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Schicksal aus zweiter Hand Roman von Konsalik, Heinz G. (eBook)

  • Verlag: Edition Konsalik
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Schicksal aus zweiter Hand

Frank Gerholdt hat alles erreicht: Macht, Reichtum, eine zauberhafte Tochter. Aber sein Aufstieg geht nicht mit rechten Dingen zu und sein idyllisches Familienleben basiert auf einer Lüge - auf einem Verbrechen, das er als junger Mann begeht. Denn das Kind, das bei ihm lebt, seine über alles geliebte ?Tochter?, wurde vor Jahren von ihm entführt. Nur für sie, für ihr Glück lebt er. Doch die Schatten der Vergangenheit folgen ihm. Schatten wie der Kriminalrat Dr. Werner, der seit Ewigkeiten darauf wartet, Gerholdts wunden Punkt zu finden und ihn endlich überführen zu können. Mit diesem Roman hat Konsalik ein packendes, lebensbejahendes Werk geschaffen, in dem zwei Jahrzehnte Zeitgeschichte lebendig werden - von den Anfängen des Dritten Reichs über die Wirren des Zweiten Weltkriegs bis hin zur Wirtschaftswunderzeit. Die Edition Konsalik ist die digitale Neuauflage des Gesamtwerks des Kult Autors: Entdecken Sie die Klassiker von Heinz G. Konsalik neu!

Heinz. G. Konsalik wurde 1921 in Köln geboren; Studium der Theater- und Zeitungswissenschaften und der Literaturgeschichte in Köln und München mit dem Ziel, Dramaturg zu werden. Wurde bei Ausbruch des 2. Weltkrieges eingezogen; nach der Entlassung aus amerikanischer Gefangenschaft war er zunächst Mitarbeiter im Feuilleton der Kölner Zeitung. Bald gehörte er zu jenen Autoren, die sich nach Kriegsende zum Ziel setzten, für die nachkommende Generation die Schrecken jedes Krieges eindringlich und realistisch zu schildern. 1956 wurde Konsalik mit dem Roman Der Arzt von Stalingrad, der heute als einer der Klassiker der Weltkrieg-II-Literatur gilt, nahezu über Nacht berühmt. Seitdem schrieb er einen Bestseller nach dem anderen - insgesamt 155. Am 2. Oktober 1999 erlag er in seinem Salzburger Domizil einem Schlaganfall. Er ist aber noch heute unbestritten der national und international meistgelesene deutschsprachige Schriftsteller der Nachkriegszeit; seine Werke erreichten bisher eine Gesamtauflage von rund 88 Millionen Exemplaren; sie wurden in 46 Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 461
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783947022212
    Verlag: Edition Konsalik
    Serie: Heyne Bücher 72243
    Größe: 1096 kBytes
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Schicksal aus zweiter Hand

1

Das große Haus war hell erleuchtet.

Breit, flach und lang stand es am Ufer des Rheins, der träge durch die Ebene floss. Seine Fenster leuchteten über das Wasser hin, über die gepflegte Wiese, die Rosenrabatten, das kleine Schwimmbecken mit den hellgrünen Kacheln und dem kleinen Park, der seitlich hinunter bis zum Ufer ging und die großen Glasflächen gegen Westen abschirmte. An der Auffahrt zur höher gelegenen Uferstraße hin stauten sich einige dunkle Wagen, milchig beschienen von den zwei kühn geschwungenen, modernen Laternen, die den Eingang des Hauses zierten.

Im Inneren, in der großen Eingangshalle, standen ein paar Männer in hellen Sommeranzügen, rauchten, betrachteten die Gemälde an den hohen Wänden oder saßen in den tiefen Sitzschalen und lasen. Eine merkwürdige Stille lag über ihnen, eine Bedrückung, die so gar nicht zu dem Glanz passte, den dieses Haus ausstrahlte, eine Dumpfheit, die wie ein Unheil durch die erleuchteten Räume zog.

Durch die Halle, aus der Bibliothek des Hauses kommend, trat jetzt ein Mann in einem schwarzen Anzug, begleitet von einem anderen, dicken und jovial aussehenden Herrn, bei dessen Eintritt eine spürbare Spannung durch die Wartenden zog. Er blickte sich um und winkte ab, als einer der Lesenden sich erhob und die Zeitung zusammenfaltete.

»Bleiben Sie sitzen«, sagte er gedämpft, so, als könne seine normale Stimme jemanden stören. »Es ist noch nicht soweit. Er verlangt den Pfarrer.« Der schwarze Herr neben ihm sah sich um.

»Ich sage Ihnen Bescheid, wenn Sie kommen können.«

Kriminalrat Dr. Werner nickte. »Ich möchte ihn ganz gerne noch einmal sprechen.«

»Wenn es möglich ist, werde ich es so einrichten.«

Der Pfarrer ging durch die Halle, vorbei an den stummen, wartenden Männern und öffnete eine Tür im Hintergrund. Für einen kurzen Augenblick sah man gedämpftes Licht, einen hellblauen Teppich und die Kante eines hellen Bettes. Dann schloss sich die Tür, vorsichtig, leise, ganz langsam zugezogen.

Dr. Werner lehnte sich gegen die getäfelte Wand und überblickte die Schar der stillen Männer.

»Er spielt uns den letzten Streich«, sagte er leise. »Seit dreiundzwanzig Jahren jage ich ihm nach, seit dreiundzwanzig Jahren suche ich ihn. Er war schon ein Alpdruck für mich, so, als wenn ich ein Phantom fassen wollte. Und jetzt habe ich ihn ... und er rennt mir wieder davon. Und jetzt endgültig!« Er sah hinüber zu einem der Männer und winkte. »Haben Sie eine Zigarre bei sich, Schmitz?«

»Ja, Herr Kriminalrat.«

»Einen Fliegentöter?«

»Nee. Eine zu vierzig.«

»Ich lass' mich überraschen. Na, geben Sie mal den Stängel her.«

Kriminalwachtmeister Schmitz reichte seinem Vorgesetzten die Zigarre, die er aus der Brieftasche holte, was Dr. Werner kopfschüttelnd vermerkte.

»Sie werden nie ein Zigarrenraucher, Schmitz. In der Brieftasche! Eine Vierziger! Sie hätten sich bei Ihrem Gehalt längst eine Zigarrentasche leisten können.«

»Am nächsten Ersten, Herr Kriminalrat.« Wachtmeister Schmitz grinste. Er gab Dr. Werner Feuer und wartete darauf, was er sagte. Da Dr. Werner schwieg, meinte er vertraut: »Ist sie nicht gut, Herr Kriminalrat?!«

»Vierzig Pfennig?« Dr. Werner sah Schmitz abschätzend an. »Da hat man Sie übers Ohr gehauen, Schmitz, Sie lernen es nie -«

In dem Schlafzimmer am Ende der Halle saß der Pfarrer auf einem Hocker neben dem Bett. Die Vorhänge waren zugezogen, das Licht der Lampe war durch einen Schirm abgedämpft worden. Es roch im Raum nach Äther, süßlich, schwer, betäubend. Der Pfarrer schnupperte und sah den Mann an, der mit einem verzerrten Lächeln in den Kissen lag.

»Der Arzt«, sagte Frank Gerholdt. Seine Stimme war tief, klangvoll, eigentlich zu kräftig für die gedrückte Atmosphäre, die über dem hellen Haus am Rhein lag. »Er wollte mich retten! Was kennt er von Chiquaqua ...«

»Chiquaqua?«

»Ein südamerikanisches Gift. Die Iquitos-Ind

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