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RLF Das richtige Leben im falschen. Roman von Borries, Friedrich von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.08.2013
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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RLF

RLF ist mehr als Lifestyle. RLF ist mehr als Kunst. RLF ist Widerstand. RLF kämpft für das richtige Leben im falschen. Werde Teil von RLF. Werde Shareholder der Revolution! Am Anfang stehen die Riots in London: Die Verlierer der Konsumgesellschaft strömen auf die Straßen, zeigen der Welt, dass es sie gibt; Autos und Geschäfte brennen. Und die Welt des jungen Werbers Jan gerät ins Wanken. Er hat mit Kampagnen für die Fashion-Industrie eine Menge Geld verdient, doch als er in die Unruhen gerät, wird ihm klar: Der Kapitalismus muss gestürzt werden und zwar mit seinen eigenen Mitteln. In der Aktivistin Slavia und dem Künstler Mikael Mikael findet Jan die richtigen Mitstreiter. Gemeinsam gründen sie RLF, ein Lifestyle-Unternehmen, das den Wunsch nach Protest und Widerstand in Konsumprodukte verwandelt; mit dem Ziel, das System selbst in einem revolutionären Akt zum Einsturz zu bringen. Doch die Revolution hat ihren Preis, und den wird am Ende jemand bezahlen müssen - und sei es mit dem Leben. Friedrich von Borries, geboren 1974 in Berlin, ist Architekt. 2008 war er Generalkommissar des Deutschen Beitrags auf der Architekturbiennale in Venedig. Er lehrt als Professor für Designtheorie und kuratorische Praxis an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 19.08.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518730416
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1678 kBytes
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RLF

Prolog
"Pronto?", grummelt Kommissar Volcare ins Telefon. "Im Hotel Bauer? Ja, ich mach mich auf den Weg. Ja, ich ruf da gleich an."
Wenn die Dienststelle ihn vor Sonnenaufgang aus dem Bett klingelt, kann es sich eigentlich nur um eine Leiche mit ungeklärter Todesursache handeln. Er holt ein frisches Hemd aus dem Schrank und sucht seine Hose. Seit er wieder alleine lebt, räumt er abends seine Kleider nicht mehr ordentlich zusammen. Volcare fasst sich an die Stirn, setzt sich wieder auf die Bettkante und zündet sich eine Zigarette an. Langsam knöpft er das Hemd zu. Er hat Kopfschmerzen, vor ein paar Stunden war er noch in einer Kneipe. Einer der Vorzüge, wenn man geschieden ist, denkt Volcare.
Er nimmt das Handy vom Nachttisch und ruft den Concierge im Hotel an.
"Hallo. Hier Kommissar Volcare. Sie haben die Polizei gerufen?"
"Oh ja. Ein Mann ist heute Nacht aus dem Fenster gesprungen."
"Okay. Ich bin gleich da." Volcare legt auf.
Die Aussicht auf eine Leiche macht ihm schlechte Laune. Erst die entsetzten Gesichter. Dann die langatmigen Verhöre. Und am Ende kommt nichts dabei raus. Zum Glück ist Mord in Venedig ein eher seltenes Verbrechen. Venedig ist eine ruhige Stadt, nur hin und wieder kommt es zu unnatürlichen Todesfällen – ein Selbstmord, ein Totschlag nach einem Streit unglücklicher Liebespaare, die extra nach Venedig gereist sind, um sich an einem romantischen Ort zu versöhnen. Volcare hat schon in einigen dieser tragischen Fälle ermittelt.
Drei Jahre noch, seufzt Volcare, dann hab ich meine Ruhe.
RLF handelt nicht von Volcare. Er ist nur eine Nebenfigur. RLF handelt von Angélique, Jan, Slavia und Mikael, die sich, jeder auf eine eigene Art und Weise, mal mit-, mal gegeneinander, auf die Suche nach dem richtigen Leben im falschen gemacht haben. Was auch immer das ist.
Als Volcare in sein Boot steigt, dämmert es schon. Wahrscheinlich ein Deutscher, denkt Volcare, das passiert immer wieder - Tod in Venedig. Er fährt den Canal Grande entlang, passiert die Rialto-Brücke. Hinter den Giardini geht die Sonne auf, die Strahlen blitzen auf dem Wasser. Keine Wolke steht am Himmel. "Wenigstens schönes Wetter", sagt Volcare leise vor sich hin.
Das Handy klingelt. Der Hotelmanager fragt, ob alles geklärt werden könne, bevor die ersten Gäste aufwachen, schließlich sei man das erste Haus am Platze, man wolle Unruhe vermeiden. "So oder so eine unangenehme Geschichte, das werden Sie ja vor Ort sehen."
"Leichen sind immer unangenehm", entgegnet Volcare.
"Ja, aber die Leiche liegt mitten auf der Terrasse. Er hat sich umgebracht!"
Volcare kennt das schon, immer war es Selbstmord, wenn schon eine Leiche, dann soll es wenigstens zum melancholischen Image von Venedig passen. Und ansonsten gilt bei Hotels: Diskretion, Diskretion, Diskretion. Immerhin keine Wasserleiche. Er hasst die aufgedunsenen Gesichter von Ertrunkenen.
Auf dem Canal Grande sind nur wenige Boote unterwegs. Noch zu früh für Touristen, denkt Volcare. Zum Glück. Die glauben sonst wieder, dass ein Film gedreht wird. Leiche vor Palazzo. Wie aufregend. Dann werden die Kameras gezückt und Fotos geschossen.
Volcare legt mit seinem Boot an. Der Hotelmanager eilt ihm entgegen. "Bitte so wenig Unruhe wie möglich", fleht er. "Die Begleitumstände, nun ja, sie passen nicht ganz zum Stil unseres Hauses."
Auf der Terrasse sind Stühle und Tische weggeräumt. In der Mitte steht ein Paravent, der zusätzlich mit weißen Laken abgedeckt ist.
"Der Mann ist Ende dreißig, vielleicht Anfang vierzig", rapportiert ein junger Poliz

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