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Prosa von Scharf, Kurt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.12.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Prosa

Wann immer wir, in den hier versammelten Texten, das Groteske entschlüsseln, finden wir zu einem fantastischen Alltag zurück und werden Resonanzen eigener Erfahrung wahrnehmen. Kurt Scharfs Prosa, außergewöhnlich intensiv, wird nicht von kalter Konstruktion beherrscht, zeigt unverbrauchte Sprachkraft und birgt in sich, bei allen Zweifeln, eine Atmosphäre der Hoffnung, der wir uns nicht entziehen können. Die Freundlichkeit der Welt besitzt in diesen Geschichten Gewicht. geb. am 13. Mai 1954; Fernstudium (1978 bis 1981) am Leipziger Literaturinstitut, lebt in Wolgast.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 228
    Erscheinungsdatum: 07.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783743130425
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 139 kBytes
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Prosa

Träumerei

Eins

Singend brach sich der Wind an den Kanten des Hauses. Sturm kam auf.

In Gedanken versunken, ging eine Frau durch die oberen Zimmer. Die Möbel, von flackerndem Mondlicht umkränzt, schienen zu tanzen.

Die Frau sah aus dem Fenster.

Der Garten war dort. Und schräg unterhalb des Hanges, auf der Gegenseite, von Wiesen umgeben, weitere Häuser.

Dies alles existierte.

Aber sie - war das wirklich sie, die jetzt die Treppe herab stieg zur geräumigen Halle des Hauses?

Oder hatte eine fremde Person ihren Körper übernommen, und folgte nun den Geräuschen welche den Sturm übertönten?

Der Fernseher, unten, dröhnte; die Frau erinnerte sich nicht, das Gerät angestellt zu haben - sie war doch die ganze Zeit in den oberen Räumen gewesen.

Hier nun befanden sich sehr große Fenster, reichten entlang den Seitenwänden bis an die Decke.

Eines der Fenster wölbte sich nach außen.

Die Frau wunderte sich nicht, staunte nicht über den hangabwärts marschierenden Dachbinder - völlig zweckentfremdet (er gehörte doch auf die Grundmauern gesetzt!) trippelte der voran, gelangte zur Straße, zögerte einen Moment, wandte sich nach rechts und verschwand.

Der Sturm heulte, so laut, dass die Frau meinte im Garten oder sonst wo zu sein, irgendwo draußen, nur nicht in diesem schrecklich großen Vestibül.

Tatsächlich geriet nun - die Fenster verblassten flimmernd - der Teil des Hauses seitlich des Fernsehers zu einem Hof. Deutlich war dort, zusammengesetzt aus einzelnen Quadern, den Buchten, ein Kaninchenstall zu sehen; keine Bewegung darin.

Ein Geräusch drang zur Frau. Ein Klingeln.

Das Telefon, noch nicht zum Hof gewechselt, stand auf einem Beistelltisch. Die Frau hatte erwartet, es würde schwierig sein, den Hörer von der Gabel zu nehmen - doch war's ganz leicht.

Und die Verbindung so gut, dass der Gesprächspartner (unverkennbar: die Stimme eines Mannes) nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen war.

Von einem Empfang sprach der Herr, er sei zu einer Soiree geladen.

"Denk an den Nachbarn", sagte er noch, "der schleicht um die Häuser, der zündet sie an."

Die Erscheinung verblasste. Wieder war - an der Stelle, wo soeben der

Mann gestanden hatte - das nach außen gewölbte Fenster zu sehen.

Die Frau - nicht sicher, ob die Worte ihn noch erreichten - beeilte sich zu rufen: "Den Kindern geht es gut!"

Der Mann schien nicht aufgelegt zu haben, sie meinte Atemgeräusche zu hören.

Und sie schrie: "Seit wann kanntest du sie?"

Den Hörer aufzulegen gelang ihr nicht mehr.
Zwei

Dorit erwachte.

Sofort tastete sie zur Nachttischlampe, deren gedämpfter Schein sich alsbald auf die Seiten des Traumbuches legte, das griffbereit lauerte.

Zwei, drei Minuten der Sammlung. So hatte sie es sich antrainiert.

Dorit öffnete die Augen erst, nachdem sie den Handlungsstrang des Traumes an einigen Punkten festmachen konnte.

Die junge Frau griff zum Kugelschreiber, machte Notizen.

Später, im Laufe des Tages - vielleicht im Büro, wenn sich die Möglichkeit ergab - würde sie das nötige "Fleisch" dazugeben.

Am nächsten Wochenende träfe sich die Gruppe wieder, Dorits Träume waren dort sehr gefragt.

Frank hielt diesen "Firlefanz" für höchst überflüssig.

Dorit teilte seine Meinung nicht. Aber um des lieben Friedens willen steckte sie, sobald die Rede darauf kam, regelmäßig zurück.

Frank war eben ein Pragmatiker!

War dies das richtige Wort? Dorit lächelte, dabei wieder in das Buch kritzelnd.

Und sie? Na, wenigstens war sie bemüht gewesen, Interesse am Hausbau zu zeigen.

Es reichte ja, wenn sie zusah.

Beim Nivellieren des Kellerbodens. Beim Verschalen. Beim Bestücken der Gerüstrohre mit den Klauenk

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