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Schicksal über dem Lindenhof von Ernst, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.06.2016
  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Schicksal über dem Lindenhof

Der Baumeister Mathias Bleibtreu gerät auf den Lindenhof, dessen verwitwete Bäuerin einen Knecht sucht. Ehe Mathias es sich versieht, spannt sie ihn bereits für ihre Dienste ein. Da sich die Lindenhoferin als eine schöne und selbstbewusste junge Frau entpuppt, ist Mathias dem aber so gar nicht abgeneigt. Doch dass Sophie auf dem Hof die Zügel fest in der Hand hält und nicht gedenkt diese abzugeben, daran muss sich der stolze junge Mann erst mal gewöhnen ... Hans Ernst wurde 1904 in München geboren. Seine Mutter starb früh, und als sein Vater in den Ersten Weltkrieg ziehen musste, wurde er zu einer Bauernfamilie gegeben - eine Zeit, die prägend für ihn werden sollte. Zurück in München, begann er auf Wunsch des Vaters eine Schreinerlehre, hielt diese aber nicht durch. Seine Liebe zum Bauernleben, die in der Zeit bei der Pflegefamilie erwacht war, wurde übermächtig. Er trat auf einem Gut eine Stelle als Rossknecht an, war dann bei mehreren Bauern im Dienst. Entscheidend für sein späteres Leben war dann sein Entschluss, sich einer Bauernbühne anzuschließen - einer jener fahrenden Theatertruppen, wie es in der Zeit zwischen den Weltkriegen noch etliche gab. Über das Theaterspielen fand er schließlich zum Schreiben, seiner eigentlichen Berufung. 1932 erschien sein erster Roman, 'Jakob Voggtreuter'. Rasch folgten weitere Werke dieser Art: Alle spielen sie auf dem Land, oft in den Bergen, immer sind die Hauptfiguren bäuerliche Menschen. Ihr Leben wird anschaulich und liebevoll geschildert, aus jedem Wort kann man ablesen, dass Hans Ernst die Welt, über die er erzählt, kennt. Bald waren diese Heimatromane so erfolgreich, dass Hans Ernst vom Schreiben leben konnte. Er verfasste insgesamt 112 Bücher, die bis heute einen großen, begeisterten Leserkreis finden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 239
    Erscheinungsdatum: 27.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475544828
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 1980 kBytes
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Schicksal über dem Lindenhof

Es war ein Morgen von wundersamer Stille, als Mathias mit dem alten Anselm auf die Wildsteigalm fuhr. Das einzig Lärmende in dieser schönen Morgenstunde war der Traktor, den Mathias genommen hatte, obwohl ihm die Frau ausdrücklich gesagt hatte, daß er die zwei Pferde nehmen solle.

Zuerst ging es durch den Bergwald recht steil aufwärts auf einem Sträßlein, das so steinig und ausgewaschen war, als sei hier schon seit Jahrzehnten nichts mehr gerichtet worden. Hernach wurde es etwas besser. Es ging eine Weile über sanfte Almgründe mit ein paar einsamen, verkrüppelten Wetterföhren und grauen Findlingssteinen. Dann sah man, über eine Kuppe kommend, die Hütte der Wildsteigalm in einer sanften Mulde stehen. Hinter ihr zog sich das Almfeld hoch hinauf, man meinte, daß es bis zum Fuß der Berge hinreiche, indessen lagen aber dazwischen noch ein paar andere Almen. Der Anblick war so berauschend schön, daß Mathias den Traktor anhielt und mit großen Augen in die Runde schaute.

Blauschimmernd standen die Berge, an den Gipfeln von gleißendem Sonnenlicht umflutet. Zum Greifen nah, möchte man meinen, und doch wäre es töricht, eine Ewigkeit mit Stunden zu messen, die es sicherlich noch bis zu einem der Gipfel war.

So schweigend, wie die Natur ringsum war, saß der alte Anselm neben Mathias, und man könnte fast meinen, der Alte mit seinem Schweigen sei auch etwas wie Ewigkeit. Vielleicht ist keine Zeit des Tages so geschaffen wie solch eine tauglitzernde Morgenstunde, die großen Dinge so unbeschränkt in sich hineinfallen zu lassen. Das Herz möchte jauchzen vor Glückseligkeit, und doch ist alles von einer seltsam süßen Schwere, das Sonnenleuchten, die Schatten, die stille Luft. Man starrt zu den Bergen hinauf, als müßte sich dort etwas begeben. Aber nichts geschieht.

Mathias ließ den Traktor wieder anspringen, sie legten den Rest des Weges bis zur Hütte zurück. Hier erst sagte Anselm:

"Hättest du denn nicht die Gäule nehmen sollen?"

"Ja doch, aber dann wären wir jetzt erst beim ersten Drittel des Weges. Wenn es nicht zuviel zu tun gibt, können wir am Abend wieder heimfahren."

Auf der Alm sah es aber bös aus. Die Frühjahrsstürme hatten arg an der nicht mehr neuen Hütte gerüttelt. Es fehlten eine Menge Schindeln, andere waren locker. Der Schnee hatte Almzäune niedergedrückt, es gab eine Menge Arbeit.

Als Mathias den Schaden besichtigt hatte, schob er den Hut aus der Stirn und sagte trocken: "Gute Nacht, da schaut es ja sauber aus."

Während er bereits auf dem Dach saß, dachte er, daß es wohl besser gewesen wäre, die Lindenhoferin hätte ihm den Lorenz mitgeschickt. Mit dem Alten war nicht viel anzufangen. Er konnte nicht mehr auf das Dach steigen, ohne schwindlig zu werden. Darum sagte Mathias:

"Anselm, beschäftige dich doch mit dem Zaun ein wenig, so gut es dir gelingt. Und wenn es dir zu schwer wird, dann setz dich dort in den Schatten. Wir werden schon fertig werden. Der Tag ist ja lang."

Er holte sich ein paar Arme voll Schindeln, die im Schuppen aufgestapelt waren, auf das Dach und begann mit der Arbeit, während sich Anselm über den Zaun machte.

Das werden wir gleich haben!, hatte Mathias gedacht, als er Säge, Hammer und Nägel zurechtlegte, um das Werk frisch zu beginnen. Aber dann dauerte es doch eine ganze Weile, bis er sich zurechtfand, weil ihm diese Werkzeuge nicht mehr vertraut waren. Und es war ihm auch ungewohnt, so frei auf einem Dach zu sitzen, ohne Angst haben zu müssen, daß ihn im nächsten Augenblick eine Maschinengewehrgarbe aus dem Dickicht durchsiebte. Nein, er war immer noch nicht ganz frei von der Last der Jahre, die ein ungerechtes Schicksal ihm auf die Schultern gelegt und aus ihm einen Menschen voller Mißtrauen, voller Spannungen gemacht hatten. Er mußte sich erst daran gewöhnen, in einer Welt zu leben, in der es keine Gefahren mehr gab, wenigstens keine Gefahren für das Leben, in einer Welt, in der die Sonne ruhig auf- und wieder

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