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Schwiegertöchter von Trollope, Joanna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.04.2011
  • Verlag: Bloomsbury
eBook (ePUB)
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Schwiegertöchter

Rachel liebt ihre drei Söhne über alles. Aber drei Söhne bedeuten auch drei Schwiegertöchter, und die haben nicht immer dieselben Vorstellungen von Familienglück wie sie: Sigrid, die Frau von Edward reist mit ihrer Tochter ohne Vorankündigung eine zeitlang in ihre schwedische Heimat. Petra weigert sich, das Haus an der Nordseeküste aufzugeben, weil sie sich ein Familienleben in London, wo Ralph einen neuen Job hat, nicht vorstellen kann. Und Charlotte ist empört, weil sie sich von ihrer Schwiegermutter bevormundet fühlt. Droht die Großfamilie auseinander zu brechen oder halten die drei Söhne den polarisierenden Kräften stand? Joanna Trollope schreibt seit dreißig Jahren Romane, die in Großbritannien regelmäßig an der Spitze der Bestsellerlisten stehen und von denen einige verfilmt wurden. Sie lebt in London und Gloucestershire.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 02.04.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827074768
    Verlag: Bloomsbury
    Originaltitel: Daughters-in-Law
    Größe: 857 kBytes
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Schwiegertöchter

Kapitel 2

In Anthonys Kindheit war das Gebäude, das jetzt sein Atelier war, eine verfallene Scheune gewesen, die als Abstellraum für den Rasenmäher und verschiedene ausrangierte halblandwirtschaftliche Maschinen gedient hatte. Es war ein düsterer, staubiger Schuppen gewesen, auf dessen morschen Balken waghalsige Schleiereulen nisteten, und im Sommer kreuzten dort Schwärme von Fledermäusen und Mauerseglern wild durch die Dämmerung. Anthonys Eltern nannten ihn nur die Rumpelkammer. Jedes Jahr verlor das durchhängende Dach ein paar weitere riesige Schieferplatten und das Gebäude sackte immer tiefer und krummer in die Erde, so dass die Türen nicht mehr in die Rahmen passten und die von Spinnweben überzogenen Scheiben aus den kleinen Fenstern in die Brennnesseln darunter fielen.

Es war Rachels Idee gewesen, die Scheune zu retten und daraus ein Atelier zu machen, Rachel, die aus dem bergigen Teil von Wales kam und der das flache Suffolk tiefstes Unbehagen bereitete, ebenso wie die - vielleicht noch schlimmere - Aussicht, in das Haus zu ziehen, in dem ihr Verlobter aufgewachsen war.

"Mein Gott, das müsstest du mal sehen", hatte sie zu ihrer Schwester gesagt. "Ich meine, es ist ein reizendes Haus, aber sie leben dort seit Menschengedenken. Alles ist heilig, alles. Anthony findet alles perfekt."

Rachels Schwester schlug sich mit ihrem Mann, einem engagierten Lehrer in einem Londoner Problemviertel, in einer Sozialwohnung durch, deren Eingangstür noch immer zersplittert war, seit mal jemand reingetreten hatte. Sie wollte nichts hören von riesigen, wenn auch verfallenen Suffolk-Häusern, die einem geschenkt wurden - geschenkt -, egal, wie viel lästiger Familienballast daran hing.

"Ich glaube, du hast verdammtes Glück, Rach."

"Na ja. Es ist ein Glück, nichts kaufen zu müssen. Aber es ist kein Glück, eine vermodernde alte Bude zu erben, die man, bitte schön, verehren soll und nicht etwa renovieren."

"Quatsch", sagte Rachels Schwester.

"Was ist Quatsch?"

"Natürlich kannst du es renovieren. Es ist jetzt dein Zuhause, oder nicht? Gib Anthony seinen Teil und mach ihm klar, dass du auf den Rest dasselbe Recht hast, wie seine Mutter es hatte oder seine Großmutter oder Urgroßmutter oder sonst wer."

"Was meinst du mit seinem Teil?"

Rachels Schwester seufzte. Sie versuchte, nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass der Aquamarin an Rachels Verlobungsring die Größe eines Kaubonbons hatte. "Ach, du weißt schon. Dieses Scheunending. Ein eigenes kleines Reich, wo Männer hingehen und herumwerkeln und Sachen basteln, die nicht funktionieren, so dass sie sie wieder auseinandernehmen müssen. Zeichnet Anthony nicht?"

"Er zeichnet sogar ziemlich gut", sagte Rachel stolz.

"Na bitte", antwortete ihre Schwester. "Schaff ihm einen Ort, wo er zeichnen kann. Ich wünschte, Frank würde zeichnen. Ich wünschte, Frank würde zeichnen oder Käfer sammeln oder einem Fahrradclub angehören. Ich wünschte, Frank würde irgendetwas machen, irgendetwas anderes als zu denken, es sei seine Aufgabe, jedes straffällige Kind in Dalston und Hackney zu retten."

"Man könnte ein Atelier daraus machen", sagte Rachel einige Tage später zu Anthony.

"Woraus?"

"Aus der Rumpelkammer."

"Aber es ist immer die Rumpelkammer gewesen."

"Na ja", sagte Rachel und blinzelte hoch in den weiten ostenglischen Himmel, "dann wird sie es künftig nicht mehr sein."

Anthony sah gekränkt aus.

"Mum und Dad haben sie so immer gemocht."

Rachel blickte weiter nach oben.

"Mum und Dad sind jetzt im Himmel, Anthony."

"Sie haben nicht an den Himmel geglaubt. Sie haben nicht an Übernatürliches geglaubt. Sie glaubten an die überragende Bedeutung des menschlichen Geistes. So wie ich. Sie waren Pragmatiker."

"Die Rumpelkammer ist nicht pragmatisch", sagte Rachel. "Sie ist eine zusammenbrech

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