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Südwinde von Vosseler, Nicole C. (eBook)

  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Südwinde

1764 geht in einem Orkan das britische Handelsschiff Seagull unter. Einzige Überlebende ist Brittany Addison, die junge Tochter des Kapitäns. Sie kann sich auf einer Seemannskiste an die Gestade Tahitis retten. Dort wächst sie unter der Obhut der Medizinfrau Ratanea auf und wird deren Nachfolgerin. Bis sie nach sechs Jahren Inseldasein zum ersten Mal wieder Landsleute sieht: James Cooks Forschungsschiff legt auf der Insel an. Brittany schließt sich der abenteuerlichen Expedition an. Sie verliebt sich in den geheimnisvollen Zachary Hicks, den Ersten Offizier der Endeavour, und Tupia der Schamane belegt sie mit einem Fluch. Beides wird Brittany auf ihrer Reise begleiten...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 480
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955302122
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 2121 kBytes
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Südwinde

ERSTES BUCH:

DAS PARADIES

Das Paradies ist dort, wo ich bin.

Voltaire

1

Tahiti, Juni 1769

Der helle Tag war noch nicht viele Stunden alt, doch die Sonne brannte schon heiß herab und ließ die Wasserfläche grell aufblitzen. Friedlich gluckste das türkisblaue Meer an die Außenwand des Bootes; in gleichförmigem Rhythmus klatschten die Ruder beim Eintauchen in das Wasser. Vom Kiel aufgeschreckt, huschten Schwärme von winzigen Fischen schattengleich vorüber.

"Weiter auf Backbord zuhalten, Mr. Pickersgill, wir brauchen mehr Abstand zum Riff."

Lieutenant Zachary Hicks stand aufrecht in der schwankenden Pinasse, ein Bein auf die Reling gestellt, und suchte mit dem Fernrohr die vor ihnen liegende Küste ab.

"Geschützte Bucht backbord voraus, Sir", meldete Midshipman Charles Clerke, der auf der anderen Seite des Bootes ebenfalls Ausschau hielt.

Hicks fasste den Küstenabschnitt ins Auge, den Clerke meinte. Weiß krümmte sich der Strand in eine kleine, hufeisenförmige Bay. Vereinzelt wiegten sich Palmen in der warmen Luft, und im Hintergrund wölbte sich eine flache, dicht bewachsene Anhöhe wie der moosüberzogene Rücken einer gigantischen, steinalten Schildkröte.

"Ausgezeichnet, Mr. Clerke - genau was wir suchen. Zwei Strich Steuerbord, Mr. Pickersgill. Alles klar machen zum Anlegen!" Zufrieden ließ Hicks die Tuben des Messingfernrohres ineinander gleiten und schob seinen dunkelblauen Dreispitz mit der Offizierskokarde ein Stück in den Nacken.

Er warf einen Blick zurück.

Achtern ragte stolz und steil die felsige Nadelspitze des Berges empor, den die Eingeborenen Orohena nannten, bis zum Hals in dem üppigen, malachitgrünen Polster des Dschungels vergraben. Das flächige Grün löste sich zum Wasser hin in einzelne Gruppen von Bäumen auf - mächtige, dicht belaubte Kastanienbäume, ihre Stämme umwunden von den Ranken wilden, fruchtlosen Weines, und Palmen unter ihren breit gefächerten Kronen. Wie ein heller, unter einem Kleidungsstück hervorblitzender Saum wand sich der Sandstrand um die zerklüftete, dicht bewachsene Insel, die die Männer noch vor dem Morgengrauen verlassen hatten. Eine günstige Strömung hatte sie die gut acht Meilen in östlicher Richtung schneller zurücklegen lassen als erwartet.

"Drei Tage auf diesem gottverlassenen Eiland", knurrte der zweite Midshipman Patrick Saunders und zog missmutig seine spitze Nase kraus, während er die unmittelbare Umgebung der winzigen Insel, die sich vor ihnen wie ein oval geschnittener Smaragd aus dem Lichtblau des Wassers erhob, kritisch beäugte, scheinbar blind für ihre tropische Schönheit.

"Anderthalb, Paddy - es sind nur anderthalb", korrigierte ihn Clerke. Mit seinen sechsundzwanzig Jahren war er der älteste der insgesamt fünf Midshipmen des Mutterschiffs und deren unangefochtener Anführer, stets gut gelaunt und den Kopf voll haarsträubenden Seemannsgarns, das ihn in jeder trinkfreudigen Runde unbestreitbar zum Mittelpunkt machte. "Übermorgen in aller Frühe legen wir bereits wieder ab - wirst du es solange ohne die Zuwendungen deiner Aoroa aushalten?", neckte er Saunders augenzwinkernd.

Auf dessen eingefallenen Wangen breiteten sich bei der Erwähnung der jungen, drallen Eingeborenen, die seit mehreren Nächten sein Lager teilte, rote Flecken aus. "Tu bloß nicht so, Charlie - mir kannst du nicht weismachen, dass ausgerechnet du die Inselschönheiten nicht vermissen wirst!"

"Wer sagt denn, dass diese Insel nicht auch bewohnt sein könnte?" Purer Schalk blitzte in Charlies hellen Augen auf. "Vielleicht von irgendwelchen Feenwesen, noch schöner als die auf Otaheiti!"

"Gentlemen, wir werden morgen anderes zu tun haben, als uns um die Vorzüge der möglicherweise vorhandenen weiblichen Inselbevölkerung zu kümmern. So unglaublich das auch klingen mag, aber die Beobachtung des Venusdurchgangs ist der Hauptzwe

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