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Schwester Monika Ein erotischer Roman. Erläuterungen und Nachwort von Hansjürgen Blinn von Anonym (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
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Schwester Monika

Der anonym erschienene Roman 'Schwester Monika' zählt zu den herausragenden Erotica der deutschen Literatur. Lange wurde er dem Romantiker E. T. A. Hoffmann zugeschrieben, aber die Argumente überzeugten nicht. Viel wahrscheinlicher ist es, dass er von einem Vertreter der Spätaufklärung verfasst wurde. Offen über Sexualität zu sprechen bzw. zu schreiben, war zur Zeit seines Erscheinens nicht möglich. Der Verfasser tut es, schließt Flagellantismus und Missbrauch durch Geistliche mit ein. Ehebruch ist an der Tagesordnung, freie Liebe das Thema - lange vor dem Vormärz und seinem Plädoyer für die 'Emanzipation des Fleisches'. Über den Autor des erotischen Romans 'Schwester Monika' ist nichts bekannt. Frühe Versuche, ihn dem Romantiker E. T. A. Hoffmann zuzuschreiben, überzeugten nicht

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 159
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783742789549
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 727 kBytes
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Schwester Monika

II

Schwester Monika fährt fort zu erzählen. Ohne Falcks Helden und Menschen in Anschlag zu bringen, sprechen unsere Helden und Menschen sich immer deutlicher aus.

Ich habe euch unsere Ankunft in Teschen erzählt; hört nun weiter!

Wir fuhren bei unserer Tante vor. Ich hatte diese Tante noch nicht gesehen. Sie hatte so etwas Strenges im Gesicht, dass sie gegen das immer freundliche Antlitz meiner Mutter aussah wie drei Tage Regenwetter nach einer schönen Frühlingssonne von vier Wochen.

"Ei, schon so groß, so hübsch gewachsen, ma nièce!26", fing sie gegen mich an.

"O ja, gewachsen ist sie", fiel meine Mutter ein, "aber" - hier sagte sie Tante etwas ins Ohr - "die Kenntnis ihrer Natur erstreckt sich schon bis an die Wendezirkel, und da - ihr Herr Zuchtmeister - hat schon Physik mit ihr studiert."

"Est-il possible!"27, schrie die Tante und legte ihre Hände ineinander.

Gervasius wurde feuerrot, ich schlug die Augen nieder, errötete gleichfalls, und Linchen spielte an ihrer Busenschleife.

"Ich wünschte, Schwester", fing meine Mutter an, nachdem sie sich an der Verlegenheit von uns dreien geweidet hatte, "dich allein zu sprechen. Willst du nicht so gut sein, diesem Herrn da und meinem Mädchen ihre Zimmer anzuweisen, ich werde diesmal etwas lange bei dir hausen und vieles Geld bei dir lassen."

"Sogleich, Schwester, sollst du bedient werden", versetzte jene, schellte, gab dem eintretenden Bedienten ihre Befehle, und Gervasius und Linchen verließen mit ihm das Zimmer.

"Stell dir vor, Schwester", fing jetzt meine Mutter an, "mein Malchen glaubt steif und fest, aus lauter Lust zusammengesetzt zu sein, und die wenigen Begriffe, die ich ihr vom Schmerz gegeben habe, haben durchaus keine bleibenden Eindrücke je noch auf ihr zurückgelassen."

"Ei, Ei, mon enfant", versetzte die Tante, "das ist nicht gut! In der Welt wohnt die Lust auf dem Dache bei den Sperlingen, die fliegen davon, wenn es ihnen zu wohl ist; aber der Schmerz liegt wie ein Kettenhund im Hof und muss beständig entweder beißen oder bellen."

"Ich will Malchen hierlassen", fuhr meine Mutter fort, "weißt du nicht in der Nähe ein Institut für Mädchen ihrer Art, so eines, wo die Lust Ferien hat und die Unlust den Tag und die Nacht herumtreibt?"

"Hm, Schwester, wir tun sie zu Madame Chaudelüze, dort lernt sie alles, was verdrießlich macht, und hat dabei nicht einmal Muße, sich darüber zu beklagen."

Wie ich die beiden so reden hörte, wurde mir angst und wehe, ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten.

"Ei, wer wird weinen, mon enfant", tröstete die Base, "hast du nicht gelesen, was der Apostel Paulus alles gelitten hat, und das war doch ein Heiliger, und du bist eine unzeitige Geburt schnöder Lüste? - Ma soeur."

"Wenn du willst, so wollen wir die Kleine gleich fortschaffen?"

Ich fiel bei diesen gewitterschwangeren Worten meiner Mutter zu Füßen; aber da war keine Barmherzigkeit, so wenig wie auf dem Gesicht der Tante zu finden.

"Ich bin es zufrieden, Jettchen", erwiderte die Mutter und befahl mir aufzustehen.

Weinend gehorchte ich, und die beiden satanischen Weiber nahmen mich zwischen sich und schleppten mich zum Wagen, der noch vor der Tür stand, und nun fuhren wir wieder zu der Stadt hinaus nach einem kleinen Landgute zu, das meine Tante der Mutter in einer ziemlichen Entfernung von Teschens Weichbild zeigte und dessen edle Simplizität, als wir näher kamen, mich sehr eingenommen haben würde, wenn die Verfassung, in der ich, gleichsam aufgelöst wie ein Embryo in Branntwein, mich befand, mir erlaubt hätte, mehr als einen Blick auf die mich umgebenden Gegenstände zu werfen.

Eine große, schöne Frau empfing uns, als wir vorgefahren waren, an der Haustür und führte uns nach einigen gegenseitigen Begrüßungen in einen Salon, wo ein halbes Dutzend junger Mädchen sich mit Sticken und Zeichnen beschäftigte.

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