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Schnee ist auch nur hübschgemachtes Wasser von Heldt, Dora (eBook)

  • Erschienen: 13.10.2017
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Schnee ist auch nur hübschgemachtes Wasser

"Wo geht's denn hier zum Schnee?"

Dora Heldt nimmt uns mit in ihre Winterwelt und erzählt in heiterem Ton, warum Ela jetzt Manu heißt, am 23. Dezember manchmal ein hässlicher Hund gesucht werden muss und warum kleine dickliche Jungen im Engelskostüm gar nicht unbedingt süß sind. Herrliche Geschichten rund um die Zeit des Schneematsches, der Glühweinstände und auch der ersten Frühlingsgefühle – das "Must-have" für Dora Heldt-Fans. Und alle, die es werden wollen.

Dora Heldt, 1961 auf Sylt geboren, ist gelernte Buchhändlerin und lebt heute in Hamburg. Mit ihren Romanen führt sie seit Jahren die Bestsellerlisten an, die Bücher werden regelmäßig verfilmt.

Produktinformationen

    Größe: 705kBytes
    Herausgeber: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Untertitel: Wintergeschichten
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 128
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783423432757
    Erschienen: 13.10.2017
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Schnee ist auch nur hübschgemachtes Wasser

Josefines Sehnsucht
nach Schnee

U nd jetzt zum Wetter und Verkehr."

Josefine öffnete ein Auge und wartete gespannt.

"Auch heute erwartet uns wieder ein sonniger Tag mit nur vereinzelten Wolkenfeldern. Höchsttemperaturen von 17 bis 20 Grad, die Tiefsttemperaturen nachts bei milden 12 Grad."

Sie stöhnte leise. Die muntere Stimme der Radiomoderatorin fuhr fort: "Das ist wirklich ein wunderbarer Altweibersommer und das Beste ist, dass sich dieses Hochdruckgebiet auch noch die nächsten Tage hält. Und jetzt zu den Verkehrsnachrichten ..."

Josefine streckte sich, um das Radio auszuschalten. Dann setzte sie sich mühsam auf und blickte auf das gerahmte Foto, das auf ihrem Nachttisch stand. "Guten Morgen, mein Schatz."

Herbert war schon seit zwanzig Jahren tot, trotzdem galten ihr erster und ihr letzter Satz jeden Tag ihm. Ihrem Mann, mit dem sie fast fünfzig Jahre verheiratet gewesen war. Und der nur sechs Wochen vor ihrer goldenen Hochzeit beim Rasenmähen gestorben war. Mit 75 . Eine denkbar blöde Art, sich um das Fest zu drücken, dachte Josefine heute. Herbert hatte Feiern immer gehasst, im Gegensatz zu ihr, aber deswegen fiel man doch nicht einfach so um. Nur, weil ihre zahlreichen Bekannten Wert auf ein großes Fest zur goldenen Hochzeit legten. Und Josefine das damals durchgesetzt hatte. Gegen Hermanns Willen. "Dann kommen sie alle angerannt, in schrecklichen Kleidern, trinken und essen auf unsere Kosten, gehen nicht nach Hause und bringen schreckliche Geschenke mit", hatte er gesagt. "Es wird furchtbar."

Er hatte recht behalten. Es war furchtbar gewesen. Weil Josefine statt der roten Rosen dann weiße Lilien bestellt und im selben Gasthof, in dem die goldene Hochzeit stattfinden sollte, die Trauerfeier ausgerichtet hatte. Tatsächlich kamen alle angerannt, sie hatten zwar keine Geschenke dabei, aber es wurde auf Josefines Kosten sehr viel gegessen und noch mehr getrunken. Statt schrecklicher Kleider war die Garderobe aber einheitlich, alle trugen schwarz. Es war lange her.

Langsam schob sie ihre Beine aus dem Bett und wartete einen Moment, bevor sie aufstand. Es ging alles nicht mehr gut. Das Leben war mühsam geworden und langsam mochte sie auch nicht mehr. Aber jetzt musste sie sich ins Bad quälen, sich waschen, kämmen und anziehen, weil heute Jens kam. Der Enkel ihrer verstorbenen Schwester Margarete. Sie wäre vermutlich geplatzt vor Stolz auf diesen hübschen jungen Mann. Aber so hatte sie ihn gar nicht mehr erlebt. Margarete war gestorben, als Jens fünfzehn war. Heute war er zweiunddreißig und kam einmal in der Woche zum Frühstück, brachte ihr die schweren Einkäufe, erzählte lustige Geschichten und aß mindestens drei Brötchen. Josefine fand es nur bedauerlich, dass er allein lebte. Er hätte die Richtige noch nicht gefunden, sagte er jedes Mal, wenn sie ihn fragte. Dabei würde Josefine so gern noch erleben, dass Jens ihr seine Liebe vorstellte. Aber so viel Zeit blieb ihr nicht mehr, ihre Kräfte ließen immer schneller nach. Und es reichte auch langsam. Er müsste sich einfach mal beeilen, sonst wäre sie nicht mehr da.

Jens stellte seine Tasse ab und sah sie forschend an. "Was ist, Josefine? Du gefällst mir heute gar nicht."

"Das muss auch nicht sein", sie sah ihn an. "Das bringt nämlich nichts." Ächzend zog sie sich an der Stuhllehne hoch und schlurfte zur Küchenzeile, auf der die Thermoskanne stand. "Ich bin 92 . Der Altersunterschied ist einfach zu groß."

Sie lächelte ihn mühsam an, als sie wieder auf ihrem Platz saß, etwas besorgt lächelte er zurück. "Geht es dir nicht gut? Hast du Schmerzen?"

Josefine schüttelte den Kopf. "Nicht mehr als sonst. Mach dir keine Sorgen."

Sie sah ihm an, dass er ihr nicht glaubte. Er machte sich ständig Sorgen um sie. Der Junge war einfach zu weich. Seine nächste Frage k

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