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Schattentag Kriminalroman von Wagner, Jan Costin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.09.2013
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Schattentag

Alles hat er verloren: seine Frau, seine Tochter und sein Augenlicht. Doch ausgerechnet am Tag der Katastrophe schöpft der plötzlich Erblindete Hoffnung, denn im Krankenhaus trifft er seine Jugendliebe Mara wieder. Gemeinsam mit ihr wagt er auf einer Insel einen Neuanfang. Aber das scheinbare Glück ist zerbrechlich, denn immer wieder suchen ihn die Gespenster seiner Vergangenheit heim. Als dann auch noch ein Mann von den Klippen stürzt und bei der Leiche ein Kinderfoto des Blinden gefunden wird, gerät sein Leben erneut aus den Fugen ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 186
    Erscheinungsdatum: 20.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838748108
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 302 kBytes
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Schattentag

5

Die kühle Frische des Morgens. Die Nacht, in der ein Mann die Klippen hinabgestürzt ist, scheint weit weg zu sein, obwohl es erst gestern war, es ist wenige Stunden her, und dazwischen lagen nur Maras Liebe und ein Schlaf, der so tief gewesen ist, dass ich mich wundere. Es muss an Mara liegen, die mich bewusstlos gestreichelt hat und mich am Morgen streichelnd weckt.

"Mara."

"Ja?"

"Hast du gestern nicht den Schrei gehört? Als wir auf dem Balkon standen, während des Feuerwerks?"

"Nein."

"Aber ... Weißt du, wer dieser Mann gewesen ist, der ..."

"Nein. Lass doch. Versuch, es zu vergessen."

"Aber ..."

"So etwas passiert."

"Aber doch nicht hier ... auf unserer Insel."

Mara lacht.

"Wieso lachst du?"

"Nichts."

"Was ist daran lustig, dass ein Mann ins Meer stürzt?"

"Nichts", sagt Mara.

"Warum lachst du dann?"

Mara löst ihre Hand von meiner Haut, ich versuche, nach ihr zu greifen, aber ich greife ins Leere.

"Es war nicht so gemeint", sage ich. "Bitte mach weiter."

Ich spüre wieder ihre Hand, die sich in meine Schulter krallt.

"Das ist sehr schön", sage ich.

"Es könnte mit dir zusammenhängen", sagt Mara.

"Was?"

"Zum ersten Mal ist jemand von den Klippen gestürzt. Es ist jetzt passiert, und jetzt bist du hier."

"Das heißt?"

"Dass es etwas mit dir zu tun hat. Damit, dass du hier bist."

"Das meinst du hoffentlich nicht ernst."

"Natürlich nicht", sagt Mara.

"Warum sagst du es dann?"

"Weil wir vereinbart haben, dass alles, was wir sagen, keine Bedeutung hat."

"Aber ..."

"Lass uns den Tag verschlafen", sagt Mara.

Mara schläft, obwohl ich ihr gesagt habe, dass ich nicht mehr werde schlafen können. Ich höre, dass Mara atmet, ich wünschte, ihre Hand würde noch über meinen Rücken streichen, aber sie liegt schlaff auf dem Laken, und ich erinnere mich an etwas, das lange vergessen war:

Eine Reise in einem blauen Bus.

Die Sonne taucht mein Blickfeld in helles Grau. Ich sehe Maras Schattenriss. Sie schläft, als werde sie nicht mehr aufwachen. Wenn Mara immer weiterschläft, werde ich ihr all die Dinge nicht sagen können, die ich ihr noch zu sagen habe, aber ich muss keine Angst haben, denn Mara erwacht, als jemand an die Tür klopft.

"Was ist?" Maras Stimme kommt heiser und schwach aus tiefem Schlaf. "Jemand hat geklopft", sage ich und taste nach ihr. Ich bin erleichtert, dass sie wach ist, dass sie bei mir ist. Es klopft wieder an der Tür, lauter und länger.

"Was soll das?", sagt Mara. "Wir wollten doch schlafen."

"Ist jemand zu Hause?", ruft dumpf eine männliche Stimme von draußen.

"Wer ist das?", fragt Mara.

"Ich weiß nicht."

"Ist da wer?" Der Fremde hämmert gegen die Tür.

"Moment", ruft Mara und schüttelt meine Hand ab.

"Mara?", sage ich, sie antwortet nicht. Ich höre, wie sie die Tür öffnet, wie sie mit dem Besucher spricht. Nach einiger Zeit Schritte, die sich nähern.

"Mara?", frage ich, aber der Schattenriss im Türrahmen gehört dem Besucher, der eine Weile nur dasteht und schweigt.

"Wer sind Sie?", frage ich.

"Polizei, es geht um den Mann, der gestern während des Feuerwerks zu Tode kam."

"Ja. Können wir da helfen?", frage ich.

"Wir sprechen mit allen, die gestern in der Nähe der Klippen waren. Wie wir gehört haben, standen Sie zwischenzeitlich eine Weile auf dem Balkon des Hotels. Haben Sie von dort vielleicht etwas gesehen? Sie müssten eigentlich von dort etwas gesehen haben."

"Entschuldigung, hat Mara Ihnen nicht ... Ich kann nicht sehen, ich bin blind."

"Das tut mir leid", sagt der Polizist.

"Ich dachte, Sie wüssten das schon. Ich ... Das ist eine lange Geschichte. Aber ich habe etwas gehört. Ich glaube wenigstens, etwas gehört zu haben, Mara meinte, sie hätte nichts gehört, deshalb

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