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Schweigen ist nicht immer Gold von Becker, Alexander (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
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Schweigen ist nicht immer Gold

Familiengeheimnisse prägen Rosmarie seit ihrer Kindheit, die sie in der damaligen DDR bei den Großeltern verbrachte, denn ihre Mutter floh in den Westen und hatte sie zurückgelassen. Warum musste sie in Leipzig groß werden und dann im Teenageralter bei ihrer bis dahin völlig unbekannten Mutter im Westen? Außerdem plagt sie die Ungewissheit über ihren Vater, und dass sie von niemandem in der gesamten Familie etwas erfahren konnte über die Geschehnisse in ihrem Zeugungsjahr 1946, kurz vor der Vertreibung aus Südschlesien durch die Polen. Eines Tages bekommt sie die Lebenserinnerungen ihres Großvaters in die Hände und vertieft sich in seine sehr präzisen Aufzeichnungen, die von seiner Geburt im Jahre 1872 bis zu der unglückseligen Vertreibung aus der schlesischen Heimat und über den Neuanfang in Leipzig berichten. Doch sie erfährt daraus nichts, was ihre eigene Geschichte betrifft und so forscht sie weiter. Später, gemeinsam mit ihrem Ehemann, besuchen sie die Heimat der Großeltern im heutigen Polen und finden nach und nach immer mehr Puzzleteile, die auf eine Familientragödie hinweisen. Alexander Becker, geb. am 2.12.1947 in Bad Homburg Wohnort: 37127 Niemetal

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 202
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783750478879
    Verlag: Books on Demand
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Schweigen ist nicht immer Gold

4. Kapitel

I m Zug herrscht fürchterliches Gedränge. Dank der Platzkarten können sie sich bald in ihr Abteil zurückziehen. Sie verstauen die Koffer und Taschen im Gepäcknetz und machen es sich, soweit es möglich ist, bequem. Schon bald hört man das unmissverständliche laute Schnaufen der altertümlichen Dampflok und ganz langsam setzt sich der Zug in Bewegung und verlässt den imposanten großen Leipziger Hauptbahnhof, immer schneller werdend. Großvater Konstantin sieht gedankenverloren aus dem Fenster, den dahineilenden Häusern nach.

Rosmarie beobachtet ihn dabei, ohne dass er es bemerkt.

Was er wohl denkt? fragt sie sich.

Ich kann mir vorstellen, wie schwer es für ihn ist, schon wieder eine vertraute Umgebung aufzugeben und in eine für ihn fremde neue Welt und in eine ungewisse Zukunft zu reisen.

Armer alter Mann. Wie mag ihm wohl zumute sein?

Dabei bewundert sie, wie sie es früher oft tat, seinen imposanten, silbrig-weiß glänzenden Schnurrbart, den er an den Enden immer mit ein wenig Fett einreibt, damit er besser nach oben steht.

Doch auch sie plagen Sorgen.

Was wird mich denn in Hannover erwarten?

Wie werden sie dort auf unsere Ankunft reagieren?

Rechnen sie überhaupt damit, dass ich ihn mitbringe oder haben sie die Hoffnung gehabt, dass es mir gelingen würde, ihn in einem Altersheim in Leipzig unterzubringen?

Was mache ich, wenn sie sich aus der Verantwortung stehlen und mir die Schuld geben und mich im Regen stehen lassen?

Ihre Hoffnungen ruhen ganz gewiss nicht auf ihrer Mutter. Sie hatte sie in den letzten Jahren ganz gut kennen gelernt, denn immer, wenn es schwierig wird, hält sie sich aus allem raus und schiebt es auf andere ab. Einzig zu ihrer Tante Anita, die sie ebenso an ihre Großmutter erinnert, hat sie einen richtig guten Draht und deshalb glaubt sie, wenn ihr jemand beistehen wird, dann kann es eigentlich nur sie sein. Sicher, ihr Mann ist nicht gerade einfach, aber auch kein Unmensch. Schließlich hatte er ja auch damals zugestimmt, als ihre Mutter Obdach benötigte und sie in deren Haus vorübergehend aufgenommen. Ja, auch sie selbst wohnte zeitweise dort und hatte keine allzu großen Probleme mit ihm. Diese Überlegungen machen ihr ein wenig Mut und sie schaut etwas optimistischer in die Zukunft.

"Opa", reißt Rosmarie ihn aus seinen Gedanken, "wie sieht's aus. Hättest du Appetit auf eine Schnitte? Ich habe auch Kaffee in der Thermosflasche dabei, hier im Korb."

Immer noch leicht geistesabwesend schaut er seine Enkelin an und nickt zustimmend.

Nachdem sie sich etwas gestärkt haben, überlegt Rosmarie, diese Bahnfahrt zu nutzen, ein paar Dinge zu klären, die sie schon seit all den Jahren sehr beschäftigt haben. Bestimmt ist hier die beste und vielleicht sogar einzige Gelegenheit, mit ihrem Großvater unter vier Augen zu sprechen.

Doch, das war einfacher gedacht als getan.

Womit fange ich nur an?

So wie ich ihn kenne, ist es wohl am besten, gleich direkt zur Sache zu kommen. Ihr Großvater ist schon immer ein Mensch der klaren und ehrlichen Worte. Er liebt es überhaupt nicht, wenn hintenherum und nur mit Andeutungen oder gar über Gerüchte gesprochen wird.

Also bringt sie all ihren Mut auf, will gerade das vertrauliche Gespräch mit ihm suchen, da geht mit lautem Getöse die Kabinentür auf und eine Familie mit drei Kindern stürzt herein. Geräuschvoll verstauen sie ihre Koffer und Taschen im Gepäcknetz und nehmen nach einigen Diskussionen ihre Plätze ein, die Kleinste auf dem Schoß der Mutter.

So ein Mist, denkt Rosmarie verärgert, und ich habe gehofft, hier im Abteil alleine sein zu können. Und dann auch noch "Wessis", die, wie ja allgemein bekannt ist, nicht gerade den Ruf haben diskret und leise zu sein. Und ihre Kinder haben sie erst recht nicht im Griff. Bei diesem Gedanken muss sie innerlich über sich selbst ein wenig schmunzeln. Sie den

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