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Rendezvous mit Lou Roman von Brouillard, Fabienne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.06.2019
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Rendezvous mit Lou

Abserviert. Dabei hatte Lou gedacht, endlich auf die Pariser Sonnenseite des Lebens zu wechseln. Mit Olivier und einem erfolgreich abgeschlossenen Journalistikstudium. Und dann so was: Die Noch-Ehefrau ist schwanger, und zwar von Olivier. Klar, dass Lou rotsieht. Sie hätte nur nicht in aller Öffentlichkeit mit Petits Fours werfen sollen ... Zwei Wochen bleiben ihr, um zu beweisen, dass sie eine gute Verliererin und eine noch bessere Journalistin ist. Denn bis dahin muss sie ihren Schmerz besiegt und ein Exklusivinterview mit dem medienscheuen Frédéric d'Arambault ergattert haben. Die Zeit läuft, und Lou muss unbedingt gewinnen ... Fabienne Brouillard ist in Nordfrankreich geboren und aufgewachsen. Bereits mit zehn Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft für die deutsche Sprache. Seitdem wohnen zwei Seelen in ihrer Brust, die ihr typisch französische Geschichten in deutscher Sprache zuflüstern. Nach einem Philologie- und Pädagogikstudium in Lille und Mannheim zog sie nach Karlsruhe, wo sie seitdem lebt und für einen großen Dolmetscher- und Übersetzerverband arbeitet. Rendezvous mit Lou ist ihr erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 10.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641235710
    Verlag: Diana Verlag
    Serie: Diana-Taschenbücher 36013
    Größe: 1330 kBytes
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Rendezvous mit Lou

2

Der Rache süßes Lied

S ie war über die Fensterbrüstung geklettert. Ein kurzes Rascheln in der Glyzinie, und weg war sie. Ich jedoch starrte an diesem Abend noch lange aus dem Fenster und dachte über diese Laune des Schicksals nach, die mir ausgerechnet dieses Mädchen in die Hände gespielt hatte. Lou Derisbourg. Jacques Derisbourgs Tochter.

"Lou Derisbourg", flüsterte ich. " La vengeance est un plat qui se mange froid. Rache lässt sich am besten kalt genießen. Und wenn das Opfer so reizend ist wie sie, dann macht die Rache auch noch Spaß."

"Möchten Sie einen Kaffee, bevor die Sitzung beginnt?"

Die Frage riss mich aus meinen Gedanken. Nach dem Mittagessen gönnte ich mir immer eine halbe Stunde Pause. Meistens verbrachte ich sie bei einem Spaziergang, aber heute war ich gleich ins Büro zurückgekehrt. Mademoiselle Régnier schaute mich über den Rand ihrer Designerbrille hinweg fragend an. In ihrem Kostüm mit dem akkuraten schwarz-weißen Muster sah sie wieder einmal aus wie aus dem Ei gepellt. Ich tippte auf Chanel und überlegte, ob ich sie wirklich so gut bezahlte, dass sie sich solche Outfits leisten konnte. Wie schaffte sie es, den ganzen Tag lang so auszusehen, als käme sie gerade frisch ausstaffiert aus einem Schönheitssalon? Nicht einmal eine Haarsträhne wagte es, in ihrer perfekt gestylten Frisur aus der Reihe zu tanzen. Einen Augenblick lang stellte ich mir vor, wie sie nachts im Sitzen schlief, um ihre Frisur nicht durcheinanderzubringen, und unterdrückte mit Mühe ein Grinsen.

"Ja bitte."

Ich hatte es vor Jahren aufgegeben, diese Frage zu verneinen. Mademoiselle Régnier hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, für mein Wohl zu sorgen, und schien der unerschütterlichen Überzeugung zu sein, dass Kaffee dafür das unverzichtbare Allheilmittel sei. Wurde es mir zu viel, kippte ich einfach das Gebräu in die Topfpflanze, die angeblich die Aufgabe hatte, in meinem perfekt klimatisierten Büro für bessere Luftverhältnisse zu sorgen. Die Pflanze schien Kaffee zu mögen, denn seitdem wuchs und gedieh sie, eine Leistung, die Mademoiselle Régnier selbstverständlich ihrer eigenen Kompetenz zuschrieb.

Der Kaffee kam. Schwarz und heiß. Und gar nicht so schlecht. Ich hatte ebenfalls längst die Gelegenheit verpasst, meiner Sekretärin schonend beizubringen, dass ich eigentlich Teetrinker war. Und so trank ich nun ergeben einen Schluck, bevor ich mich wieder meinem Laptop zuwandte. Mademoiselle Régnier lächelte zufrieden und wandte sich zum Gehen, sodass meine Worte sie sozusagen in den Rücken trafen:

"Bitte geben Sie dem Team Bescheid, dass die Sitzung eine Stunde später anfangen wird."

Sie erstarrte mit der Hand auf der Türklinke.

Dann drehte sie sich langsam um und sah mich mit weit aufgerissenen Augen an. "Die Sitzung verschieben? Um eine ganze Stunde? "

Herrgott noch mal! Diese Frau würde mich eines Tages noch in den Wahnsinn treiben! Der Eiffelturm war ein Muster an Flexibilität im Vergleich zu ihr.

"Sie haben richtig gehört. Um eine ganze Stunde. Ich bin mir sicher, dass der Weltfrieden davon nicht tangiert werden wird. Wenn Sie also bitte so freundlich sein würden ..."

Sie hielt kurz die Luft an, warf mir einen vorwurfsvollen Blick zu und entgegnete schmallippig: "Aber selbstverständlich."

Das Klicken ihrer hohen Absätze entfernte sich, und ich atmete unwillkürlich auf. Eines Tages würde ich ein Buch über die Tyrannei weiblicher Angestellter schreiben. Géraldine Régnier war da ein Fallbeispiel. Irgendwie schienen Frauen zu glauben, immer alles besser zu wissen. Zumindest besser als ein Mann. Höchstens hörten sie auf ihre Mutter oder ihre Großtante Léontine, aber niemals auf einen männlichen Vorgesetzten. Dieser Gedanke veranlasste mich dazu, lieber auf Nummer sicher zu gehen.

Ich griff nach dem Telefon und rief meinen Partner Maxime Brémont an: "Max? Mir ist

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