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Sämtliche Weihnachtserzählungen von Waggerl, Karl Heinrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.10.2012
  • Verlag: Otto Müller Verlag
eBook (ePUB)
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Sämtliche Weihnachtserzählungen

Sämtliche Weihnachtsgeschichten von Karl Heinrich Waggerl, mit Zeichnungen und Aquarellen des Autors. Seit vielen Jahren erweist sich gerade in der Vorweihnachtszeit die ungebrochene Popularität des Erzählers Karl Heinrich Waggerl. Mit milder Ironie und weisem Humor, durchdrungen von großer Gelassenheit und einem verschmitzten Ernst erzählt Waggerl in seinen berühmten Weihnachtsgeschichten die alten Legenden auf unverwechselbare, berührende Weise. Er verrät dem Leser, worüber das Christkind lächeln musste oder warum der schwarze König Melchior so froh wurde, er erinnert sich zurück an die eigene Kindheit und die verschiedenen Bräuche, die süßen Düfte und Geheimnisse rund um die Weihnachtszeit. Mit den Erzählungen 'Die stillste Zeit im Jahr', 'Das Weihnachtsbrot', 'Die alte Krippe', 'Und es begab sich' und dem Weihnachtskapitel aus 'Das Jahr des Herrn' umfasst dieser Sammelband alles, was Waggerl zum Thema Weihnacht geschrieben hat. Ein zeitloser Begleiter durch den Advent. Die Weihnachtserzählungen sind mit charmanten Aquarellen und Zeichnungen des begabten Malers Waggerl illustriert.

Karl Heinrich Waggerl geboren am 10.12.1897 in Badgastein, Kindheit und Jugend in großer Armut, Ausbildung zum Lehrer. Als Soldat im Ersten Weltkrieg erkrankt. Erste Publikation 1930 mit dem Roman 'Brot'. Er wurde besonders nach 1945 zu einem der erfolgreichsten Schriftsteller, zahlreiche Vortragsreisen, zahlreiche Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen. Gestorben 1973 nach einem Unfall

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 96
    Erscheinungsdatum: 25.10.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701361687
    Verlag: Otto Müller Verlag
    Größe: 1753 kBytes
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Sämtliche Weihnachtserzählungen

DIE STILLSTE ZEIT IM JAHR

A dvent, das ist die stillste Zeit im Jahr, wie es im Liede heißt, die Zeit der frohen Zuversicht und der gläubigen Hoffnung. Es mag ja nur eine Binsenweisheit sein, aber es ist eine von den ganz verläßlichen Binsenweisheiten, daß hinter jeder Wolke der Trübsal doch immer auch ein Stern der Verheißung glänzt. Daran trösten wir uns in diesen Wochen, wenn Nacht und Kälte unaufhaltsam zu wachsen scheinen. Wir wissen ja doch, und wir wissen es ganz sicher, daß die finsteren Mächte unterliegen werden, an dem Tag, mit dem die Sonne sich wendet, und in der Nacht, in der uns das Heil der Welt geboren wurde.

Für die Leute in den Städten hat der Advent kein großes Geheimnis mehr. Ihnen ist es nur unbequem und lästig, wenn die ersten Fröste kommen, wenn der Nebel in die Straßen fällt und das karge Licht des Tages noch mehr verkürzt. Aber der Mensch auf dem Lande, in entlegenen Tälern und einschichtigen Dörfern, der steht den gewaltigen Kräften der Natur noch unmittelbar gegenüber. Stürme toben durch die Wälder herab und ersticken ihm das Feuer auf dem Herd, er sieht die Sonne auf ihrem kurzen Weg von Berg zu Berg krank werden und hinsterben, grausig finster sind die Nächte, und der Schneedonner schreckt das Wild aus seinen Zuflüchten. Noch in meiner Kindheit gab es kein Licht in der Stube außer von einer armseligen Talgkerze. Der Wind rüttelte am Fensterladen und schnaufte durch die Ritzen, das hörte sich an wie der Atem eines Ungeheuers, das draußen herumging mit tappenden Hufen und schnupperte, an der Wand, an den Dachschindeln, überall. Wie gut, wenn ein Licht dabei brannte, gottlob für einen winzigen Funken Licht in der schrecklichen Finsternis!

Immer am zweiten Sonntag im Advent stieg der Vater auf den Dachboden und brachte die große Schachtel mit dem Krippenzeug herunter. Ein paar lange Abende wurde dann fleißig geleimt und gemalt, etliche Schäfchen waren ja lahm geworden, und der Esel mußte einen neuen Schwanz bekommen, weil er ihn in jedem Sommer abwarf wie ein Hirsch sein Geweih. Aber endlich stand der Berg wieder wie neu auf der Fensterbank, mit glänzendem Flitter angeschneit, die mächtige Burg mit der Fahne auf den Zinnen und darunter der Stall. Das war eine recht gemütliche Behausung, eine Stube eigentlich, sogar der Herrgottswinkel fehlte nicht und ein winziges ewiges Licht unter dem Kreuz. Unsere Liebe Frau kniete im seidenen Mantel vor der Krippe, und auf der Strohschütte lag das rosige Himmelskind, leider auch nicht mehr ganz heil, seit ich versucht hatte, ihm mit der Brennschere neue Locken zu drehen. Hinten aber standen Ochs und Esel und bestaunten das Wunder. Der Ochs bekam sogar ein Büschel Heu ins Maul gesteckt. Aber er fraß es ja nie. Und so ist es mit allen Ochsen, sie schauen nur und schauen und begreifen rein gar nichts.

Weil der Vater selber Zimmermann war, hielt er viel darauf, daß auch sein Patron, der heilige Joseph, nicht nur so herumlehnte, er dachte sich in jedem Jahr ein anderes Geschäft für ihn aus. Joseph mußte Holz hacken oder die Suppe kochen oder mit der Laterne die Hirten hereinweisen, die von überallher gelaufen kamen und Käse mitbrachten oder Brot, und was sonst arme Leute zu schenken haben.

Es hauste freilich ein recht ungleiches Volk in unserer Krippe, ein Jäger, der zwei Wilddiebe am Strick hinter sich herzog, aber auch etliche Zinnsoldaten und der Fürst Bismarck und überhaupt alle Bresthaften aus der Spielzeugkiste.

Ganz zuletzt kam der Augenblick, auf den ich schon tagelang lauerte. Der Vater klemmte plötzlich meine Schwester zwischen die Knie, und ich durfte ihr das längste Haar aus dem Zopf ziehen, ein ganzes Büschel mitunter, damit man genügend Auswahl hatte, wenn dann ein golden gefiederter Engel darangeknüpft und über der Krippe aufgehängt wurde, damit er sich unmerklich drehte und wachsam umherblickte.

Das Gloria sangen wir selber dazu. Es klang vielleicht ein bißchen zu grob in u

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