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Sarah von McClanahan, Scott (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.02.2020
  • Verlag: ars vivendi
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Sarah

Ich weiß nur eine Sache übers Leben. Wenn du lang genug lebst, fängst du an, Dinge zu verlieren. Alles wird dir weggenommen: Zuerst verlierst du deine Jugend, dann deine Eltern, dann verlierst du deine Freunde, und am Ende verlierst du dich selbst.' So beginnt Scott McClanahans semiautobiografischer Roman über Sarah - seine erste Liebe, die Mutter seiner Kinder, seine Ex-Frau. Ein Buch über die Magie des Kennenlernens, über die Entstehung einer jungen Familie und ihre Auflösung. Genauso humorvoll wie traurig, tragisch wie hoffnungsreich, umspannt es den Bogen einer Existenz mit all ihren Höhenflügen und Absurditäten und entwirft so auch das Bild einer ganzen Generation. Mit ihren Sorgen und Hoffnungen, gefangen auf kleinstädtischen Walmart-Parkplätzen und in abgefuckten Kellern. Sehr amerikanisch und dabei universal. Eine frische, leichtfüßige und unerbittlich klare Stimme, wie man sie so noch selten gehört hat. Über die Liebe und ihren Verlust: Indie-Ikone Scott McClanahan erstmals auf Deutsch. Scott McClanahan wurde 1978 geboren. Er ist der Autor mehrerer Romane und Erzählbände und lebt in West Virginia.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 206
    Erscheinungsdatum: 25.02.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783747201558
    Verlag: ars vivendi
    Originaltitel: The Sarah Book
    Größe: 490 kBytes
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Sarah

E in paar Wochen später verbrannte ich eine Bibel. Ich blickte zu meinem Freund Chris und sagte: "Weißt du was, wir sollten eine Bibel verbrennen." Tatsächlich hatten wir schon eine Weile darüber gewitzelt. Ein Monat davor war die Rechnung beim Drive-in von Taco Bell genau 6.66 $ gewesen. Danach behauptete ich immer, wenn ich mit Freunden ausging, der Teufel sei hinter mir her. Ich sagte so was wie "Ich schwöre, der Teufel ist total hinter mir her." Und dann bestellte ich bei Taco Bell das Gleiche wie damals, und es kam wieder auf 6.66 $ und alle so whoa oh mein Gott .

Vielleicht war es ein Zeichen. Vielleicht wollte der Teufel mir ja wirklich was mitteilen.

Also begann ich nach einer Bibel zu suchen. Chris fand die Idee nicht so gut und sagte, Sarah würde es sicher rauskriegen. "Wegen Sarah mach dir mal keine Sorgen", sagte ich. Ich war erwachsen und wenn ich eine Bibel verbrennen wollte, konnte mir Sarah das auch nicht verbieten.

Ich durchsuchte die Bücherregale im Keller. Wir besaßen drei Bibeln. Es gab eine Gideons-Ausgabe und eine mit einem schwarzen Einband, die meine Kindheitsbibel gewesen war. Und dann noch eine im untersten Regal. Das war die neueste Bibel im Haus. Irgendwer hatte sie uns zu unserer Hochzeit geschenkt.

Ich nahm sie aus dem Regal. Es war eine dieser riesigen weißen Plüschbibeln und in der Ecke stand "Sarah und Scott McClanahan" in Gold. Diese Art von Bibel liegt bei Leuten sonst immer gut sichtbar auf dem Couchtischchen oder im Haus von Großeltern oder so. "Ich glaub, wir sollten lieber nicht", sagte Chris, aber ich hörte nicht auf ihn. Also legte ich die Bibel auf den Tisch und schlug sie auf. Das Buch Daniel. Er ließ den Ofen siebenmal stärker heizen, als man ihn gewöhnlich heizte. Ich ging in einen anderen Teil des Kellers, wo Sarah die alten Werkzeuge ihres Vaters aufbewahrte. Ich kramte eine Zeit lang, dann fand ich endlich einen Behälter mit Feuerzeugbenzin und ein paar Streichhölzer.

Das Benzin tropfte tropftropf auf die Bibelseiten. Dann das Streichholz. Ich riss es an der Reibefläche an, die Flamme kam, aber dann blies ich es wieder aus. "Oh verdammt, lass mich vorher noch kurz ...", sagte ich. Ich schaltete das Licht aus.

Chris wiederholte: "Ich glaub, wir sollten lieber nicht. Wir sollten lieber nicht."

Aber ich zündete schon das nächste Streichholz an und ließ es auf die Bibel fallen, und es hörte sich an, wie wenn etwas zerreißt, und ha, die Bibel brannte hell.

Mein Gesicht glühte im Licht. Ich sah mein Spiegelbild im Fenster, und da war ein Heiligenschein um meinen Kopf.

Die Flammen verteilten sich wellenartig über die Seiten, und ihre Farbe wechselte von rot zu braun zu schwarz. Ich löschte die paar noch glosenden dunklen Aschestücke, und das war alles. Nichts passierte. Es war genau dasselbe, wie wenn ich mich im Auto betrank und der Teufel nichts dazu beizutragen hatte. Chris und ich mussten lachen. Aber dann hörten wir Sarah oben herumgehen und wir gerieten in Panik. Ich klappte die Bibel zu. Das Papier knisterte und wellte sich. Dann legte ich die Bibel zurück ins unterste Regal, und da kam sie schon die Treppe herunter.

Einen Monat später hatte ich alles vergessen. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte die verbrannte Bibel damals einfach zurück ins unterste Regal gelegt, anstatt sie wegzuwerfen. Sarah und ich und eine von Sarahs Freundinnen waren gemeinsam im Keller. Ich arbeitete an meinem Schreibtisch, und Sarah zeigte ihrer Freundin gerade den neuen Boden, den wir im Keller verlegt hatten.

"Oh, schaut super aus."

"Ja, wirklich super."

Solche Sachen sagten sie. Und Sarahs Freundin schaute sich den glänzenden neuen Boden an und dann all meine Bücher in den Regalen, und sie sagte: "So viele Bücher." Sarah schüttelte den Kopf und sagte: "Ja, er mag Bücher."

Dann entdeckte Sarahs Freundin etwas in einem Regal, d

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