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Schreibaffären von Schmid-Spreer, Ursula (eBook)

  • Verlag: art & words - Verlag für Kunst und Literatur
eBook (ePUB)
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Schreibaffären

Sie wollten schon immer einmal wissen, wie und wo Autoren ihre Inspiration erhalten? Man nehme eine Portion Frühlingserwachen, eine Pistole oder einen Kommunikator und schon gibt es eine Fehlbesetzung am Richard-Wagner-Platz. Ein berühmter Detektiv beschäftigt sich mit rauchenden Adlern, mancher Poet verfällt in einen Goldrausch oder klärt Morde literarisch auf. Schuldig ist nie der Autor - er ist unfehlbar und genial! Droht dennoch eine Schreibblockade, können Sie als Leser diese lösen. Aber keine Angst: Alles nur ein Spiel! Mit den Nürnberger Autoren Leonhard F. Seidl, Florian Sußner, Josef Rauch, Michael Kress, Ursula Schmid-Spreer sowie Anne Hassel, Kerstin Lange, Simone Jöst, Alex Conrad, Dolores Pieschke, Gerald Kaliwoda, Paul Pfeffer, Volkmar Kuhnle, Maike Frie, Doris Preusche, Gabriela Bley, Sonja Birkhofer-Hoffmann, Petra Scheuermann, Ella Daelken, Anna Banfhile, Klaus Köllisch, Jennifer Mürmann, Jürgen Edelmeyer, Elisabeth Gerber, Katrin Langmuth, Roy Francis Ley, Ludwig Dippold, Dirk Mühlinghaus, Günter Wirtz, Claudia Luz, Elisa Knoener, Olga Baumfels, Claudia Luz, Andreas Kaminski, Anja Rechenberg, Brigitte Vollenberg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 177
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783943140286
    Verlag: art & words - Verlag für Kunst und Literatur
    Größe: 23267 kBytes
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Schreibaffären

Paul Pfeffer
Frühlingslyrik

Friedhelm Brasch liegt vor der Stufe zum Essplatz auf dem Rücken. Die Augen sind geschlossen, die Arme über der Brust verschränkt. Ein friedliches Bild, das nur durch das Knäuel aus Papier, das aus seinem Mund quillt, gestört wird. Um den Toten herum liegen einige bedruckte DIN-A4-Seiten. Kommissar Schrader hebt eine davon auf und wendet sich an Hauptkommissar Fink.

"Hör dir das an: ‚Der Frühling naht, die Knospen sprießen, wir lassen die Gefühle schießen.' So was braucht doch kein Mensch."

"Die literarische Qualität von dem, was Brasch geschrieben hat, ist für uns ohne Bedeutung."

"Für mich nicht", brummt Schrader, "ich mag nämlich Gedichte."

"Das habe ich gar nicht gewusst."

"Du weißt eben auch nicht alles. Aber gerade, weil ich Gedichte mag, habe ich die Machwerke von Brasch nicht ausstehen können. In den Wochenendbeilagen aller Zeitungen im Umkreis von hundert Kilometern um Nürnberg waren sie drin."

"Na und?"

Schrader machte ein Gesicht, als habe er gerade in eine Zitrone gebissen. "Frühlingsgedichte, immer nur Frühlingsgedichte. Er machte ja auch nichts anderes."

"Wie bitte?"

"Friedhelm Brasch war der Spezialist für Frühlingslyrik. Egal, ob er über die Natur, die Gesellschaft, die Liebe oder sonst was schrieb, seine Gedichte waren praktisch immer Frühlingsgedichte. In literarischen Kreisen wurde er auch Knospen-Brasch genannt."

"Nicht besonders schmeichelhaft."

"Nein, Dichter untereinander können ziemlich giftig sein. Eifersüchteleien, Neid, Konkurrenz, diese Sachen. Und Brasch wurde beneidet, er hatte im Unterschied zu den anderen die allerbesten Kontakte zur Presse, quasi ein Monopol."

"Woher weißt du denn das?"

Schrader wirkt plötzlich verlegen, schaut an Fink vorbei.

"Ich schreibe selbst Gedichte und habe versucht, mal einige bei den ‚Nürnberger Nachrichten' und anderswo unterzubringen. Aber Brasch hatte schon überall den Fuß in der Tür."

Fink, dem sonst nichts so leicht die Sprache verschlagen kann, starrt seinen Assistenten überrascht an. Der schaut trotzig zurück.

"Ja, ich schreibe Gedichte, na und?"

"Ich bin geplättet", sagt Fink und grinst.

Schrader will sich gerade aufregen, da stellt sich Fink dicht neben die Leiche: "Hast du dir das Ganze schon einmal genauer angeschaut? Das sieht verdammt nach einem Arrangement aus."

"Ja", stimmt Schrader zu, immer noch erbost, "da könntest du ausnahmsweise mal recht haben."

Fink beugt sich zum Kopf des Toten hinunter und zieht die Luft durch die Nase ein. "Brasch stinkt nach Alkohol."

In diesem Moment betritt eine schmale, schwarz gekleidete Frau das Zimmer. "Frau Brasch", wendet sich Fink an die Frau, "hatte Ihr Mann eigentlich Feinde?"

Vera Brasch schaut ihn ein paar Sekunden lang an.

"Nicht mehr, als unter Künstlern üblich."

Sie wendet sich zum Gehen, da schaltet sich Schrader ein:

"Und Gottfried Kunze?"

Die Schwarzgekleidete bleibt abrupt stehen und dreht sich um.

"Wie kommen Sie auf Gottfried Kunze?"

"Ich interessiere mich für die Nürnberger Literaturszene. Bin öfter mal im Literaturhaus in der Luitpoldstraße. Was für ein Verhältnis hatte Ihr Mann zu Kunze, Frau Brasch?"

"Gottfried ... Herr Kunze war für meinen Mann das,

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