text.skipToContent text.skipToNavigation

Rennboot von Adler, Renata (eBook)

  • Erschienen: 10.03.2014
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Rennboot

Renata Adler ist Kult, ihre Stimme unwiderstehlich und "Rennboot" die Wiederentdeckung des Jahres. Daran lässt die Reaktion der Presse in den USA keinen Zweifel, als Adlers Debütroman im Frühjahr 2013 nach mehr als dreißig Jahren neu aufgelegt wird. Denn Jen Fain, die Hauptfigur, schlägt jeden mit ihrem Ton in den Bann. Ob spielerische Dates ohne Folgen, New Yorker Partys, mondäne Kurzurlaube oder das tägliche Abmühen als Journalistin - Jens Aufzeichnungen beschwören auf scharfsinnige und charmante Weise das urbane Leben einer jungen, unabhängigen Frau.

Renata Adler, geboren 1938 in Mailand, studierte in Harvard und an der Sorbonne. Sie arbeitete für den New Yorker und die New York Times . Zeit ihres Lebens ist sie eine streitbare Figur des amerikanischen Kulturlebens.

Produktinformationen

    Größe: 3242kBytes
    Reihe (Teil): Bibliothek Suhrkamp Bd.1480
    Herausgeber: Suhrkamp
    Untertitel: Roman
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 243
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783518737484
    Erschienen: 10.03.2014
Weiterlesen weniger lesen

Rennboot

Rochade

Niemand gestorben in diesem Jahr. Niemand von Glück verfolgt. Keine Geburten, keinerlei Eheschließungen. Siebzehn ehrfurchtgebietende Satiren wurden geschrieben – um mit einem Klischee aufzuräumen und, wie zu vermuten ist, stilbildend zu wirken. Das war, natürlich, ein Traum, aber viele der wichtigsten Dinge, finde ich, sind die, die einem im Schlaf einleuchten. Die freie Rede, Tennisspielen, Musik, Skifahren, Verhaltensweisen, die Liebe: du probierst sie nach dem Erwachen, scheust vielleicht vor dem Sprung, und schon nimmst du die Hürde. Der Rhythmus ist in dich eingegangen, nachts, als du schliefst, ein für allemal. Die Großstadt natürlich ist imstande, ihn zu torpedieren. Mit all den Schlaflosigkeiten, all den Rhythmen, die aufeinanderprallen. Die Verkäuferin, der Hausbesitzer, Gäste, die Eckensteher, man kommt auf sechzehn Varianten menschlicher Befindlichkeit pro Tag. Und es steht in jedermanns Macht, dein ganzes Leben in Frage zu stellen. Viel zu viele Leute haben Einfluß auf deine geistige Verfassung. Manchen Leuten ist Abneigung gleichgültig, sie genießen sie sogar. Von meinen Bekannten kaum einer.

"Es ist schlichtweg blödsinnig, die Segel bei Gegenwind zu setzen" sagte die Frau des italienischen Mineralwassermagnaten an Deck ihres schönen Schoners, der den ganzen Sommer im Hafen gelegen hatte. "Denn dann hast du sie die längste Zeit gesehen."

Eine fette Ratte ist mir gestern abend an der 57igsten Straße über den Weg gelaufen. Sie kam unter dem Bauzaun unweit von Brendel's zum Vorschein, wartete wegen des Verkehrs, raste dann über die Straße auf den Bürgersteig Richtung Central Park, blieb eine Weile im Dunkel hocken und verschwand. Die zweite Ratte in dieser Woche. Die erste war mir in einem griechischen Restaurant begegnet, dessen Fensterbänke in Schoßhöhe verlaufen. Die Ratte kam über die Fensterbänke gerast, schnurstracks auf mich zu, dann an mir vorbei.

"Hast du das mitgekriegt?" sagte Will und nuckelte an seinem Glas Bier.

"Stattliche Maus", sagte ich. "Sogar in den gepflegten Hotels haben sie jetzt kleine Mäuse, in den Bars und Empfangshallen." Ich hatte Will zuletzt in Oakland gesehen, das Mal davor in Louisiana. Er beschäftigt sich mit Jura. Dann registrierte ich, wie links von mir irgend etwas, vielleicht ein aufgeschreckter Sinnespartikel an der Randzone meiner eigenen Wahrnehmung, auf mich zuraste. Meine Gabel klapperte.

"Du saßest da eigentlich gut", sagte Will und grinste, "bevor du die Fassung verloren hast."

Die zweite Ratte kann, selbstverständlich, auch meine erste Ratte von weiter oben gewesen sein, was bedeuten würde, daß man mich entweder verfolgt oder daß die Ratte zur selben Zeit wie ich ihre Runden dreht. Hygiene, geistige meine ich, ist jedoch die tiefstgreifend moralische Option unserer Zeit. Zwei Ratten, nun ja. Taxifahrer können durch die neuen Trennscheiben – sie kommen mir nicht einmal wirklich kugelsicher vor, ohne daß ich das je getestet hätte – die Richtungshinweise ihrer Fahrgäste kaum noch verstehen. Schalldicht. Also quetscht man sich, selbstverständlich, den Finger in der neu eingerichteten Geldschale. Nun ja, irgend jemand muß diese Trennscheiben verkauft, irgend jemand muß sie gekauft haben. Gangster. Was sonst. Ein Gefühl für den Geist der Zeit scheint nicht mehr zu existieren. Als ich mich eines Morgens zu einer eher unüblich frühen Stunde ans Aufstehen machte, sagte Will, der ebenso abrupt in den Schlaf stürzt, wie er gemächlich, sachte, den wachen Teil seines Lebens antritt: »

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.