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Schule der Lügen Roman von Fleischhauer, Wolfram (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.01.2015
  • Verlag: Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Schule der Lügen

Eine kühle Februarnacht des Jahres 1926: In der Berliner "Eldorado"-Bar hält Edgar von Rabov plötzlich einen Zettel in der Hand, den ihm eine exotische Schönheit zugesteckt hat.Sie will ihn treffen. Er geht darauf ein und verfällt ihr schon bald. Doch was will sie von ihm? Als die junge Halbinderin plötzlich spurlos verschwindet, zögert er nicht, ihr bis nach Madras zu folgen ... Der Bestsellerautor Wolfram Fleischhauer schrieb eine hochaktuelle Geschichte über die erste Esoterikwelle in Europa und zeigt, wie der Versuch, die aufgeklärte Welt wieder zu verzaubern, seinen Beitrag zu ihrer politischen Verhexung leistete.

Wolfram Fleischhauer, geboren 1961 in Karlsruhe, studierte Literatur in Deutschland, Frankreich, Spanien und an der University of California Irvine. Für seine Tätigkeit als Konferenzdolmetscher pendelt er zwischen Brüssel und Berlin. Wolfram Fleischhauer gehört zu den wenigen deutschen Autoren, die als Erzähler auch internationales Ansehen genießen. Zuletzt veröffentlichte er die Romane "Schule der Lügen" und "Der gestohlene Abend".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 528
    Erscheinungsdatum: 19.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827078162
    Verlag: Berlin Verlag
    Größe: 622kBytes
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Schule der Lügen

1.

Sie war ihm sofort aufgefallen.

Sie sah aus wie eine Filmschönheit. Vielleicht eines der vielen ausländischen Tanzmädchen, die in Babelsberg in monumentalen Streifen die exotischen Kulissen zu füllen hatten.

"Hübsch, die Kleine", bemerkte Daniel, der neben ihm stand und seinem Blick gefolgt war.

Edgar zog die Augenbrauen hoch. Hübsch? Nein. Bildschön war sie. "Was meinst du, wo sie herkommt?" fragte er.

Daniel zuckte mit den Schultern, drehte sich der Bar zu und machte dem Kellner ein Zeichen, daß er die Rechnung wünschte.

"Möglichkeiten gibt's genug", bemerkte er dann auf seine typische leicht spöttische Art. "Kommt darauf an, wer der Glatzkopf ist, den sie dabeihat."

Edgar schaute aus dem Augenwinkel zum Tisch der beiden hinüber. Die Frau hatte sich ihrem Begleiter zugewandt, der mindestens doppelt so alt war wie sie. Er war sehr gut gekleidet, wahrscheinlich ein wohlhabender Ausländer mit Devisen.

"Sicher ein Diplomat", riet Daniel. "Die haben immer so hübsche junge Dinger im Schlepptau."

Edgar spürte, daß die Frau ihn schon wieder anschaute. Schwierige Sache. War sie die Frau von diesem Glatzkopf? Oder seine Geliebte? Vielleicht war sie überhaupt keine Frau, wie einige der Anwesenden hier. Schließlich war das Eldorado ein Treffpunkt für Angehörige des sogenannten dritten Geschlechts. Aber üblicherweise begann der Zirkus mit den Transvestiten erst gegen Mitternacht.

Daniel legte einige Münzen auf den Tisch.

"Du willst wirklich schon los?" fragte Edgar mit bekümmerter Miene. "Was gibt's denn heute?"

"Irgendwas von diesem Toller. Ich schreibe den Verriß nachher im Café Braun. Willst du später noch vorbeikommen?"

Daniel und seine Verrisse. Dabei war er viel gnädiger als die meisten anderen Kritiker. Immerhin blieb er stets bis zum Schluß.

"Aber ich sehe ja, du bist beschäftigt", sagte Daniel grinsend. "Der Alte sieht kräftig aus, also sei lieber vorsichtig."

"Ich muß auch gleich weg", erwiderte Edgar, ohne auf den Spott einzugehen. "Robert holt mich ab."

"Dein Vetter? Dieser Widerling. Gehst du immer noch mit ihm aus?"

"Familie, Daniel. Familie. Was soll ich denn machen. Außerdem ist er nicht so schlimm, wie er sich gibt. Harte Schale, weicher Kern."

"Ein brauner Kern."

"Ach, das ist jetzt Mode. Robert hat es schwer."

Daniels Gesichtsausdruck hatte sich merklich verfinstert.

"Nun, ich will ihm lieber nicht begegnen. Ich muß los. Sehen wir uns morgen?"

"Sicher. Spaziergang am See. Wie wär's?"

"Mal sehen. Rufst du an?"

Sie umarmten sich kurz. Während Daniel aufbrach, nutzte Edgar die Gelegenheit und erhaschte wieder einen Blick auf die unbekannte Schöne. Es war wirklich erstaunlich. Sie sprach zwar mit dem Glatzkopf, schaute aber schon wieder zu ihm herüber. Edgar beobachtete die anderen Gäste. Natürlich war er nicht der einzige Mann, der sie verstohlen musterte. Aber immerhin war er es, dem sie bisweilen einen Blick zuwarf. Nun ja, das mußte nichts bedeuten. Wahrscheinlich hatte sie ihn für ihr gelegentliches Aufblicken ausgewählt, um sich nicht jedesmal einem halben Dutzend interessierter Männeraugen aussetzen zu müssen. Sie schaute nicht ihn an, sondern durch ihn hindurch an allen anderen Männern vorbei.

Edgar sah auf die Uhr und dann zur Tür. Früher hatte sich Robert überhaupt nicht für ihn interessiert. Das hatte sich erst geändert, als Edgar ihm vor ein paar Monaten bei einem langweiligen Frühstück in einer Grunewalder Bankiersvilla von seinen nächtlichen Streifzügen durch das verruchte Berlin erzählt hatte. "Abartig", hatte Robert nur erwidert, jedoch ein paar Tage später darum gebeten, einmal durch diese entartete Welt geführt zu werden. Seither waren sie ein paarmal zusammen unterwegs gewesen. Heute sollte es wieder passieren. Daß Robert zu spät kam, war jedoch ungewöhnlich. Er haßte Unpünktlichkeit. Slawen und Juden s

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