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Rummelplatz Roman von Bräunig, Werner (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.12.2011
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Rummelplatz

'Ein Buch, das förmlich vibriert vom wüsten Leben.' Literaturen Die Publikation dieses großen deutschen Nachkriegsromans war eine Sensation. In keinem anderen Roman sind die Gründerjahre in Deutschland so ungeschönt, mitreißend und dabei literarisch gelungen dargestellt. Mit Werner Bräunig wurde dreißig Jahre nach seinem Tod ein Autor von Rang entdeckt - einer jener Frühverstorbenen, die ein außerordentliches Werk hinterlassen. 'Hätte Bräunig weitergearbeitet, wäre er ohne weiteres neben Günter Grass, Martin Walser und Heinrich Böll angekommen.' Süddeutsche Zeitung

Werner Bräunig wurde 1934 in Chemnitz geboren. Nach umtriebigen Jugendjahren, u. a. als Gelegenheitsarbeiter in Westdeutschland, arbeitete er in Fabriken und Bergwerken, darunter im Uranbergbau der Wismut-AG. Als schreibender Arbeiter trug er auf der Bitterfelder Konferenz den Aufruf 'Greif zur Feder, Kumpel' vor. Nach dem Studium am Literaturinstitut 'Johannes R. Becher' war er dort Oberassistent. 1965 wurde auf dem berüchtigten 11. Plenum der SED ein Vorabdruck aus dem Roman 'Rummelplatz' so heftig angegriffen, dass der Roman nicht mehr erscheinen konnte. 1976 starb Werner Bräunig in Halle mit 42 Jahren. Wichtigste Veröffentlichungen: Prosa schreiben (Essays, 1968); Gewöhnliche Leute (Erzählungen, 1969, erweiterte Ausgabe 1971); Ein Kranich am Himmel. Unbekanntes und Bekanntes (1981), Rummelplatz (Roman, 2007).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 768
    Erscheinungsdatum: 14.12.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841204226
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Größe: 3283kBytes
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Rummelplatz

III.Teil Nänie auf den Tod eines Arbeiters (S. 460-461)

XVI. Kapitel

1.

Ende Juli gaben Hilmar Servatius und Irene Hollenkamp ihre Verlobung bekannt. Freilich: bekannt gab Marie-Luise. Aber das tat, nach außen jedenfalls, nichts zur Sache. Die Feier fand, wie man früher gesagt hätte, im engsten Kreise statt; zugegen waren nicht ganz ein Dutzend Leute. Anschließend fuhr das junge Paar drei Wochen an die See. Sie lagen im Sand, schlossen Bekanntschaften, schwammen nicht allzuweit hinaus, manchmal schrieben sie Ansichtskarten.

Sie hatten sehr viel Zeit in der ersten Woche, viel Zeit in der zweiten, in der dritten waren sie froh, daß es dem Ende zuging. In Hamburg unterbrachen sie die Heimreise für zwei Tage. Die Stadt brütete in träger Betriebsamkeit. Das sah aber nur Irene. Hilmar Servatius verbrachte beide Vormittage bei Besprechungen mit irgendwelchen Geschäftsfreunden. Mittags trafen sie sich im Hotel. Sie hätten die beiden Tage gut und gerne bei Kortners wohnen können, den Hamburger Bekannten der Bartholomäis, Hilmars Großeltern mütterlicherseits, Bartholomäi und Schubart, Benzinmotoren.

Aber Irene hatte im Hotel wohnen wollen; die Kortners zeigten sich leicht verstimmt. Auch nach dem Essen wurde Hilmar an beiden Tagen von seinen Freunden abgeholt, hinaus an die Unterelbe zu irgendeiner Werft. Irene verstand von alldem nur, daß Bartholomäi & Schubart etwas mit Motorbooten im Sinn hatten. Die Nachmittage verbrachte Irene in der Stadt, allein, ging zu Fuß, nahm manchmal ein Taxi. Tunnels und Brücken, Geschäftsstraßen und Marktbuden, Hochhäuser und Lagerhallen. Einmal fuhr sie mit der Straßenbahn, fand sich dann nicht mehr zurecht, bat einen Polizisten um Auskunft. Nahebei standen Frauen nach Südfrüchten an, um Irene kümmerte sich niemand. Eine Frau sagte: Hausfrau ist wie Durchfall, man rennt den ganzen Tag.

Den ersten Abend gingen sie ins Theater. Das Stück war als Komödie angekündigt, ein amerikanisches Nachkriegsstück, Irene verstand nicht recht, worum es ging. Das Theater war klein, zweihundert Plätze vielleicht, es war ein berühmtes Theater. Für den zweiten Abend waren sie bei Röwe eingeladen, Michael Röwe, einem der Leute, mit denen Hilmar unterwegs gewesen war. Kleine Villa unweit einer großen Halle im Freigelände, vom Dachfirst stach ein Firmenschild in die Luft wie das Schwert eines kieloben treibenden Bootes, Michael Röwe Bootsbau. Im Hotel, bevor sie abfuhren, hatte Hilmar gesagt: "Es hat geklappt. Wir haben den Auftrag. Übrigens ganz nette Leute."

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