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Schackerl von Adolph, Karl (eBook)

  • Erschienen: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
eBook (ePUB)
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Schackerl

Karl Adolph ( 19. Mai 1869 in Wien, 22. November 1931 ebenda) war ein österreichischer Schriftsteller. Adolph arbeitete zunächst als Malergehilfe und war ab 1901 als Kanzleigehilfe in der Verwaltung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses tätig, wo er es bis zum Adjunkt brachte. Mit Schackerl erzielte er 1912 seinen ersten literarischen Erfolg. Daneben war er ständiger Mitarbeiter der Wiener Arbeiter-Zeitung. Karl Adolph schilderte in Romanen und Skizzen das Leben von Proletariern und Kleinbürgern der Wiener Vorstädte in naturalistischer Darstellung. 1914 erhielt er den Bauernfeld-Preis. (Auszug aus Wikipedia)

Produktinformationen

    Größe: 276kBytes
    Herausgeber: OTB eBook publishing
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 129
    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    ISBN: 9783956768132
    Erschienen: 11.08.2015
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Schackerl

Erstes Kapitel

(Befaßt sich mit der Schilderung von Schackerls Geburtshaus, dem Charakter einiger seiner Bewohner und macht Mitteilung von einem folgenschweren Beschluß der Mutter des Helden, ohne den dieser nicht das Licht der Welt erblickt hätte.)

Einzeln bestehen sie noch heute, diese einstigen lieben, lachenden Wiener Häuser.

Aber sie sind schon lange auf die Liste der Pfründner gesetzt. Man läßt sie verfallen, vermorschen, verwittern und sucht aus ihnen noch so viel Profit herauszupressen wie möglich. Nicht einmal der billige Kalk wird angewendet, um sie lichter, heiterer und reinlicher zu gestalten.

Sie gleichen den unreinen Greisen, die man in ihrer Hülle von Schmutz und Unrat beläßt, soweit es der Umgebung rätlich erscheint, da doch kein Reinigungsversuch eine nennenswerte Dauer hat und der Marastische sich in seiner Lage wohl befindet.

Damals bildeten diese alten, lieben Häuschen noch nicht einzelne Oasen in der öden Ziegelwüste 2 der werdenden Großstadt. (Ich rede nämlich von der Zeit, da Schackerl noch durch sein Verharren im ungeweckten Keimzustand seine Eltern betrübte.)

Sie bestanden noch unendlich zahlreich in Gruppen als Gassen und Gäßchen, die sich lange gegen die fahlen, lichtlosen, hochragenden, protzigen Eindringlinge wehrten, welche wie alle Protzen eine unendlich öde Innenseite zeigen.

Was sie an billigem Flitter nach der Straßenfront aufweisen, macht die Rückseite tausendfach wett mit ihren Rundbauten, deren kleine Fenster nicht auf die edelste Bestimmung der Menschheit weisen.

Wie die Zellen von Gefängnissen gleichen die Wohnungen einander.

Die Türen mit ihrem schlechten Ausputz einer meist mißlungenen Naturholzimitation gähnen einander an, als stürben sie selbst vor Langerweile darüber, so gleichmäßig ausgestattet zu sein.

Blickte man damals durch einen der breiten, gewölbten Hausflure jener alten Häuschen, nickte einem ein liebliches Gärtchen entgegen.

Rote, grüne, gelbe, blaue, silbern- und goldfarbene Glaskugeln auf in die Erde gelassenen grünen Stangen blitzten in der Sonne. Die mit roten Ziegelsteinen gepflasterten Fußwege des 3 Hofes bildeten zu dem grüngestrichenen Holz- oder Eisengitter des Gartens einen angenehmen Gegensatz.

Und erst wenn man den Hof selbst betrat!

Wie schimmerten die lichtgelben Mauern; wie blitzten die Fenster; wie leuchteten die weißen Türen; wie glänzten die Vorhänge; wie dufteten, lockten die Blumen in ihren roten Geschirren von allen Fenstersimsen!

Da gellten, schrieen, tollten die Kinder um die Wette mit den in ihren Vogelhäuschen an dem Ganggeländer aufgehängten Kanarien, die sich schier so frei und glücklich fühlten wie die freien Sänger des Gartens, über dessen Wunder zu berichten ich mir vorbehalte.

Frauen umstanden den ebenfalls grün gestrichenen, mit einer roten Kappe versehenen Schöpfbrunnen und rieben das Holzgeschirr und die Küchengeräte blank, saßen abwechselnd auf dem von einem schier ungeheuren Waldriesen stammenden Hackstock, plauderten und lachten oder zankten nach uralter Weibersitte und Brauch.

In den Werkstätten klopfte, hämmerte, sägte, kreischte es - und das alles wurde unterbrochen, gestillt durch die Töne eines Werkels oder einer Harfe. Damals lauschte man noch (und hatte den ruhigen Atem dazu) den linden Tönen jenes 4 Instruments, das heilige Frauen spielten, wie uns die Maler früherer Zeiten erzählen.

Man lauschte noch. Denn, Gott sei Dank, in diesen kleinen Betrieben des Gewerbefleißes stand noch nicht das häßliche Motto angebracht: Zeit ist Geld. Nämlich nicht in dem Sinne verstanden wie heute, wo ein sekundenlanges Ausatmen schon den Bruchteil eines Geldverlustes bedeutet.

Man kannte damals auch noch nicht die in den Hausfluren angebrachten Warnungen, daß Betteln, Hausieren und Musizieren verboten seien. Letzteres Verbot würde nicht nur die Musikausübenden jeder Sorte, sondern auch all

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