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Schweigende Zeugen Kurzgeschichten-Sammlung von Canis, Adrian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.09.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Schweigende Zeugen

Was wäre, wenn Häuser, Burgen und Anwesen sprechen könnten? Sie hätten viel zu berichten. Hinter Mauern und auf Grundstücken spielen sich tagtäglich Geschichten von Liebe und Tod, Glück und Leid, Freundschaft und Verrat ab. Manch verborgenes Ereignis wird in dieser Sammlung von Erzählungen enthüllt. So findet beispielsweise in einem Keller eine erzwungene Pokerrunde statt, ein Dachboden dient als letzter Rückzugsort, in einem Kinderzimmer tappt ein Serienmörder in die Falle, ein Badezimmer beherbergt eine merkwürdige Verstopfung und in einem Speisezimmer versammelt sich die Familie zu einem hinterhältigen Dinner. In Schweigende Zeugen erwarten Sie 30 Kurzgeschichten aus verschiedenen Genres, oft mit unerwarteten Wendungen und einem überraschenden Ende. Ob humorvoll, gruselig, kriminell oder paranormal - für jeden Geschmack ist etwas dabei und spannende Unterhaltung garantiert. Adrian Canis, geboren 1973 in München, studierte dort Biologie und arbeitete seither in verschiedenen Positionen in der biomedizinischen Forschung und Entwicklung. Aufgaben und Forschungsprojekte führten ihn unter anderem in die USA, nach Asien, Saudi-Arabien und in die Regenwälder Süd- und Mittelamerikas. Am Schreiben von Romanen und Kurzgeschichten fasziniert ihn besonders die Möglichkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien in fiktive Geschichten einzubetten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 19.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741259586
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 3817 kBytes
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Schweigende Zeugen

Verstopfung

D er Installateur stand vor der aufgestemmten Wand und schüttelte den Kopf. "Ihre Rohre sind völlig marode. Das kann man nicht mehr reparieren, sowas muss man komplett erneuern, sage ich Ihnen."

"Bleirohre?", fragte Richard und sah ratlos in das Loch in der Mauer.

"Bleirohre? Wenn es nur das wäre! Als dieses Haus gebaut wurde, waren Bleirohre wahrscheinlich noch nicht einmal erfunden." Der Installateur grinste. "Und Bleirohre gibt's seit den alten Römern."

Richard verzog das Gesicht. "Sehr komisch. Sie haben sich gerade um Ihr Trinkgeld gebracht. Und ob Sie den Auftrag bekommen, muss ich mir noch überlegen."

"Was für einen Auftrag? Wollen Sie das etwa alles erneuen?" Der Installateur begann, seine Werkzeugkiste einzuräumen. "Keine zehn Pferde bringen mich dazu, so ein Projekt anzugehen. Da ist man Monate beschäftigt und ständig passiert irgendwas Unvorhersehbares und macht doppelt und dreifach Arbeit."

Der Mann griff nach seiner Kiste und klopfte Richard auf die Schulter. "Viel Glück mit dem Haus. Ich musste den Teil der Rohre, die dieses Bad versorgen, absperren. Anders war das nicht dicht zu bekommen. Sie haben ja noch ein Bad im Erdgeschoss und eines im zweiten Stockwerk. Halten Sie mich bitte aus der Renovierung heraus. Wenn Sie mich fragen, dann reißen Sie das Haus besser ab. Es bricht Ihnen demnächst ohnehin unter dem Hintern zusammen."

Richard starrte aus dem Bad in den Hof. Er sah dem Handwerker hinterher, wie er in den Wagen stieg und davonfuhr.

Er rieb sich die Schläfen. Verdammter Mist!

Seit vier Generationen war Oakrich Manor nun im Besitz seiner Familie, und ausgerechnet er musste dafür verantwortlich sein, wenn es einer grundlegenden Sanierung bedurfte.

Das wäre eigentlich die Aufgabe seines Vaters gewesen, fand Richard. Aber der hatte die 15 Jahre nach dem Tod von Richards Mutter damit verbracht, in der Welt herumzureisen. Bergsteigen in Nepal, Wüstenrallyes, Dschungeltouren und was sonst noch.

Niemand wusste, was der alte David Oakrich während seiner Abenteuer suchte. Risiko? Anerkennung? Oder vielleicht nur den Tod? Den hatte er schließlich gefunden. Von seiner dritten Reise nach Kolumbien kam er todkrank zurück und starb schließlich nach drei Tagen auf Oakrich Manor. Er hatte davor bereits während zweier Reisen fast ein ganzes Jahr im kolumbianischen Dschungel verbracht, war aber immer gesund und munter zurückgekehrt. Richard hatte danach Witze darüber gerissen, dass sein Vater dort wohl für ein Drogenkartell arbeitete. David Oakrich hatte immer abgewunken. Zu wenig lukrativ und zu wenig Spaß, hatte er gesagt.

Spaß hatte der Alte sicher gehabt. Beim Verplempern des Familienvermögens. Das Geld hätte er auch in ihr Anwesen stecken können. Stecken müssen, fand Richard.

Aber er konnte es nicht ändern. Dann musste er das eben in die Hand nehmen. Damit seine beiden Jungs später einmal den Sitz der Familie genauso genießen konnten wie Generationen vor ihnen. Das gebot ihm seine Ehre als Oakrich.

Richard ging hinunter ins Erdgeschoss. "Sarah?"

"Hier bin ich, Darling", rief Sarah aus dem Wohnzimmer.

"Ich fahre in die Stadt. Es wird etwas länger dauern, weil ich auf der Bank einige unserer Investments zu Geld machen muss. Wir müssen das Haus sanieren."

"So schlimm?", seufzte Sarah.

"Schlimmer! Und weder will noch kann oder darf ich Oakrich Manor verkaufen oder abreißen lassen. Wenn wir jetzt nichts unternehmen, wird es unser ganzes Vermögen auffressen."

"Na gut, Schatz, du weißt sicher, was du tust." Sie küsste ihn liebevoll und strich ihm durchs Haar.

Drei Stunden später kam Richard von seinem Termin bei der Bank zurück. Er parkte den Wagen in der Einfahrt und schlich sich ins Haus.

Er horchte, wo sich Sarah befand und ob seine beiden Söhne bereits aus der Schule nach Hause gekommen waren. Da er glaubte, Sarah

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