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Schlechte Manieren in bester Gesellschaft Roman von Notaro, Laurie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.04.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Schlechte Manieren in bester Gesellschaft

Gekonnt witzig erzählt, gewohnt chaotisch die Charaktere - der erste Roman der Bestsellerautorin Laurie Notaro Im hohen Alter von Anfang dreißig neue Leute kennenzulernen ist schwer. Erst recht, wenn man gerade in eine neue Stadt gezogen ist. Als Maye ihre Freunde in Phoenix zurücklässt, hätte sie jedoch nicht gedacht, wie schwer. Und weil sie die Kollegen ihres Mannes mit ihren unfreiwilligen Striptease-Einlagen leider ebenso wenig beeindrucken kann wie den städtischen Vegetarier-Club mit ihrer Vorliebe für saftige Steaks, sieht sie nur einen Ausweg: den Schönheitswettbewerb der ortsansässigen Abflussrohr-Fabrik. Die Gewinnerinnen zählen seit jeher zu den beliebtesten Mitbürgerinnen der Stadt. Das wär doch was, denkt Maye, und ahnt nicht, auf was sie sich da eingelassen hat ... Ein spritziger Roman über eine junge Frau, die in einer Kleinstadt neue Freunde sucht und dabei auch zu unkonventionellen Mitteln greift.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 382
    Erscheinungsdatum: 15.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838756028
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: There's a (Slight) Chance I Might be Going to Hell
    Größe: 1093 kBytes
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Schlechte Manieren in bester Gesellschaft

2. Kapitel

Dekowaffen

Spaulding, Washington, war wirklich ein sehr charmantes Städtchen.

Weder das an den Fuß der North-Cascade-Gebirgskette geschmiegte Städtchen selbst noch seine Umgebung hatten sich sehr verändert, seit vor etwa einem Jahrhundert Malcolm Spaulding, Visionär und Botschafter des Spülklosetts, beschloss, das schönste Fleckchen Erde weit und breit sein Zuhause zu nennen und ebenda eine Fabrik für Abwasserleitungen zu errichten.

Er fand sein Utopia in einem Urwald aus imposanten Fichten, zarten, üppig wuchernden Farnen, der, wie er immer wieder gerne betonte, mit derart fruchtbarer Erde gesegnet war, dass man darin sogar die Liebe selbst anbauen könnte. Obwohl er kaum genug zum Leben hatte, war er doch ein unerträglicher Romantiker, und so schwor Malcolm Spaulding Stein und Bein, vom Fuß jenes Gebirges habe man an klaren Tagen einen Blick bis zum Pazifik. Im Sommer war es warm und sonnig genug, dass die Tomaten bis in den Herbst hinein reiften, und im Winter legte sich ein sanfter Nieselregen über den Wald und versorgte ihn mit der wichtigsten Zutat, die er brauchte, um weiterhin ein Zauberwald zu bleiben.

Alles in Spaulding wuchs und gedieh, ganz besonders die Abwasserrohrfabrik. Spaulding, Washington, war nicht bloß ein nettes Fleckchen, nein, sein einziger Exportartikel war auch der Grund dafür, dass die Menschen keinen Pisspott mehr unter dem Bett verstecken mussten. Und so leistete die Stadt bei jedem Mal, wenn irgendwo mit lautem Gurgeln eine Toilettenspülung betätigt wurde, ihren bescheidenen Beitrag dazu, die Welt ein wenig angenehmer zu gestalten.

Spaulding war sichtlich stolz darauf, der gesamten, dankbaren Nation die Zivilisation gebracht zu haben.

Die Stadt wuchs, je mehr die Spauldinger Abwasserleitungsfabrik gedieh, und bald gab es nicht nur einen Laden und eine mit kleinen Häuschen gesäumte Straße, sondern auch eine Schule. So sehr ihn der Abtransport menschlicher Fäkalien auch faszinieren mochte, so wusste Malcolm Spaulding doch nur zu gut, dass eine Stadt nicht allein von dieser Goldgrube leben konnte. Und als er sah, wie sehr die Schule das ohnehin schon entzückende Städtchen aufgewertet hatte – die Buchstabierwettbewerbe, zu denen sich die ganze Stadt zusammenfand, die Weihnachtsfeier und die Tanzveranstaltungen –, konnte er einfach nicht anders: Er entschloss sich, ein gutes, solides, wenn auch kleines College zu gründen, das natürlich, wie sollte es anders sein, den schönen Namen "Polytechnische Lehranstalt für Abwasserleitungswesen" trug.

Die Bewohner von Spaulding wussten es zu schätzen, dass ihr Städtchen so klein war, um in nur sieben Minuten überallhin zu kommen, aber doch groß genug, um bei delikaten Angelegenheiten wie der Liebe oder Fortpflanzung nicht auf Mitglieder der eigenen weitläufigen Verwandtschaft zurückgreifen zu müssen. Die Bewohner mochten ihr Städtchen. Für sie war die Welt in Spaulding nicht nur in Ordnung, sie war perfekt. Die Luft war rein und stets vom Duft frischen Brotes aus den unzähligen Bäckereien geschwängert, und an einem warmen, aber nicht zu heißen Sommertag verbreitete eine leichte Brise gelegentlich den Geruch der in den Gärten wachsenden Zwiebeln.

Die Bewohner von Spaulding waren außergewöhnlich angetan von ihrer Stadt und der Fabrik, der der Ort seine Existenz verdankte und die rasch zum größten Abwasserrohrhersteller des Landes geworden war, nachdem sie sämtliche Klosettspülungsbedürfnisse der amerikanischen Bürger über zwei Weltkriege und den ersten Mondspaziergang hinweg befriedigt hatte. (Es sei bloß eine Frage der Zeit, prophezeite Malcolm Spaulding, bis sein Abwasserleitungswer

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