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Schöne Nacht noch von Marohn, Norbert (eBook)

  • Verlag: Lychatz Verlag
eBook (ePUB)
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Schöne Nacht noch

Kindheit war, wo ich gehorchte. Im Äußern bleiben. Ohne zu wissen, wie Jungen sich aufeinander einlassen. Ich wusste nicht einmal, dass ich mich sehnte nach Jungen. Erdmann hat sich nach München abgesetzt, bedient in einer Kneipe, wo er zwischen Jungen und Stammgästen zu vermitteln lernt. Jacqueline, hinter einer Hotelrezeption, sehnt sich nur nach Ruhe. Herr Kirschbaum bleibt der Einzige, der sich in beiden Etablissements sehen lässt. München ist eine Stadt, die gern von hinten kommt. Zwei Jungmünchner tauchen auf - wie schafft es Benny, alle durcheinander zu bringen? Noch vier Tage bis zur Hochzeit. Noch drei. Noch zwei. Jacqueline will, doch will Herr Kirschbaum sie noch heiraten? Sie macht sich dorthin auf, wo sie die Lösung vermutet: in einer Schwulenkneipe. "Wollen Sie München unsicher machen?"

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 224
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783942929226
    Verlag: Lychatz Verlag
    Größe: 843 kBytes
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Schöne Nacht noch

DIE BEIDEN JUNGEN

Plötzlich lag München vor mir. Meine Zeit hier verlief fast gleichmäßig. Ich schlief, bis ich von allein aufwachte. Das Gute war, ich konnte lange in mich gehen, meine Arbeit für Geld fing erst um vier an. Die gerühmten Städte hatte ich längst alle besichtigt und begriffen: München möchte sein, was Wien ist - etwas Eigenständiges. München aber existiert immer im Gegensatz zu Berlin. Ich war gern hergezogen. Sollten die Burschen kommen.

Ich erblickte sie in der Fleischerei, beim Metzger, zum späten Mittagessen. Der Blonde mit der Kappe stelzte herein. Sein Freund, ein Glatzköpfchen, trat ihm fast in die Hacken, so dicht folgte er ihm. Den Blonden plagte sichtlich die Körperbeherrschung. Er drehte und wand sich in Bewegungen, die in seinen Unterleib mündeten. Seine Hände kreisten am Hosenschlitz vorbei, sein Hintern wippte eckig. An dem kleinen Glatzkopf fiel mir nur die Nähe auf, die er zu seinem KumpelFreund-was-auch-immer hielt.

Der Blonde wühlte in seinen Taschen, fand nichts. Er schien Hunger zu haben. Das Glätzchen stellte sich an und bezahlte schließlich eine Leberkäs-Semmel.

Ich kaute an einem Rollbraten, ohne die beiden aus dem Blick zu lassen. Hier in meinem warmen Viertel von München waren sie mir noch nie aufgefallen.

Die Art, wie der Blonde betont wegsah, zeigte, dass er sich beobachtet fühlte, ohne sich daran zu stören. Er schnappte die Semmel und biss ab, bevor er hinausschlenkerte. Den zweiten Happen nahm das Glätzchen und hechelte seinem Kumpel hinterher.

Draußen lehnte der Blonde am Schaufenster. Im Wechsel verschlangen sie die Semmel. Ich drängelte mich beim Bezahlen vor, um sie nicht gleich wieder aus den Augen zu verlieren.

Sie schlenderten zum Gärtnerplatz, vielleicht unschlüssig, wohin, vielleicht einfach mit aller Zeit der Welt, die Teenagern zukommt. Ich durfte ihre Rückseiten betrachten - eine dünne Latte, zapplig der eine, Glätzchen als kaum breiterer Schatten dahinter. Ihre Hosen baumelten fast an den Oberschenkeln, etwas wie Boxershorts sprossen daraus hervor. Mir war schleierhaft, wie sich das Ganze an ihren Hüften hielt.

Vorm Theater, als ich die beiden überholte, sprach ich sie an:

"Langeweile heute? Man kann sein Leben auch anders zubringen als mit Arbeit."

"Bist du von der Fürsorge?"

Der Blonde grinste frech.

Ich grinste:

"Von der Technischen Nothilfe. Für Sonderfälle."

"Das sind wir."

Der Blonde drehte und verrenkte sich um die eigene Achse, seine Hose schlabberte kurz vorm Sündenfall, von mir aus.

Glätzchen starrte mich an, als müsste er einen Rivalen abwehren. Sein blonder Freund kniff ihn in den Bauch, bevor er mich fragte:

"Hast du was gegen schlechte Laune?"

"Bei mir wird Alkohol ausgeschenkt. Ich weiß nicht, ob ihr das jeden Abend wollt."

"Eine Bar?"

"Privatfeten sind möglich."

"Kann man bei dir was verdienen?"

"Ich bin der, bei dem bezahlt wird."

Ich lief zu meinem Appartementhaus, sie hielten sich neben mir. Ich sprach mit dem Blonden, als ich sie einlud. Fast mürrisch trabte uns Glätzchen hinterher.

"Ihr seid mir schon ein Paar."

Im Fahrstuhl drückte ich sie aneinander. Sie betrachteten sich im Spiegel, ohne sich zu rühren. So schleppte ich sie ab.

Ich schob sie in meine Wohnung. Die Fensterfront im Zimmer verbreitete helles Licht. Plötzlich war es still, kein Straßenlärm mehr, kein Mensch neben uns. Die beiden standen wie bestellt und nicht abgeholt, wie Frischlinge, scheinbar in allem.

Bis zu meiner Lohnarbeit blieben noch anderthalb Stunden, ich trödelte nicht. "Zieht euch inzwischen aus." Ich verzog mich ins Bad und war gespannt.

Wie würden sie sich verständigen? Die Gelegenheit dazu gab ich ihnen jetzt. Ob es weiterging, sollten sie entscheiden, wenn auch nicht mehr ganz frei. Sie befanden sich schon auf meinem Territorium - beide vom Leben als Ausbeulung der Se

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