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Schwarzer Flieder von Kaiser-Mühlecker, Reinhard (eBook)

  • Erschienen: 14.02.2014
  • Verlag: Hoffmann und Campe
eBook (ePUB)
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Schwarzer Flieder

Liebe als Illusion, Heimat als Zufluchtsort, den das Schicksals zerstört. Ferdinand Goldberger hat den Hof seiner Familie verlassen und ist nach Wien gegangen, aber das erhoffte Liebesglück erweist sich als Illusion.. Bei einem Besuch auf dem Hof bemerkt er den wachsenden Zwist zwischen seinem Onkel Thomas und dessen Neffen Leonard, ein Hass, der immer destruktiver wird. Er geht nach Bolivien, auf den Spuren seines Vaters, der in Südamerika nur den Tod gefunden hatte. Als er sich gerade in der Fremde eingerichtet hat, wird er zurückgerufen: Thomas hat Leonhard erschlagen. Ferdinand übernimmt den Hof mit dem Plan, ihn zu zerstören, nichts übrig zu lassen von dem, was seine Familie ausgelöscht hat ... Mit großer Konsequenz und einem beinahe alttestamentarischen Erzählduktus schreibt Reinhard Kaiser-Mühlecker das Epos der Familie Goldberger weiter.

Reinhard Kaiser-Mühlecker wurde 1982 in Kirchdorf an der Krems, Oberösterreich, geboren. 2008 debütierte er mit dem Roman Der lange Gang über die Stationen . Es folgten die Romane Magdalenaberg (2009), Wiedersehen in Fiumicino (2011), Roter Flieder (2012) und zuletzt Schwarzer Flieder (2014). Seine Arbeit wurde u. a. mit dem Jürgen-Ponto-Literaturpreis, dem Kunstpreis Berlin und dem Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Größe: 947kBytes
    Reihe (Teil): Literatur-Literatur
    Herausgeber: Hoffmann und Campe
    Untertitel: Roman.
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 240
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    ISBN: 9783455812435
    Erschienen: 14.02.2014
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Schwarzer Flieder

7
"Ah, Goldberger, da sind Sie ja!", rief Steiner ihm entgegen.
"Guten Tag, Herr Doktor", sagte Ferdinand.
"Wie oft muss ich Sie noch bitten, den Doktor wegzulassen?", lachte Steiner. Er schüttelte Ferdinand die Hand. "Unter Kollegen ... Aber was ist mit Ihnen? Sie sehen schlecht aus! Ist alles in Ordnung?"
"Schlecht? Nein, es ist alles in Ordnung."
"Das ist gut. Kommen Sie mit, ich möchte mit Ihnen sprechen. Sie haben doch ein paar Minuten?"
"Ja", murmelte Ferdinand und ging hinter Steiner her, der das prächtige Wetter – "eigentlich ein Jagdwetter" – lobte, in einen leeren Sitzungssaal.
"Bitte", sagte Steiner und zeigte auf einen der Stühle, "setzen Sie sich doch." Er machte selbst Anstalten, sich zu setzen, ging aber schließlich mit am Rücken verschränkten Armen auf und ab, und manchmal knarzte der Boden unter seinen Füßen. Ferdinand schlug die Beine übereinander und wartete. Er war froh um diesen Moment, der Gehen und Bewegungslosigkeit vereinte und ihn zu sich kommen ließ. Er konnte nun noch einmal durch Susannes Wohnung gehen, sie noch einmal ansehen, noch einmal sein Gesicht in ihr Haar drücken und noch einmal über die feinen Narben an ihrem Arm streichen, bis sie nicht mehr zusammenzuckte. Er wusste jetzt, weshalb Susannes Schwester ihn mit Boshaftigkeit oder Verachtung behandelt hatte. War es nicht merkwürdig, sogar verrückt? Susanne schnitt sich die Arme auf, als hätte er sie verlassen und nicht umgekehrt, vielleicht hatte sie es so erzählt, und man – zumindest die Schwester – gab Ferdinand die Schuld für das Ende. So musste es sein, dachte Ferdinand, und da bemerkte er, wie auch er sich die Schuld an allem gab. Warum hatte er sie damals einfach gehen lassen?
"Auch das gefällt mir an Ihnen", hörte er Steiner sagen, und er versuchte zu lächeln. "Also, was sagen Sie?"
Ferdinand begriff, dass er nicht zugehört hatte. "Wie", sagte er zögernd, "wie wäre denn das genaue Prozedere?"
"Prozedere?" Steiner lachte. "Kein Prozedere! Sie könnten sogar Ihr Büro behalten, wenn Sie wollen."
"Ja", sagte Ferdinand, ohne zu verstehen, "das würde ich gerne behalten."
"Sie hätten mehr Zeit, sich auf Ihr Kerngebiet zu konzentrieren. Für das Administrative haben wir eigene Leute. Es würde sich wenig für Sie ändern, wie gesagt. Nur wir beide hätten mehr miteinander zu tun ..."
Ferdinand verstand, dass Steiner ihm anbot, in seine Abteilung zu wechseln.
"Wir beide?"
"Ja. Außer, Ihnen ist das nicht recht. Ich wäre Ihr Vorgesetzter, aber, bitte, nur auf dem Papier. Wollen Sie es sich überlegen?"
"Ja", antwortete Ferdinand, "ich überlege es mir. Danke für das Angebot, Herr Doktor ..."
Ferdinand ging in sein Büro. Es war Zufall, dass ihm gerade an diesem Tag ein Stapel mit zu überprüfenden Rechnungen und Belegen auf den Platz gelegt worden war, und nachdem er ihn durchgesehen hatte, blieb er eine halbe Stunde unbeweglich davor sitzen. Dann rief er Frauner an und sagte, er könne die Abrechnungen nicht kontrollieren, man solle sie jemand anderem zuteilen, denn er wechsle in Anselm Steiners Abteilung.
Frauner lachte zuerst und sagte, er verstehe, Ferdinand müsse das auch nicht machen, er gebe sie einfach jemand anderem. Aber als er keine Antwort bekam, begann er zu fürchten, dass Ferdinand nicht gescherzt hatte, und er versuchte, ihn zu

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