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Reich heiraten Roman von Beck, Lilli (eBook)

  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)

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Reich heiraten

Es ist nie zu spät, nochmal neu anzufangen - oder: Wie ich mit 58 meine Hippie-Ideale über Bord warf... Betty Singer blickt auf ein buntes Leben als Hippie und Kommunen-Bewohnerin zurück. Aber die wilden Jahre liegen weit zurück, denkt jedenfalls Betty. Bis sich plötzlich alles auflöst wie eine Reinigungstablette für dritte Zähne: Sie verliert ihren Job als Feng-Shui-Beraterin, der hypochondrische Lebensgefährte geht ins Kloster und ihr wird die Wohnung gekündigt. Doch so leicht lässt sich eine selbstbewusste Frau nicht unterkriegen. Betty fasst einen Entschluss, zukunftsorientiert und als Lösung aller Probleme: Sie will endlich heiraten - und zwar reich heiraten! Lilli Beck lebt zurzeit in München. Ihr größter Traum ist es jedoch, im Alter selbst einmal in einer rosa Villa am See zu wohnen. Mit dem Gesetz ist sie aber noch nicht in Konflikt geraten. Im Aufbau Taschenbuch Verlag sind ihre Romane 'Liebe auf den letzten Blick', 'Liebe verlernt man nicht' und 'Geld oder Liebe' lieferbar.Mehr zur Autorin unter www.lilli-beck.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841213761
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 1841 kBytes
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Reich heiraten

1. Der Duft von Patina

Wenn ich schlechte Laune habe, stelle ich erst mal meine Möbel um. Das verändert den Blickwinkel. Anstatt Tabletten zu schlucken oder zu einem Seelenklempner zu gehen, würde ich mir eher ein neues Möbelstück kaufen. Andere Frauen kaufen Schuhe, ich kaufe Einrichtungsgegenstände. Seit vielen Jahren auch beruflich.

Besonders glücklich machen mich die Aufträge, bei denen ich nicht aufs Geld achten muss. Ich liebe es nämlich, Geld auszugeben. Mein eigenes, und das meiner Auftraggeber.

Meine Arbeit ist aber nicht zu verwechseln mit der einer Innenarchitektin. Ich gestalte nicht am Computer, sondern am Objekt.

Deshalb stehe ich im Moment bei Art déco, einem der edelsten und teuersten Antiquitätengeschäfte Berlins, und atme den Duft von Patina ein. Ich bin auf der Suche nach einem repräsentativen Esstisch für die Zehn-Zimmer-Villa von Frau Gehlen, meiner neusten Kundin.

"Kann ich behilflich sein?"

Ein elegant gekleideter Mann, mit glänzenden dunklen Haaren, tritt mir entgegen. Sein Blick wirkt etwas irritiert, als er mich von oben bis unten mustert. Ich kenne das, mein Aussehen kommt eben nicht bei allen Leuten gut an. Dabei sehe ich heute doch völlig normal aus. Jedenfalls soweit eine verwaschene Jeans mit Umschlag, verstaubte rote Turnschuhe, ein pinkfarbenes T-Shirt mit Che-Guevara-Porträt und ein übergroßes Jackett normal sind für eine Frau mit achtundfünfzig, die einige Pfunde zu viel und langes graumeliertes Haar hat.

"Könnte sein", sage ich lächelnd und gebe dem Dandy meine Visitenkarte aus rotem, extra teuren Karton:

Betty Singer
Feng-Shui-Einrichtungsberatung

Oft ist die Karte der Beginn eines langen Gesprächs über Feng-Shui. Der asiatische Trend ist zwar nicht mehr ganz neu, aber es gibt immer noch Menschen, die hinter diesem Namen eine Kampfsportart oder ein Sushi-Röllchen vermuten.

Der Dandy liest die Karte und deutet eine höfliche Verbeugung an. "Pierre Pötsch. Ich bin der Inhaber."

Eine angenehme Überraschung, denn wegen seines jugendlichen Aussehens hatte ich ihn für einen Angestellten gehalten. Doch attraktiv wie er ist, könnte er auch ein Schauspieler ohne Engagement sein. Sein blendendes Aussehen, der wache Blick und der Waschbrettbauch, den ich unter seinem weißen Hemd vermute - ein klassischer Held, der allein mit seiner körperlichen Präsenz jede Bühne füllen würde. Ein Mann mit Stil und Klasse, der gut zu seinen Möbeln passt.

Ich beginne das Gespräch mit einem Kompliment über die ausgesucht schönen Stücke in seinem Laden. Das ist durchaus ernstgemeint; Möbel, die mir nicht gefallen und die ich nicht auch selbst gerne besitzen würde, schaue ich mir nämlich gar nicht erst an.

"Vielen Dank, Frau Singer, sehr freundlich." Er ist sichtlich geschmeichelt. "Darf ich Sie herumführen?"

In seiner Begleitung schlendere ich durch drei große, ineinander übergehende Räume, streichle liebevoll über Tische, Stühle und Schränke, bewundere Lampen und Spiegel und frage nach der Herkunft der Stücke, die mir besonders auffallen. Später erzähle ich ihm von meinem Großauftrag. Interessiert hebt er die Augenbrauen. Er scheint zu ahnen, dass sich mein Besuch für ihn lohnen könnte. Aber ich weiß, wie Preise zustande kommen, und auch wie man sie herunterhandelt. Dieses Mal spielt Geld allerdings keine Rolle, was selten vorkommt. Bei reichen Leuten spielt Geld nämlich meistens eine wichtige Rolle, sonst wären sie nicht reich. Ich vereinbare mit meinen Auftraggebern daher gerne Festpreise. Und je günstiger ich dann einkaufe, umso mehr Gewinn bleibt für mich. Ich bin aber nicht geldgierig. Ist ein Möbelstück genau das, was ich suche, kümmert es mich nicht, ob der Preis mein Honorar schmälert. Geld hat man, oder man hat es nicht. Und wenn ich welches habe, gebe ich es sowieso schnell wieder aus. Das ist eine alte Gewohnheit aus meiner Hippiezeit. Und ich bin nach wi

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