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Quichotte Roman - deutschsprachige Ausgabe von Rushdie, Salman (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.10.2019
  • Verlag: C. Bertelsmann
eBook (ePUB)

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Quichotte

Eine brillante Hommage an Cervantes und ein unverzichtbarer Kommentar zu unseren unsicheren Zeiten Ismael Smile ist ein Reisender, der besessen ist von der "unwirklichen Wirklichkeit" des Fernsehens. Er will das Herz der Königin der Talkshows erobern und begibt sich auf eine Reise quer durch Amerika, um sich ihrer als würdig zu erweisen. Auf dem Beifahrersitz, Sancho, der Sohn, den er sich immer gewünscht hat, aber niemals bekam. Salman Rushdie versetzt die Abenteuer des klassischen tragischen Helden Quichotte in unser Zeitalter des "Alles ist möglich". Er erzählt dabei auch von Vater-Sohn-Beziehungen, Geschwisterstreitigkeiten, unverzeihlichem Handeln, alltäglichem Rassismus, der Opioidkrise, Cyber-Spionen und nicht zuletzt vom Ende der Welt. Salman Rushdie, 1947 in Bombay geboren, studierte in Cambridge Geschichte. Mit seinem Roman "Mitternachtskinder" wurde er weltberühmt. Seine Bücher erhielten renommierte internationale Auszeichnungen, u.a. den Booker Prize, und sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. 1996 wurde ihm der Aristeion-Literaturpreis der EU für sein Gesamtwerk zuerkannt. 2007 schlug ihn die Queen zum Ritter.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 14.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641255756
    Verlag: C. Bertelsmann
    Originaltitel: Quichotte
    Größe: 2631 kBytes
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Quichotte

1. Kapitel

Quichotte, ein alter Mann, verliebt sich, begibt sich auf die Quest & wird Vater

Einst lebte an verschiedenen Adressen quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika ein Reisender indischen Ursprungs, fortgeschrittenen Alters und mit schwindenden geistigen Kräften, der angesichts seiner Liebe zum geistlosen Fernsehen viel zu viel Lebenszeit im gelben Licht von geschmacklosen Motelzimmern verbracht hatte, wo er es bis zum Exzess schaute, und der als Folge eine absonderliche Form des Hirnschadens davongetragen hatte. Er verschlang Morgenshows, Mittagsshows, Late-Night-Talkshows, Soaps, Stand-up-Comedys, Lebenslinien, Krankenhausdramen, Polizeiserien, Vampir- und Zombie-Serien, die Dramen der Hausfrauen von Atlanta, New Jersey, Beverly Hills und New York, die Liebesgeschichten und Streitigkeiten von verm ögenden-Hotel-Prinzessinnen und selbst ernannten Schahs, das Herumgetolle von Individuen, die durch unbeschwerte Nacktheit berühmt wurden, die fünfzehn Minuten des Ruhms, der den jungen Leuten mit vielen Followern in den Social Media zuteilwurde, aufgrund ihrer Plastischen-Chirurgie-Errungenschaft einer dritten Brust oder ihrer Post-Rippenentfernungs-Figur, die die unmögliche Gestalt der Barbie-Puppe der Mattel Company nachahmte, oder sogar, einfacher, ihre Fähigkeit, einen gigantischen Karpfen in pittoresker Landschaft zu fangen, während sie nur den winzigsten String-Bikini anhatten; ebenso wie Gesangswettbewerbe, Kochwettbewerbe, Wettbewerbe für Geschäftsideen, Wettbewerbe um Lehrstellen, Wettbewerbe zwischen ferngesteuerten Monsterfahrzeugen, Modewettbewerbe, Wettbewerbe um Zuneigung von Bachelors und Bacheloretten, Baseballspiele, Basketballspiele, Fußballspiele, Wrestlingkämpfe, Kickboxk ämpfe, Extremsportprogramme und natürlich Schönheitswettbewerbe. ("Hockey" schaute er sich nicht an. Für Menschen seiner Ethnie und mit tropischer Jugend war Hockey, das in Amerika in "Feldhockey" umbenannt wurde, ein Rasenspiel. Feldhockey auf Eis zu spielen war seiner Meinung nach das absurde Äquivalent von Schlittschuhlaufen auf einer Wiese.)

Als Konsequenz seiner nahezu totalen Beschäftigung mit dem Material, in früheren Zeiten ihm von Kathodenstrahl-Röhren dargeboten und heute von Flachbildschirmen, von Flüssigkristall-, Plasma- und organischen lichtemittierenden Diodenbildschirmen, wurde er zum Opfer dieser zunehmend vorherrschenden psychischen Erkrankung, bei der die Grenze zwischen Wahrheit und L üge scheckig wurde und verschwamm, sodass er manches Mal unfähig war, das eine vom anderen zu unterscheiden, die Realität von der "Realität", und sich selbst als einen natürlichen Bürger (und potenziellen Bewohner) dieser imaginierten Welt hinter dem Bildschirm empfand, der er so zugetan war und die, wie er glaubte, ihm und somit jedem die moralischen, sozialen und praktischen Richtlinien vermittelte, mit denen alle Männer und Frauen leben sollten.

Als die Zeit verging und er immer tiefer im Treibsand dessen versank, was man das unreale Reale nennen könnte, fühlte er sich emotional mit vielen Bewohnern dieser anderen, helleren Welt verbunden, eine Mitgliedschaft, auf die er von Rechts wegen Anspruch erhob, wie eine moderne Dorothy, die ein dauerhaftes Leben in Oz erwägt; und zu einem unbekannten Zeitpunkt entwickelte er eine ungesunde, weil gänzlich einseitige Passion für eine gewisse Fernsehpersönlichkeit, für die schöne, geistreiche, bewunderte Miss Salma R., eine Vernarrtheit, die er recht irrig als Liebe bezeichnete. Im Namen dieser sogenannten Liebe beschloss er eilfertig, seiner "Liebsten" nachzusetzen, direkt du

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