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Schlechte Tochter Roman von Lévy, Justine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.08.2014
  • Verlag: Verlag Antje Kunstmann
eBook (ePUB)
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Schlechte Tochter

Louise ist schwanger, eine Überraschung, ein Glück. Doch beinahe gleichzeitig erfährt sie, dass ihre Mutter im Sterben liegt. Die schöne, von allen bewunderte Frau, die man sich hinfällig, hilfsbedürftig kaum vorstellen kann. Die ferne Mutter, die sie als Kind im Stich gelassen hat. Louise möchte ihr gerne nahe sein, für sie sorgen, sich mit ihr zusammen auf das Kind freuen. Und traut sich doch kaum, ihr von der Schwangerschaft zu erzählen. Wird die Mutter sich nicht zurückgesetzt, verraten fühlen? Louise wird sie, als gute Tochter, bis zum Tod begleiten, ihre Launen und Ängste ertragen, den körperlichen Verfall. Und hofft doch noch vieles zu klären aus der verpatzten Kindheit, endlich das Gefühl loszuwerden, nie wirklich wahrgenommen, geliebt worden zu sein. Wie kann man selbst eine gute Mutter werden, wenn die eigene versagt hat? Seine Tochter so lieben, wie man als Kind nie geliebt wurde? Wieso hat man noch als Erwachsene das Gefühl, an allem selbst schuld und als Tochter nie gut genug zu sein? Mit ihrer rückhaltlos offenen Beschreibung einer komplexen Mutter-Tochter-Beziehung ist Justine Lévy ein tief berührender Roman gelungen; mit ihrem ganz eigenen Stil voll tragikomischer Verve hat sie sich als große Schriftstellerin behauptet. Justine Lévy ist Schriftstellerin und Verlagslektorin. Die Tochter des französischen Philosophen und Starpublizisten Bernard-Henri Lévy und des Models Isabelle Doutreluigne lebt mit ihrer Familie in Paris. Mit ihrem Roman "Nicht so tragisch" (Kunstmann Verlag 2005) über das Verlassenwerden, der in Frankreich als Schlüsselroman gelesen wurde, hat sie auch in Deutschland Kritik und Publikum überzeugt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 15.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956140105
    Verlag: Verlag Antje Kunstmann
    Größe: 571 kBytes
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Schlechte Tochter

3

IN ROISSY BEZAHLE ICH DAS TAXI. Das ist dein Geburtstag, du gibst keinen Cent aus, habe ich gesagt, mir ist nicht ganz wohl, aber das gehört zur Überraschung. Sonst ist er immer dagegen, aber jetzt geht es, er amüsiert sich darüber, er pfeift I'm just a gigolo , der Taxifahrer zwinkert ihm im Rückspiegel zu, Sie sind mir einer! Am Flugschalter wird es kritisch. Erst sagt man uns, dass der Flug Verspätung hat. Und dann, dass wir auf der Warteliste stehen. Warteliste? Was habe ich da wieder gemacht? Wie konnte ich so blöd sein? Ich weine. Meine Überraschung ist verdorben. Zum Glück nimmt Pablo die Sache in die Hand. Er hat begriffen, dass wir nach Rom fahren. Er hat den Ahnungslosen gespielt, er wollte mir eine Freude machen und so tun, als hätte er es nicht begriffen, aber er hat es natürlich begriffen.

Das mit Rom ist nämlich eine lange Geschichte zwischen uns. Er war noch nie da. Ich schon. Aber ich wollte nie, dass wir zusammen hinfahren. Ich habe zu viele Erinnerungen daran, hässliche Bilder, und ich habe in einem anderen Leben beschlossen, dass ich die Stadt nie wieder betreten würde. Und mein Papst?, fragte mich Pablo manchmal verzweifelt. Was ist mit deinem Papst? Wenn uns mein Papst eines Tages zur Audienz empfängt, müssen wir doch annehmen und hinfahren! Ich sagte, okay, ich wusste, dass bei seinem Papst die Chance nicht so groß war. Papst oder nicht, jetzt stehen wir auf der Warteliste, ich bin am Boden, ich sinke auf meiner Bank in mich zusammen, und Pablo regt sich am Schalter auf, schimpft, droht, Prozess, Presse, Boykottkampagne, Versager, Lügner, Idiot, Arschloch, Saftladen, Pleite. Ich bin gar nicht mehr sicher, ob ich überhaupt fliegen will. Ich dachte, ich könnte Mama und ihrer Krankheit entkommen. Ich wollte der Traurigkeit entkommen, sie sollte bei Mama im Krankenhaus bleiben. Sie ist im Krankenhaus geblieben. Aber das Schuldgefühl ist im gestreckten Galopp zurückgekommen, es hat die von der Warteliste geschlagene Bresche ausgenutzt und sich hineingestürzt, mir tut der Kopf weh und das Herz.

Endlich steigen wir ein. Aber im Hotel ist es noch schlimmer. Ich hatte die Adresse vom Kumpel eines Kumpels von Mama, der mir versicherte, es sei super - das hätte mich misstrauisch machen müssen. Gehen Sie spazieren, sagt die Dame an der Rezeption, das Zimmer ist nagelneu, es ist noch nicht ganz fertig, wir müssen noch ein paar Sachen in Ordnung bringen, Sie können Ihr Gepäck dalassen. Wir lassen unser Gepäck da. Wir kommen wieder. Das Zimmer ist immer noch nicht ganz fertig. Aber in Wirklichkeit ist es ein Zimmer, das noch nie benutzt wurde und das noch lange nicht fertig ist, es gibt keinen Duschkopf und keine Vorhänge, an der Decke hängt eine nackte Glühbirne, und es riecht nach Farbe. Aber es ist groß, sagt Pablo und geht wie ein Eigentümer in eine Richtung und dann in die andere, als würde es dadurch noch größer. Es ist sauber, fügt er hinzu. Und außerdem werden wir die Ersten sein, die sich darin lieben, und die Ersten, die sich darin küssen. Darüber muss ich lachen. Du bist die Erste, die in diesem Zimmer lacht, fährt er fort und küsst mich.

Das Tolle an Pablo ist, dass er immer positiv ist, sagt Papa oft. Ich denke an Papa, der Pablo schrecklich gern hat. Ich denke an Papa, der mir von Freunden erzählt hat, die er in Rom kannte, als ich geboren wurde, und mit denen er erbittert diskutierte, damit sie keine Terroristen würden. Ich denke an Ulderico P., den Freund, den er nicht daran hindern konnte, bewaffnete Überfälle durchzuführen und einen Geldfälscherring aufzuziehen, er musste aus Italien fliehen und versteckte sich in Frankreich, und weil er eine feste Anstellung brauchte, wurde er mein Babysitter.

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