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Schlaraffenland von Reicho, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.02.2016
  • Verlag: Septime Verlag
eBook (ePUB)
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Schlaraffenland

"Wir wissen weder, was wir wollen, noch was wir haben, und alles, was wir haben, wollen wir nicht mehr." In einer Zeit, in der ganz Europa wirtschaftlich kollabiert und die Jugendarbeitslosigkeit rasant steigt, scheint die Indifferenz junger Menschen, denen alle Wege offenstehen und die dennoch unglücklich sind, geradezu paradox. Der Roman behandelt den Zeitgeist einer Generation, die Kindheit und Jugend in Übersättigung verbracht hat und nun zwischen Identitätsfrage, Versagensängsten und Beziehungsunfähigkeit hin und her springt. Alle Möglichkeiten sind zu viele Möglichkeiten und das Glück verbirgt sich hinter einer von Tausenden Türen. Lea, Adriano und Butler - drei Freunde auf der Suche, jeder auf seinem Weg, der weder klar erkennbar ist noch in eine Richtung weist. Sie wollen alles, und das sofort und möglichst gleichzeitig: Party, Karriere, Liebe. Dabei sind sie sich ihrer eigenen Bedürfnisse kaum bewusst. Die Frage nach der eigenen Identität und dem eigenen Lebensmodell spült sie durch ein wildes Szenario der Gefühlswelten, Abhängigkeiten und Perspektiven. Die Flucht vor der Realität führt schließlich zum emotionalen Supergau, der das fragile Konstrukt ihres Lebens und ihrer Verbindungen sprengt.

Christoph Reicho wurde 1984 in Graz geboren. Seit seinem Journalismus- und Kommunikationsstudium publiziert er als freier Autor und Redakteur in verschiedenen Zeitschriften und betreut laufend internationale Projekte im Bereich Kunst- und Kulturmanagement. Als Rapper und Singer/Songwriter "Calim" hat er seit 2005 mehrere Studioalben veröffentlicht und tourt mit seiner deutsch-italienischen Musik regelmäßig in Deutschland, Italien und Österreich. Der Sänger und Autor lebt, komponiert und schreibt in Wien, Rom, Orvieto und Berlin. Infos zu Christoph Reichos Musik unter www.calim.at

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 216
    Erscheinungsdatum: 15.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783903061262
    Verlag: Septime Verlag
    Größe: 2904 kBytes
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Schlaraffenland

Identitätshülle

Jacqueline Leaburg - das ist der Name, der in meinem Pass eingetragen ist. Wie der Stempel eines zur Schlachtung freigegebenen Jungschweines in der Massentierhaltung. Allein das Schreiben dieses Namens verursacht bei mir aggressive Gänsehaut. Wenn ich mir nur den Namensstempel wie einen Hautlappen aus dem Körper schneiden könnte.

Meine Freunde nennen mich Lea. Meine Familie nicht. Die ist auch kein Freund. In diese Menschenansammlung wurde ich hineingeboren. Und gleich beim ersten Babyschrei wurde mir meine Identität gestohlen und eine fremde, unerwünschte aufgezwungen: "Jacqueline!"

Wie ein junger Apfelbaum gesetzt und nun - Jahrzehnte später, tief verwurzelt - zur Identitätsernte bereit. Zwanzig Jahre Jacqueline-Investition. Hier kommt die Lea-Rechnung.

"Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm", so sagt man. Ich aber falle viel weiter und tiefer. Ich entbinde mich der Verantwortung, ein fremdes Leben zu führen - eines, das von meinen Eltern herangezüchtet wurde. Da hättet ihr euch schon einen charakterlosen Menschen ausbilden müssen, einen Ja-Sager, einen Mitschwimmer, einen Zweibeiner, der in die müffelnde Identitätshülle einer Eltern-Generation schlüpft. Nicht mit mir, nicht mit Lea! Selbst, wenn ich auf der Suche nach meinem wahren Ich alles verlieren sollte.

Sie blickt auf das Küchenmesser.

"Die Wurzeln zerschneiden."

"Bitte Ihren Namen und Ihre Kreditkartennummer."

"Ja, einen Moment. Ähm, Thompson, Lea Thompson wäre mal der Name ..." Sie kramt nach ihrer Geldbörse. "Und die Nummer ..." Der Rezeptionist lässt sich nichts anmerken, dennoch spürt sie seine Ungeduld. Endlich. Sie zieht die Karte aus dem Lederfach. "2687 ... und dann noch die 6725." Es schnauft am anderen Ende der Leitung. "Danke Frau Thompson! Nun bräuchte ich noch das Datum der Gültigkeit. Dann hätten wir es geschafft." Seinen gequälten Tonfall ignoriert sie und kramt erneut nach der bereits wieder in die Handtasche geworfenen Kreditkarte.

"Hallo?"

"Ja, Frau Thompson! Ich bin noch da und wäre Ihnen sehr verbunden, wenn wir Ihre Reservierung nun abschließen könnten!"

"Ja, natürlich. Also 03 18 steht da geschrieben."

"Ok. Das Zimmer ist für Sie reserviert und ab 15.00 Uhr beziehbar."

Es klingelt an der Wohnungstür. Oh, Shit, das hat sie ganz vergessen: Ihr Bruder kommt ja, um Fat Tom abzuholen. Sie hat ihm gesagt, dass sie ein paar Tage absolute Ruhe braucht. Fat Tom läuft grunzend und schnaufend zur Wohnungstür, sie hinterher, um ihn einzulassen.

Ihr Bruder sieht sie fragend an. "Verreist du?" Er zeigt auf den halb gefüllten Koffer beim Eingang des Schlafzimmers.

"Ja, ich hab mir gedacht, ich mach einen kleinen Ausflug aufs Land. Ein paar Tage weg vom Großstadtlärm."

"Und warum nimmst du dann nicht Fat Tom mit? Das würde ihm doch guttun. Ich kann mit ihm ja auch nur im Stadtpark ein paar Runden drehen!" Scheiße, darauf ist sie nicht vorbereitet gewesen. Eigentlich ist sie die Journalistin, doch auch ihr Bruder kann ungemütliche Fragen stellen. Sie hockt sich auf den Boden und streichelt die dicke, röchelnde Bulldogge.

"Ich weiß, aber ich arbeite da an einer neuen Story und brauche einfach etwas Ruhe."

"Etwa an dieser hier?" Er hält ihr ein paar Blätter Papier unter die Nase. "Generation der Problem... Den Rest kann ich nicht lesen!" Abrupt richtet sie sich auf und reißt die Blätter an sich. Der Stapel fällt zu Boden, hysterisch schreit sie ihn an: "Musst du immer in meinen Unterlagen herumwühlen? Das ist noch nicht fertig! Ich hasse es, wenn unfertige Texte gelesen werden. Jetzt nimm bitte endlich den Köter und hau hier ab!"

Genervt hebt er den Hund auf und fragt ungeduldig: "Wo ist die Leine?"

"Dort wo sie immer ist!", schallt es zurück.

Wie unglaublich dreist. Fuck you!

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