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Schön, dass man noch Träume hat Erzählungen. von Bartholome, Werner (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.05.2013
  • Verlag: Engelsdorfer Verlag
eBook (ePUB)
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Schön, dass man noch Träume hat

Hören Sie die Geschichten aus Pflaumenheim. Eine andere Erzählung berichtet davon wie 1933 Walter Mehring der Verhaftung durch die Nazis entgeht. Lauschen Sie den Ansichten und Träumen Professor Hommerweibs. Wie wurden die Evangelien zu geschriebenem Text? Berichtet wird über Jugendliche, die auf der Straße leben. Auch weitere Erzählungen thematisieren Armut in ihren verschiedenen Formen. Mehrere Beiträge gehen Liebesbeziehungen auf den Grund, die am Ende scheiterten. Von einer jungen Frau wird berichtet, die 1945 ohne Schuld in ein russisches Lager gesperrt wird. Begebenheiten aus dem letzten Krieg Israels gegen den Libanon kommen zu Wort.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 312
    Erscheinungsdatum: 03.05.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954889037
    Verlag: Engelsdorfer Verlag
    Größe: 1019kBytes
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Schön, dass man noch Träume hat

Michael Hesseler

Geschichten über Originale in Pflaumenheim

Theos Familie stammte aus einer besonderen Zusammenballung von Menschen und Steinen, aus Pflaumenheim am Rhein. Hier lebten einst Originale, kulturell geprägt durch die lange französische Besetzung zur Zeit Napoleons, versprengte römische Kohorten am Limes und keltische Magier. Außerdem war die Bevölkerung durch die lokale Mixtur katholischer, reformierter und jüdischer Religion geübt im friedlichen Zusammenleben. Zwei Flaschen des roten Brogsitters täglich machte hier selbst Neunzigjährige kein bisschen müde, aber etwas weiser. Schon allein deswegen litten die Pflaumenheimer nicht an übertriebener Arbeitswut. Sie konnten die Arbeit auch ohne schlechtes Gewissen liegen lassen. Ein ehemaliger weiser Bundesminister, gern gesehener Gast in Talkshows, den Oma Josefine gut kannte, wird daher später sagen: "Wer nur arbeitet, ist gefährlich." Dieser Menschenschlag wollte die alltägliche Mühsal nicht nur ertragen lernen, um zu überleben. Er wollte das Leben wie ein Künstler zelebrieren. Wegen seiner existentiellen Bedeutung für die Lebenskunst seiner Einwohner könnte man daher Pflaumenheim das Clochemerle am &8218;Ring' nennen. Während andere Ethnien nachdrücklich aufgefordert werden mussten, aus sich herauszugehen, befreit zu lachen und Spaß am Leben zu haben, musste man die Menschen in dieser Kleinstadt immer wieder ermahnen, endlich Ernst walten zu lassen. Sie resignierten selten.

Natürlich hatte auch bei diesen gestandenen Menschen der Humor versagt, als die Häscher am Tage des historischen Hahnenschreis ihre jüdischen Mitbürger zu ihren Mördergruben abtransportierten. Aber Theos Großmutter Josefine, die gute Katholikin, half, wo sie nur konnte. Sie war sich der Gefahr ihrer Hilfsaktionen gar nicht bewusst, einfach, uninformiert und ungebildet, wie sie war. Sie war nur herzensgut. Sie hatte instinktiv etwas gegen die böse braune Gesockschaft, genau so, wie sie fest davon überzeugt war, vor einer Höhle über dem Ahrtal rote Teufel um ein loderndes Feuer tanzen zu sehen. Hier im Land der Jäcken kamen die demagogischen Einpeitscher nicht nur schlecht mit ihren braunen Rauschdrogen an, sondern wurden sogar mit treffenden Witzen verspottet. Über den ordenbestückten Gecken Göring, den das Volk instinktsicher mit faulen Eiern beworfen hatte, räsonierte auch ein Literaturnobelpreisträger gern. Doch auch in diesem Kaff standen noch zu viele untertänige Gut-Mitmenschen - aufgepeitscht durch eine karrieresüchtige Amtsleitung - stramm, schauten andächtig nach oben und traten dann nach unten kräftig mit. Dem größten Teil der Bürger gelang es aber, den Unbill des Lebens und die Missstände im Alltag mit dem Humor zu nehmen, der diesem Landstrich eigen war. Daher nahmen sich die Postangestellte ohne schlechtes Gewissen die Freiheit, während der Arbeitszeit in der nahen Kneipe Skat zu&8218; kloppen.' Die Anwohner befürworteten das, solange sie sich bei Bedarf den Schlüssel zur Dienststelle dort abholen konnten, um sich selbst zu bedienen. Hier konnten sich die Menschen noch vertrauen. Keiner vergaß, auch nur eine Briefmarke zu bezahlen. Die Postangestellten wussten ihrerseits, dass keiner der Mitwisser sie bei ihren Vorgesetzten verpfeifen würde. Es kam allerdings auch kein Reichsbedenkenträger ohne Vorankündigung vorbei, der ein dickes Buch aus seiner Aktentasche gezogen und auf unverständliche Vorschriften in Amtsdeutsch verwiesen hätte.

Eine nicht zu vernachlässigende Gruppe in der Bevölkerung bildeten Menschen, denen Trinken oder besser &8218;Saufen' Erleichterung verschaffte und so ihre Lebenshaltung aktiv unterst&

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