text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ruf mich an, wenn du tot bist von Borel, Anne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.01.2011
  • Verlag: ars vivendi
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ruf mich an, wenn du tot bist

Als Anouks Vater bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, bricht für sie eine Welt zusammen. Einem spontanen Impuls folgend, legt sie bei der Beerdigung ein Handy in seinen Sarg und wählt wenige Tage später seine Nummer. Doch dann meldet sich auf einmal jemand. War die Stimme am anderen Ende der Leitung eine Einbildung? Ein geschmackloser Scherz? Oder gibt es doch so etwas wie ein Leben nach dem Tod? Zusammen mit ihren Freundinnen Claire und Catherine stellt sich die junge Französin dem Unvorstellbaren. Und dann ist da auch noch der gut aussehende Yvan Barthes, der ihre Gefühlswelt vollends durcheinanderbringt ... Eine bitterschöne Geschichte von Vergänglichkeit und Liebe, die die existenziellen Fragen mit Charme und Leichtigkeit behandelt. Anne Borel, Jahrgang 1966, ist auf einem Bauernhof in der Normandie aufgewachsen. Nach ihrem sprachwissenschaftlichen Studium zog sie 1991 nach Deutschland, wo sie jetzt lebt und arbeitet. Nach verschiedenen Kurzgeschichten ist Ruf mich an, wenn du tot bist! ihr erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 205
    Erscheinungsdatum: 03.01.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783869133331
    Verlag: ars vivendi
    Größe: 722 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ruf mich an, wenn du tot bist

1

Anouk schaltete ihren Computer aus. "Schönen Abend, bis morgen." Ihr Kollege sparte sich eine Antwort. Blödmann!, dachte sie. Warum verabschiede ich mich überhaupt noch von dem? Jeden Abend treibt er dasselbe Spielchen mit mir. Wahrscheinlich aus Prinzip ...

Sie musste daran denken, wie er vor zwei Jahren hier angefangen hatte. Er war neu und suchte ihre Hilfe. Jetzt, da er eingearbeitet war, konnte ihm Anouk nichts mehr nützen. Im Gegenteil, sie störte, denn sie galt als kompetent und man arbeitete gerne mit ihr zusammen. Trotz seiner gespielten Herzlichkeit und seines aufgesetzten Lächelns hatte Anouk die wachsende Rivalität gespürt und war misstrauisch geworden.

Beim Hinausgehen sagte sie dem Mann vom Sicherheitsdienst Auf Wiedersehen, während sie der Drehtür mit der Hüfte einen Schubs gab.

19.30 Uhr. Sie würde schon wieder zu spät zum Abendessen mit ihrem Vater kommen. Seitdem sie eine eigene Wohnung hatte, trafen sie sich jeden zweiten Mittwoch zum Essen. Nur selten kam es vor, dass sie die Vereinbarung platzen ließen. Sie verabredeten sich nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil sie Lust dazu hatten. Das unsichtbare Band, das sie zusammenhielt, war nach dem Tod ihrer Mutter noch fester geworden. Sie war damals erst acht Jahre alt gewesen.

Sobald sie im Auto saß, nahm sie ihr Handy und drückte auf die Telefonbuch-Taste.

"Ja? Hallo?"

"Ich bin's, Papa. Ich bin in 20 Minuten in Granville."

"In einer guten halben Stunde also? Kommst du gerade aus dem Büro?"

"Ja, in diesem Augenblick."

"Du arbeitest zu viel, Anouk."

"Ich weiß."

"Also gut, ich will nicht wieder damit anfangen. Treffen wir uns direkt im Restaurant?"

"Ja, bis gleich." Sie gab Gas.

An der Stadtgrenze von Granville blickte sie in den Rückspiegel und vergewisserte sich, dass die Polizei nicht hinter ihr herfuhr. Dann wählte sie erneut eine Handynummer. Dabei ärgerte sie sich, dass sie immer noch keine Freisprechanlage hatte. Morgen würde sie eine kaufen! Unbedingt!

"Claire? Ich bin's ... Na ja, es geht so, nur der eine Kollege nervt mich, wie immer. Aber was soll's! Und bei dir? Gut, aber ich muss jetzt Schluss machen. Sehen wir uns morgen Abend? Ja, das müsste klappen."

Anouk hielt das Telefon noch in der Hand, als sie vor sich in einiger Entfernung ein paar Polizeiautos stehen sah. Die vom Regen verzerrten Blaulichter versetzten sie in Alarmbereitschaft. Reflexartig hatte sie das Telefongespräch beendet, man wusste bei denen ja nie. Diese Typen warteten nur darauf, jemandem einen Strafzettel zu verpassen. Sie fuhr langsamer. Da sie gar nicht damit rechnete, einen Parkplatz zu finden, rollte sie gleich in ein unterirdisches Parkdeck in der Nähe des Restaurants. Bevor sie ausstieg, fuhr sie mit den Händen durch ihr blondes Haar, um es in Form zu bringen, korrigierte mit den Fingerspitzen den Lippenstift und brachte den Kragen ihrer weißen Bluse in Ordnung. Papa wird sich freuen. Er mag diese Bluse, dachte sie. Es war so einfach, ihm eine Freude zu machen. Sie brauchte sich nur gut anzuziehen, und schon hellte sich bei ihrem Anblick seine Miene auf. Das funktionierte jedes Mal. Sie kam, und – schwups! – schon lächelte er wie ein kleiner Junge. Er wollte immer, dass sie schön aussah. Sie war ein paar Mal in Jeans oder nachlässig gekleidet aufgetaucht. Dabei hatte sie nicht nur die Enttäuschung in seinem Blick gespürt, sondern war auf einmal selbst ein bisschen enttäuscht gewesen. Seitdem achtete sie immer auf ihr Äußeres.

Er zeigte sich gerne mit seiner Tochter. Oh ja, da

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen