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Ruth von Gaskell, Elizabeth (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Ruth

Die hübsche Ruth wächst im viktorianischen England als Einzelkind auf dem Bauernhof ihrer Eltern auf. Doch sie ist noch sehr jung, als sie verwaist und von einer strengen Damenschneiderin in die Lehre genommen wird. Hier, in der Stadt, beginnt für sie ein Dasein voller Entbehrungen. An einem Winterabend begegnet sie einem jungen Mann aus vornehmem Hause, der ein wenig Licht und Wärme in ihr Leben bringt. Wird er alles zum Guten wenden? Zwei Jahre vor ihrem Roman "Norden und Süden" gelang Elizabeth Gaskell mit "Ruth" das Porträt einer jungen Frau, die ein wechselvolles Schicksal bewältigen muss. Elizabeth Gaskell (1810-1865), britische Autorin der Viktorianischen Ära, verfasste eine Reihe von Romanen und Erzählungen mit meist sozialkritischem Hintergrund sowie eine Biografie der Schriftstellerin Charlotte Brontë.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 524
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783746000701
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 653 kBytes
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Ruth

KAPITEL 1

In einer der östlichen Grafschaften gibt es einen Gerichtsort, der durch die Tudor-Herrscher 1 zu Ruhm kam und als Folge ihrer Gunst und ihres Schutzes einen Grad an Bedeutung erlangte, der den Reisenden unserer Tage überrascht.

Vor hundert Jahren war sein Aussehen geprägt von malerischer Pracht. Die alten Häuser, die jenen Familien der Grafschaft zeitweilig als Residenz dienten, welche sich mit den Vergnügungen einer Provinzstadt zufriedengaben, drängten sich entlang der Straßen und verliehen ihnen das uneinheitliche, aber edle Erscheinungsbild, das noch in den Städten Belgiens zu sehen ist. Die Straßenseiten besaßen durch die Wirkung der Giebel und der Schornsteinköpfe, die sich vom blauen Himmel darüber abzeichneten, eine kuriose Vielfalt; fiel der Blick hingegen mehr nach unten, dann waren es alle möglichen Arten von Vorbauten in Form von Balkonen und Erkern, die die Aufmerksamkeit auf sich zogen; und es war amüsant, die unendliche Fülle von Fenstern zu sehen, die lange vor der Zeit von Mr. Pitts Besteuerung 2 in die Mauern gezwängt wurden. Die Straßen darunter litten unter all diesen Vorsprüngen und überhängenden Stockwerken: sie waren dunkel und schlecht gepflastert mit großen, runden, holprigen Steinen und ohne einen durch Randsteine geschützten Gehweg; es gab keine Laternenpfähle für lange Winternächte; und den Bedürfnissen der Mittelschicht, die weder in eigenen Kutschen herumfuhr, noch von ihren eigenen Leuten in ihren eigenen Sänften bis hinein in die Salons ihrer Freunde getragen wurde, schenkte man keine Beachtung. Die Geschäftsmänner und ihre Ehefrauen, die Ladeninhaber und ihre Angetrauten und all solche Menschen befanden sich sowohl tags als auch nachts in beträchtlicher Gefahr, wenn sie herumliefen. Die breiten, schwerfälligen Kutschen drängten sie in den engen Straßen gegen die Hauswände. Die unwirtlichen Häuser streckten ihre Treppenstufen bis fast in die Fahrbahn hinein und trieben die Fußgänger erneut in die Gefahr, der sie zwanzig oder dreißig Schritte weit ausgewichen waren. In der Nacht stammte dann das einzige Licht von den grell flackernden Öllampen, die über den Türen der aristokratischeren Herrenhäuser aufgehängt waren und nur so viel Raum erleuchteten, dass Passanten sichtbar wurden, ehe sie wieder in der Dunkelheit verschwanden, in der nicht selten Räuber auf ihre Beute lauerten.

Die Traditionen jener vergangenen Zeiten - bis hin zur kleinsten gesellschaftlichen Besonderheit - ermöglichen es einem, die Umstände, die zur Charakterbildung beitrugen, besser zu verstehen. Das tägliche Leben, in das Menschen hineingeboren werden und von dem sie ganz durchdrungen sind, ehe es ihnen völlig bewusst ist, bildet Ketten, die zu verachten und zu zerbrechen, wenn die Zeit dazu kommt - wenn eine innere Notwendigkeit zu unabhängigem, eigenständigem Handeln entsteht, das über alle äußeren Konventionalitäten erhaben ist - nur einer von hundert genügend moralische Kraft besitzt. Daher ist es gut zu wissen, welches die Ketten der täglichen häuslichen Gewohnheit waren, die das naturgegebene Gängelband unserer Vorfahren darstellten, bevor sie lernten, allein zu gehen.

Das Malerische jener alten Straßen ist nun verschwunden. Die Astleys, die Dunstans, die Waverhams - mächtige Namen in jener Gegend - begeben sich während der Saison 3 pflichtschuldigst nach London und haben ihre Residenzen im Verwaltungssitz der Grafschaft vor fünfzig oder mehr Jahren verkauft. Und nachdem dieser Ort seine Anziehungskraft für die Astleys, die Dunstans und die Waverhams verloren hatte, wie konnte man dann noch annehmen, dass die Domvilles, die Bextons und die Wildes weiterhin den Winter dort in ihren zweitklassigen Häusern und mit ihren gestiegenen Ausgaben verbringen würden? So standen die prachtvollen alten Häuser eine Zeit lang leer; und dann wagten Spekulanten es, die verlassenen Herrenhäuser aufzukaufen und in viele kleinere Behausungen umzubauen

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