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Rafiki von Mwangi, Meja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.02.2014
  • Verlag: Peter Hammer Verlag
eBook (ePUB)
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Rafiki

Rafiki, den Mann mit der Gitarre, kennt jeder in Nanyuki. Immer freundlich, immer fröhlich, immer knapp bei Kasse tingelt er durch die maroden Straßen der Stadt. Er wäre ein glücklicher Mann, hätte seine Frau Sweettea ihm nicht die Pistole auf die Brust gesetzt: Wenn er nicht endlich das Geld für das Studium seiner Tochter verdient, verlässt sie das Haus mit allem, was darin ist. Rafiki, der gut ohne Geld, aber keinesfalls ohne Sweettea leben kann, muss schnell handeln und beschließt einen bewaffneten Überfall auf das Abzahlungsgeschäft der Brüder Manu und Manish Patel. Doch deren Kasse ist ebenfalls leer, weil die Kunden ihre Fernseher, Kühlschränke und Radios zwar kaufen, aber die Raten nie bezahlen. Rafiki, berührt von der Lage der bankrotten Inder, fasst einen Entschluss: Er wird das Geld persönlich eintreiben oder die Waren zurückholen. Für die Patel-Brüder, für Sweettea, für die Moral der ganzen Stadt! Eine großartige Komödie voller skurriler Dilettanten! Allen voran Rafiki, der als selbsternannter Ritter durch die in Armut versinkende Stadt zieht, um mit zweifelhaften Methoden eine neue Moral zu erzwingen. Meja Mwangi zeichnet die kenianische Gesellschaft mit Galgenhumor und der leisen Hoffnung auf neue Helden: die Frauen und ihre Kinder.
Meja Mwangi, 1948 in Nanyuki, Kenia, geboren, arbeitet seit dem Erfolg seines ersten Romans Kill me quick (1973) als Schriftsteller und Drehbuchautor in Kenia und Europa. Er wurde mit dem Jomo Kenyatta Award, dem Adolf Grimme Preis, dem Deutschen Jugendliteraturpreis für Kariuki und sein weißer Freund und dem Wahome Mutahi Literary Award ausgezeichnet. Im Peter Hammer Verlag erschienen u.a. Big Chiefs (2009), Happy Valley (2006), Das Buschbaby (2007).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 326
    Erscheinungsdatum: 10.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783779504948
    Verlag: Peter Hammer Verlag
    Übersetzt von: Übersetzung: Brückner, Thomas
    Größe: 3660kBytes
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Rafiki

Kapitel 1

Für Nanyuki, unser Nanyuki, eine geschäftige Großstadt mit so ... so unzählig vielen Einwohnern, war es die Story des Jahrhunderts, dass uns die jüngste Volkszählung, genau wie alle vorangegangenen, dazu trieb, uns selbst noch einmal zu zählen und uns darüber zu wundern, wie eine Regierung, der so viel Geld, so viele Autos und so viele Beamte zur Verfügung standen, nicht zählen konnte.

Wir zählten mehrere Millionen, wenn unsere Nullen richtig waren, die wir nachts im Schein des Feuers und ohne den Segen eines Computers oder eines Abakus zusammenrechneten, nachdem die Regierungsvertreter wieder weg waren. Und sie waren richtig.

Soweit es uns anging, waren unsere Nullen nicht nur belastbar, sie waren auch weniger, als sie gewesen wären, hätten wir dieselben Mittel zur Verfügung gehabt wie die Regierung. Und allein nach den Zahlen geurteilt, waren wir eine Großstadt. Egal, was andere behaupteten.

Zugegeben, wir hatten weder eine Kathedrale noch ein Rathaus, aber wir besaßen eine prächtige County Hall und so viele Kirchen und Moscheen, Bars und Fleischereien, dass wir uns Metropole nennen konnten, Megalopolis, Mega-City oder Mega-Irgendwas, weil wir, verdammt noch mal, die Voraussetzungen erfüllten. Und warum auch nicht, wenn man sich vor Augen hielt, dass zerlumpte Gemeinden nicht weit von uns, die ebenso bedürftig und staubig waren, sich als Kommunen bezeichneten, als Industrie- oder gar als Satellitenstädte. Manche sahen sich sogar als Fürstentümer, was immer das heißen mochte, und regelten ihre Angelegenheiten im Stile von Familiendynastien.

Um all dem die Krone aufzusetzen und unseren Anspruch auf Größe zu zementieren, gehörte uns nach unseren Berechnungen außerdem einer der höchsten Berge der Welt. Wir hatten einmal versucht, ihn von Nanyukis Zentrum aus zu vermessen, aber noch bevor wir auf unserem Weg den Berg hinauf den Nanyuki River überquert hatten, war uns schon das Maßband ausgegangen. Es stand außer Frage, dass er der majestätischste Anblick im Umkreis vieler Meilen war. Soweit es uns anging, stellte er tausend Kathedralen in den Schatten, weil er zugleich der zweithöchste Berg Afrikas war.

Wir hatten außerdem Anspruch auf ein Stück von unserer Hälfte des Kilimandscharo, des höchsten Bergs in Afrika, doch der musste noch zwischen den Nanyukiern, den Chagga, der Regierung Tansanias und all jenen ausgehandelt werden, die ebenfalls einen berechtigten Anspruch besaßen.

Unsere Ansprüche waren größer als unsere Möglichkeiten, und wir waren stolz darauf.

Das lag in unserer Natur, es war keine Habgier. Das hatte uns zu denen gemacht, die wir waren. Wären wir wirklich habgierig, hätten wir auch einen Teil des Indischen Ozeans beansprucht. Wegen all des Wassers, das unsere Flüsse, der Nanyuki und der Liki, in den Euaso Nyiro ergossen, der es zum Tana trug, der es seinerseits die ganze Strecke bis zum Ozean transportierte und großzügig die Welt beschenkte. Und sogar das Ereignis, das für uns eine Kapriole der Jahrhunderte sein sollte und uns, wenn er denn Erfolg gehabt hätte, einen Helden von unserem Fleisch und Blut geschenkt hätte, von dem wir für den Rest unseres Lebens singen könnten, sogar das wurde von Liebe und nicht von Habgier genährt.

Wie viele andere Missgeschicke begann es damit, dass ein Mann sich als Mann beweisen, den Erwartungen seiner Frau gerecht werden und zahllose unverschämte Forderungen und Verpflichtungen erfüllen sollte, die ihm allein dadurch aufgeladen wurden, dass er ein Mann war. Und wie viele solcher spontanen Unternehmungen ging alles, wie vorherzusehen war, gründlich schief. Das lag nicht allein am Fehlen jeglicher Planung, sondern auch am Mangel an Recherche, am Fehlen von Insiderwissen und nicht zuletzt an einem erlahmenden Willen. Der scheiternde Räuber war kein Krimineller, nicht einmal ein Amateurverbrecher. Er war einfach ein ganz gewöhnlicher Nanyukier.

Mannshoch türmten sich die Hera

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