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Prinz Louis Ferdinand Ein Zeitbild von Lewald, Fanny (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.11.2015
  • Verlag: Reese Verlag
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Prinz Louis Ferdinand

Ein Klassiker des historischen Romans. Louis Ferdinand (1772-1806), der preußische Apoll, ist ein tragischer Held der deutschen Geschichte, hier gesehen mit den Augen einer Frau. '?Bücher haben ihre eigene Fata!? hat schon der alte römische Dichter gesagt, und ich finde dies nun auch in meiner eigenen Erfahrung bestätigt. Denn die erste meiner größeren Arbeiten, bei welcher die Gunst des Publikums eine zweite Auflage notwendig gemacht hat, ist gerade diejenige, für die ich vom künstlerischen Standpunkt aus dieses Schicksal am wenigsten erwartet hatte, obschon ich für dieselbe, als ich sie vor zehn Jahren der Öffentlichkeit übergab, eine besondere Vorliebe hegte. Diese Vorliebe gründete sich auf das psychologische Interesse, welches mir die Gestalt des Prinzen Louis Ferdinand, die Gestalt jenes unglücklichen preußischen Fürstensohnes einflößte, der zum Helden oder zum Künstler geboren, durch seine Lage zu gänzlicher Tatlosigkeit verdammt, für alle seine Irrtümer ein offenes Feld, für das, was er Großes und Edles erstreben mochte, keinen Raum im Leben fand.' (Fanny Lewald) Er schlug eine militärische Laufbahn ein, kämpfte im Ersten Koalitionskrieg mit und hatte zuletzt den Rang eines Generals. Er nahm am Feldzug des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig gegen die französische Republik teil und wurde bei der Belagerung von Mainz 1793 verwundet. Louis Ferdinand gehörte 1805 zum Kreis der Personen um Königin Luise, den Freiherrn vom Stein und General Ernst von Rüchel, der dafür stand, Napoleon entgegenzutreten. Gemeinsam versuchten sie, den König davon zu überzeugen. Am 10. Mai 1805 übergab vomStein eine entsprechende Denkschrift. Der König lehnte vorerst ab, gab schließlich jedoch dem Ansturm nach und befahl die Mobilmachung. Louis Ferdinand, versierter Pianist und Improvisator war mit Beethoven bekannt und war Kompositionsschüler von Johann Ladislaus Dussek.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 395
    Erscheinungsdatum: 10.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959800280
    Verlag: Reese Verlag
    Größe: 544 kBytes
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Prinz Louis Ferdinand

Drittes Kapitel

Niemand hatte von Friedrichs des Großen Wahlspruch ' In meinen Staaten kann jeder auf seine Fa ç on selig werden ' größeren Vorteil gezogen als die Juden, welche, unter der Regierung seines Vorgängers noch vielfach eingeschränkt und bedrückt, sich jetzt einer größeren Duldung erfreuten.

Die gute Wirkung davon blieb nicht aus, die Früchte zeigten sich bald. In verschiedenen jüdischen Familien traten bevorzugte Naturen in hoher Geistesentwicklung hervor. Besonders waren es die Frauen, welche, ungehindert durch die Sorge für den Erwerb und die praktischen Verhältnisse des täglichen Lebens, sich schnell auf den geistigen Höhepunkt ihrer Zeit zu schwingen gewußt hatten.

Indes, alles Gewaltsame hat seine Gefahren. Selbst der Luftballon, der den Äther durchschiffen soll, darf nur langsam steigen, sich nur allmählich des Ballastes entledigen, der ihn an die niedere Region der Erde kettet. Der plötzliche Aufschwung der Jüdinnen Berlins zu Ende des vorigen Jahrhunderts entbehrte der wohltätigen Fessel, des Zusammenhangs, welcher das Neue mit dem Alten verbindet. Ausnahmsweise, selbst innerhalb ihrer Familien, sahen sie sich gezwungen, die Anerkennung, deren sie sich mit vollem Recht würdig fühlten, außerhalb derselben zu suchen, und hier trat ihnen in den Mittelständen hart und schroff das alte blinde Vorurteil gegen ihr Volk hindernd in den Weg. Sie mußten eine andere Region für sich entdecken.

Diese fand sich bald. Die französische Revolution, die Enzyklopädisten hatten ihnen vorgearbeitet. In den Seelen der Aufgeklärten war die Gewalt der Vorurteile zerstört oder doch mindestens ein Ringen bemerkbar, sich davon zu befreien. Man hatte die christlichen Dogmen, die christliche Askese als Fesseln erkannt, von der Hierarchie zur Knechtung der Menschheit erschaffen; man fühlte sich wieder der Natur eingeboren, geistig zu freiem Forschen, sinnlich zum Genuß berechtigt. Philosophische Prüfung trat an die Stelle des religiösen Glaubens; man warf, um das frühere Bild aufzunehmen, allen Ballast aus dem Ballon der aufsteigenden Gedanken und das leichte Fahrzeug ward ein Spiel des Sturmes.

Die Berechtigung der Leidenschaft, dieses Hebels aller großen Taten, die Berechtigung der verschiedenartigen Menschennaturen zu freier, angemessener Entwicklung wurde anerkannt. Man machte Gebrauch davon ohne Bedacht auf die Rückwirkung, welche dies notwendig auf andere haben mußte. Man sprach von dem Fortschritt der Menschheit, aber jeder liebte die Menschheit, ihren Fortschritt, ihre Freiheit nur in sich selbst. Unter dem Deckmantel der Freiheit, dieser Religion allumfassender und darum sich selbst verleugnender Liebe, überließ man sich einem verfeinerten Egoismus, der um so genußbringender war, je weniger er schöne Regungen der Seele ausschloß, und je mehr erhabene Empfindungen er zuließ, welche dem Ich schmeicheln konnten.

Jeder war der Gott und der Priester seines Egoismus, jeder wählte die ihm angemessenste Form für seinen Kultus der Selbstsucht. Sinnliche Ausschweifungen, verhüllt unter der Anbetung des vollendet Schönen, des unerforschbaren Mystischen; religiöse Spielereien mit dem Urchristlichen; kindische Lust an dem ursprünglich Volkstümlichen gingen geschätzt, beachtet und bewundert einher, neben edlen Bestrebungen und ernstem Forschen nach Wahrheit. Die Toleranz des Egoismus, welcher Duldung gewährt, um sie für sich zu erhalten, verband Männer und Frauen in Liebe und Freundschaft zu einer gesonderten Gesellschaft in der Gesellschaft.

Den Mittelpunkt dieses Kreises bildeten jene Jüdinnen, deren wir gedachten. Marianne und Sarah Meier, Dorothea Mendelssohn, die Tochter Moses Mendelssohns, Rahel Levin und andere hatten zu schwer von Vorurteilen gelitten, waren zu sehr von Unduldsamkeit gequält worden, um nicht frei von diesen Fehlern zu sein. Jedem geistig bedeutenden Menschen, der ihnen die Abstam

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