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Pusteblumensommer Roman von Lieder, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.05.2017
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Pusteblumensommer

Charlotte Kristen ist Ende vierzig und allein erziehende Mutter von Malte, 14, einem Asperger Autisten. Die beiden leben glücklich zusammen in Wismar, und Charlotte baut sich gerade eine eigene Ziegenkäserei auf einer kleinen Ostseeinsel auf. Mit Männern hatte Charlotte immer nur Pech, und eigentlich hat sie mit dem Thema abgeschlossen. Bis sie - wegen eines dummen Sturzes - plötzlich ihr Gedächtnis verliert. Danach sieht sie den besten Freund und den längst abgelegten Ex nämlich in einem ganz anderen Licht... Und muss sich entweder ganz schnell an alles erinnern - oder eine längst fällige Entscheidung treffen.

Susanne Lieder wurde 1963 in Ostwestfalen geboren. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne. Inzwischen lebt sie mit ihrem Mann auf einem kleinen Resthof in der Nähe von Bremen. Wenn sie könnte, würde sie sofort auf den Darß ziehen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 12.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843715089
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2367kBytes
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Pusteblumensommer

1.

Wismar im Mai

Beinahe hätte Charlotte den Termin beim Klassenlehrer ihres Sohnes vergessen. Entsprechend überstürzt war sie von Poel zurück nach Wismar gefahren und hatte nicht nur die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Landstraße ignorieren, sondern anschließend auch noch im Halteverbot parken müssen. Mit wehendem Mantel schlitterte sie über den blank gewienerten Linoleum-Fußboden, um sich dann das pikierte Gesicht von Dr. Liedtke ansehen zu müssen, weil sie sich vier Minuten verspätet hatte.

Nach einer durchaus freundlichen Begrüßung sagte er etwas, das sie zunächst einmal sprachlos machte. Zwei, drei Sekunden lang starrte sie ihn fassungslos an. Ein heiseres, ungläubiges Lachen kam aus ihrer Kehle und blieb ihr schließlich regelrecht im Hals stecken. "Wie bitte? Was haben Sie da gerade ..."

"Frau Kristen, bitte, wir wollen doch ..."

Sie rang nach Luft. "Mein Sohn ist Asperger-Autist, Herr Dr. Liedtke, das heißt aber nicht, dass es ihm vollkommen egal ist, wenn er ausgeschlossen wird."

Dr. Liedtke schwitzte, wie sie bemerkte. Mit einer Hand griff er nach seinem Hemdkragen und zupfte daran herum. "Ich fürchte, Sie haben mich missverstanden, Frau Kristen."

"Das glaube ich nicht", gab sie kühl zurück.

Er hatte tatsächlich vorgeschlagen, dass ihr Sohn nicht an der bevorstehenden Klassenfahrt teilnehmen sollte, weil Malte sich sehr wahrscheinlich sowieso nur im Zimmer aufhalten und die Unternehmungen schwänzen würde. Und das wiederum würde seine Mitschüler möglicherweise dazu anstiften, sich ebenfalls "zu verweigern". Er hatte wirklich erst schwänzen und dann verweigern gesagt.

"Wollen Sie sich nicht wieder setzen?", schlug er ein wenig kleinlaut vor. Sein Lächeln war nervös und eine Spur aufgesetzt.

Nein, sie wollte sich nicht setzen, sie wollte ihn vors Schienbein treten oder am Kragen packen und durchs Klassenzimmer schleifen. So wütend und aufgebracht war sie schon lange nicht mehr gewesen. Vielleicht sollte sie doch über einen Schulwechsel nachdenken. Dieses Gymnasium war schließlich nicht das einzige in Wismar.

Charlotte hatte die linke Hand, die sie in die Manteltasche gesteckt hatte, zur Faust geballt.

Atme tief durch, so ist's gut. Aus und ein, aus und ein. Na siehst du ...

"Herr Dr. Liedtke, Malte möchte mit auf diese Klassenfahrt. Er freut sich schon darauf. Sie wissen, wie naturbegeistert er ist." Ihr war nicht entgangen, dass er bei ihren Worten vor sich hin genickt hatte. Hatte er vor einzulenken? "Außerdem dürfen Sie ihn gar nicht so ohne Weiteres ausschließen."

Sie biss sich auf die Zunge. Das war überflüssig gewesen. Möglicherweise hatte sie jetzt sogar einen Fehler gemacht, den sie nicht wiedergutmachen konnte und den Malte später ausbaden musste. Doch sie brachte keine Entschuldigung heraus, es ging einfach nicht. Dazu war sie viel zu aufgebracht.

"Ich muss Ihnen nicht sagen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass wir Malte an dieser Schule aufgenommen haben. Mit seiner Behinderung wäre er an einer ... speziellen Schule womöglich besser aufgehoben."

Jetzt hatte Dr. Liedtke einen Fehler gemacht. Charlotte mochte es nämlich überhaupt nicht, wenn man im Zusammenhang mit ihrem Sohn von einer Behinderung sprach, auch wenn das grundsätzlich die richtige Bezeichnung für Asperger-Autismus war. Sie selbst hatte Malte nicht eine Sekunde seines Lebens als behindert angesehen. Er war überdurchschnittlich intelligent, überdurchschnittlich zurückhaltend und still und überdurchschnittlich ehrgeizig, mehr nicht.

Die Psychologin, die vor einigen Jahren die Diagnose gestellt hatte, hatte Charlotte darauf hingewiesen, dass Malte zum Beispiel Anspruch auf einen Behindertenausweis habe, etwas, das ihm, der es nicht gerade leicht im Leben gehabt hatte und in Zukunft auch nicht haben würde, etliche Vergünstigungen einbrächte. Do

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