. Manchmal sogar länger. Einen Tag nach seinem Begräbnis hatten wir einen gewaltigen Schneesturm. Ich sah zu, wie beinahe ein Meter Schnee fiel und den ganzen Januar über, bis in den Februar hinein, liegen blieb; gelegentlich kamen noch ein paar Zentimeter hinzu, und überall bildeten sich Verwehungen, die die Landschaft einebneten, so dass die Anhöhe nicht mehr ganz so ausgeprägt war und sämtliche Bäume mit ihren tief im Schnee steckenden Stämmen weniger hoch erschienen.

Ich stelle mir vor, dass es sehr schön ausgesehen haben muss. Doch sich etwas vorzustellen und sich an etwas zu erinnern ist nicht ganz dasselbe. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich es damals anders als gespenstisch empfand.

O wen erhielt keine Erdbestattung. Praktisch seit dem Tag, an dem wir uns kennenlernten, hatte ich gewusst, dass er eingeäschert werden wollte. Wir hatten einander auf eine Weise den Hof gemacht - auch wenn dieser Ausdruck uns beiden altmodisch vorgekommen wäre -, zu der gehörte, dass wir viel über den Sinn des Lebens und die Aussicht auf den Tod diskutierten. Wir waren jung, blutjung, und zweifellos glaubte keiner von uns wirklich daran, dass er jemals sterben würde, was diese Diskussion, die oft spätnachts, gleich nach dem Sex stattfand, erfrischend machte. Die Vergänglichkeit der Existenz berge eine gewisse Schönheit, sagten wir. Die Sterblichkeit zu akzeptieren sei befreiend. Religion sei etwas für Dummköpfe. Religion, im Verein mit Trauungen, Thanksgiving-Essen, Kombiwagen, Fortpflanzung und so weiter. Eine Beerdigung sei eine perverse Idee, wenn man einmal wirklich darüber nachdenke, ohne die kulturellen Voraussetzungen, die einen blendeten. All diese toten Körper, die all dieses Land für sich beanspruchten. Ein absonderlicher, fetischistischer Brauch.

Wir würden ein Paar sein, das sich einäschern ließ. Das wurde schon früh beschlossen.

Außer dass wir niemals sterben würden.

Ich dachte über so viele Dinge nach in jenen ersten, schneereichen Wochen, einschließlich der Tatsache, dass auch ich sterblich war, dass auch ich eines Tages verschwinden und Dinge hinterlassen würde wie zum Beispiel Glasscheiben, durch die andere hindurchblicken konnten, und eine Kälte, die sie spüren würden. Schnee, der nicht nur versonnen betrachtet werden konnte, sondern geräumt werden musste. Praktische Dinge, bei denen ich nicht länger Hilfe oder Hindernis sein würde. Beziehungen, die aufgegeben wurden wie nicht zu Ende geführte Gedanken.

Nicht, dass noch nie ein mir nahestehender Mensch gestorben wäre. Ich war siebenundvierzig. Nur wenige erreichen dieses Alter unbeschadet, und ich war noch ein Kleinkind, als eine Hirnblutung innerhalb von Stunden meine Mutter dahinraffte; dann verlor meine ältere Schwester Charlotte mit sechsundvierzig den schmutzigen Kampf gegen Krebs, und mein Vater befand sich einsam und dement auf dem Weg in einen hässlichen, zutiefst ungerechten Tod.

Doch Owen war Owen. Owen war ich selbst. Ich war Owen. Einschließlich der Wut und allem, was dazugehörte. Dem Verrat und allem, was dazugehörte. Wenn Owen ins Zimmer kam, hätte ich ihn vielleicht oft - sozusagen - am liebsten umgebracht, doch gleichzeitig hätte ich die meiste Zeit meines Lebens nicht wirklich sagen können, wo ich aufhörte und er begann. Und dann star

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