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Schrippenblues Roman von Wolff, Moses (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2014
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Schrippenblues

'Die kommt eh nach a paar Wochen wieder. Was will die denn mit am Berliner? Allein die ganzen Verrückten in der Großstadt hält die doch ned aus.' Doch so einfach ist es leider nicht ... Als sein geliebtes Tinerl nach Berlin abhaut - noch dazu mit einem nikolausbärtigen Schlumpfmützenträger - sieht der Wildbach Toni keine andere Möglichkeit, als ihr hinterherzureisen, um sie schleunigst zurück in die Berge zu holen. So nimmt er den nächstbesten Zug und stürzt sich mitten hinein ins urbane Abenteuer. Aber ein echter Bergmensch hat es im Großstadtdschungel gar nicht so leicht ...

Moses Wolff, geb. 1969 in München, ist Autor, Schauspieler und Kabarettist. Er schreibt regelmäßig für das Satiremagazin Titanic und ist Mitveranstalter der erfolgreichen Münchner Lesebühne "Schwabinger Schaumschläger". Moses Wolff wohnt in der Isarvorstadt in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 15.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641093082
    Verlag: Goldmann
    Größe: 874kBytes
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Schrippenblues

riaßeich! Herzlich willkommen auf dem Berg! Ich geh davon aus, dass es mittlerweile alle begriffen haben und inzwischen jeder schon mal auf einem Berg war. All denen, denen der Berg neu ist, soll gesagt sein: Es gibt Regeln, an die man sich halten sollte, damit einem nichts passieren kann. Allerdings gilt dieser Grundsatz überall, auch in einer Großstadt, wie ich kürzlich erfahren musste.

Wir wohnen in einer hinreißenden Berggegend, ziemlich weit oben. Neulich saß ich vor meiner Hütte und ließ mich vom Blick auf die davorliegende Wiese unterhalten, wo das Gras ungemäht, und, obgleich mit Wildblumen übersät, unverblümt im Winde weht. Einzelne weiße Steine haben in vollster Harmonie ihren Platz zwischen den Halmen. Meine Hütte ist eine kleine, freilich aber gemütliche Behausung, versehen mit nur wenigen Einrichtungsgegenständen, dafür allerdings einigen religiösen Kunstwerken, allen voran eine geschnitzte Statue des heiligen Joseph, den ich seit jeher aufrichtig verehre und bewundere. Ein gemütliches Holzbett findet sich ebenfalls in meiner Behausung, außerdem ein blankgehobelter Tisch, verfertigt aus Fichtenholz, zwei Stühle, eine Flasche Schnaps und ein Kartenspiel, fertig! Mehr braucht man nicht in einem Eigenheim für das wahre Glück der Seele, solang man den himmlischen Mächten darin Wohnung zu geben bereit ist.

Hinter meiner Hütte steigt die Bergwiese steil an bis zum Rand der Wälder, über denen sich Berge und Himmel eindrucksvoll zu erheben wissen. Die Berggipfel sind gern mit Schneehauben bedeckt, im Hochsommer jedoch selten. Sie strahlen zu jeder Jahreszeit eine große majestätische Erhabenheit aus, die viele Menschen zu Recht ehrfürchtig erstarren lässt; doch sobald man ihnen Vertrauen entgegenbringt, dann, ja dann, vermögen sie jenen, die ihr Herz nicht verschließen, allerlei Weisheit, Inspiration und Freude zu schenken.

An manchen Stellen sind die Berge etwas abgewetzt, das liegt größtenteils an leichtfertigen, schlecht informierten "Bergsteigern" aus Großstädten wie zum Beispiel Berlin, die aus Unachtsamkeit hinabgestürzt und dabei an der Felswand entlanggeschrammt sind. Doch wie man bei uns sagt: "Mit Schwund muss man rechnen!"

Berlin. In meiner Vorstellung wird man in einer solchen Stadt wahnsinnig bei all der Reizüberflutung und den vielen Menschen, von denen jeder täglich darum kämpfen muss, nicht unterzugehen und seine Individualität zu wahren. Dass ich dort einmal hingeraten würde, hätte ich mir niemals vorstellen können. Wozu auch? Nun ja, der Verlauf der Geschichte wird es erklären ...

An diesem Tag also, als ich auf der kleinen Bank vor meiner Hütte saß und auf die Wiese vor mir blickte, kam plötzlich ein Maulwurf zu Besuch, und ich sah ihm eine gute halbe Stunde dabei zu, wie er bald hier, bald dort ein hübsches Erdhügelchen auf die Wiese zauberte. Es entspannt mich immer enorm, anderen bei der Arbeit zuzusehen. Maulwürfe sind sehr zahme Tiere mit uraltem Wissen. Leider sehen sie nicht gut, beziehungsweise eigentlich überhaupt nicht, weil sie ja immer unter der Erde hausen. Daher können sie sich manchmal auch nicht gescheit wehren, wenn böse Kreaturen ihnen Übles zufügen wollen. Bei uns aber werden Maulwürfe (wie übrigens alle Tiere) gut behandelt und geschätzt.

Dieses blinde Kerlchen jedenfalls kam aus einem frisch gebuddelten Hügel heraus und reckte sein spitzes Näslein in die Höhe. Die feinen Barthaare glänzten im Sonnenlicht. Er schien etwas erschnuppert zu haben und krabbelte daraufhin leicht umständlich nach oben ins Freie. Dort streckte er sich erstmal, wie sich Mensc

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