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Ruhestörung Roman von Yates, Richard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.12.2019
  • Verlag: Penguin Verlag
eBook (ePUB)
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Ruhestörung

Das feinsinnige Porträt über einen Mann am Abgrund John Wilder kann sich nicht beklagen: Er ist beruflich erfolgreich und hat ein erfüllendes Privatleben. Seine Abende verbringt er auf Cocktailpartys und die Wochenenden mit der Familie auf dem Land. Alles scheint gut. Doch wenn John ehrlich zu sich ist, dann weiß er, dass tief in ihm schon seit Langem etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist - etwas droht, die Ruhe zu stören ... Ein eindringlicher und unvergesslicher Blick in die dunkelsten Winkel der Psyche, von einem meisterhaften Erzähler der modernen amerikanischen Literatur. Richard Yates wurde 1926 in Yonkers, New York, geboren und lebte bis zu seinem Tod 1992 in Alabama. Obwohl seine Werke zu Lebzeiten kaum Beachtung fanden, gehören sie heute zum Wichtigsten, was die amerikanische Literatur des 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Wie Ernest Hemingway prägte Richard Yates eine Generation von Schriftstellern. Die DVA publiziert Yates' Gesamtwerk auf Deutsch, zuletzt erschien der Roman 'Eine strahlende Zukunft'. Das Debüt 'Zeiten des Aufruhrs' wurde 2009 mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen von Regisseur Sam Mendes verfilmt. 'Cold Spring Harbor', zuerst veröffentlicht 1986, ist Yates' letzter vollendeter Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 09.12.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641253370
    Verlag: Penguin Verlag
    Originaltitel: Disturbing the Peace
    Größe: 1094 kBytes
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Ruhestörung

1. KAPITEL

Im Spätsommer 1960 begann für Janice Wilder alles schiefzugehen. Und das Schlimmste daran war, sagte sie später immer wieder, das Schreckliche daran war, dass es aus heiterem Himmel zu geschehen schien.

Sie war vierunddreißig und Mutter eines zehnjährigen Jungen. Dass ihre Jugend schwand, bekümmerte sie nicht - es war sowieso nie eine unbeschwerte oder abenteuerlustige Jugend gewesen -, und falls ihre Ehe mehr einem Arrangement gleichen sollte als einer aufregenden Liebesaffäre, dann war auch das in Ordnung. Niemandes Leben war vollkommen. Sie mochte den geordneten Ablauf der Tage; sie mochte Bücher, von denen sie sehr viele besaß; und sie mochte die hohe, helle Wohnung mit dem Blick auf die Wolkenkratzer von Midtown Manhattan. Es war weder eine luxuriöse noch eine elegante Wohnung, doch sie war gemütlich - und "gemütlich" war eines von Janice Wilders Lieblingswörtern. Sie mochte auch die Wörter "gesittet" und "vernünftig" und "Anpassung" und "Beziehung". Kaum etwas brachte sie aus der Ruhe oder jagte ihr Angst ein: Das gelang nur Dingen, die sie nicht verstand - und das manchmal in einem Ausmaß, dass ihr der Atem stockte.

"Das verstehe ich nicht", sagte sie am Telefon zu ihrem Mann. "Was meinst du damit, dass du nicht nach Hause kommen kannst?" Und sie blickte beunruhigt zu ihrem Sohn, der auf dem Teppich saß, einen Apfel aß und die CBS -Abendnachrichten schaute.

"Was?", fragte sie. "Ich kann dich nicht hören. Du bist was? ... Warte, ich gehe ins Schlafzimmer."

Als sie hinter zwei geschlossenen Türen allein am anderen Apparat war, sagte sie: "Also gut, John. Fangen wir von vorn an. Wo bist du? In La Guardia?"

"Gott sei Dank nicht, ich bin endlich weg von diesem Scheißflughafen. Mindestens zwei Stunden bin ich davor herumgelaufen, bis ich ein Taxi gekriegt habe, und dann war der Fahrer so verdammt geschwätzig, und er - "

"Bist du betrunken?"

"Lässt du mich bitte ausreden? Nein, ich bin nicht betrunken. Ich habe etwas getrunken, aber ich bin nicht betrunken. Hör mal, weißt du, wie viel ich in Chicago geschlafen habe? Die ganze Woche? So gut wie gar nicht. Ein, zwei Stunden in der Nacht, und letzte Nacht habe ich überhaupt nicht geschlafen. Du glaubst mir nicht, oder? Wenn etwas der Wahrheit entspricht, glaubst du es nicht."

"Sag mir doch, von wo du anrufst."

"Ich weiß es nicht. Ich bin in irgendeiner Telefonzelle, und meine Beine machen gleich - Grand Central. Das Biltmore. Nein, warte, das Commodore. Ich bin im Commodore und genehmige mir einen Drink."

"Aber, Liebling, das ist doch praktisch um die Ecke. Du musst nur - "

"Verdammt noch mal, hörst du mir nicht zu? Ich habe gerade gesagt, dass ich nicht nach Hause kommen kann."

Sie beugte sich, auf der Kante des Doppelbetts sitzend, vor, stützte die Ellbogen auf die Oberschenkel und hielt den Hörer mit beiden Händen fest. "Warum nicht?", fragte sie.

"Herrgott. Es gibt Hunderte von Gründen. Mehr Gründe als ich - als ich überhaupt aufzählen kann. Zum einen habe ich vergessen, Tommy ein Geschenk mitzubringen."

"Ach, John, das ist doch absurd. Er ist zehn Jahre alt, er erwartet nicht, dass du ihm jedes Mal ein Geschenk mitbringst, wenn du - "

"Okay, hier ist noch ein Grund. Da war eine Frau in Chicago, eine aus der PR-Abteilung einer Whiskey-Brennerei. Ich habe sie im Palmer House fünfmal gevögelt. Wie findest du das?"

Es war nicht das erste Mal - es hatte viele Frauen gegeben -, aber es war das erste Mal, dass er es ihr hinknallte wie ein halbwüchsiger Angeber, der seine Mutter schockieren will. Sie wollte sagen, wie hättest du denn gern, dass ich es finde?, doch sie traute ihrer Stimme nicht: Sie könnte verletzt klingen, und das wäre ein Fehler, oder sie könnte trocken und tolerant klingen, und das wäre noch schlimmer. Zum Glück

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