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Serenade im Mondschein von Baxter, Lily (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.10.2016
  • Verlag: beHEARTBEAT
eBook (ePUB)
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Serenade im Mondschein

Der Krämerladen ihres Vaters war bislang der einzige Lebensinhalt von Ginnie Travis. Als die Bedrohung durch den Krieg immer grösser, flieht Ginnie gemeinsam mit ihrer Schwester zu ihrer Tante in den Norden Englands. Dort - mitten im Nirgendwo - trifft sie auf den amerikanischen Soldaten Nick und verliebt sich unsterblich in ihn. Doch Nick hütet ein dunkles Geheimnis und Ginnie muss eine folgenschwere Entscheidung treffen-

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 470
    Erscheinungsdatum: 04.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732518777
    Verlag: beHEARTBEAT
    Größe: 1987 kBytes
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Serenade im Mondschein

Ost-London, Juni 1944
Erstes Kapitel

E s war immer ein Wagnis, bei Fliegeralarm den Luftschutzraum zu verlassen. Dennoch hatte Ginnie sich hinausgewagt. Allen Protesten ihres Vaters zum Trotz war ihr Grund genug gewesen, dass Porzellanladen-Fred einen seiner Anfälle erlitten hatte. Sie war also in das kleine Büro hinter dem väterlichen Möbelgeschäft gelaufen und wollte gerade einen angesichts der Rationierungen großzügig bemessenen Löffel Zucker in eine Teetasse geben, da hörte sie es: das gefürchtete Knattern der Flügelbombe. Das charakteristische Motorengeräusch brachte die Tasse dazu, auf der Untertasse zu klappern, und unter Ginnies Füßen vibrierte der Boden.

Dann setzte das Motorengeräusch aus. In der tödlichen Stille, die folgte, hielt Ginnie den Atem an, fünfzehn Sekunden blieben bis zum Einschlag. Sie schloss die Augen und betete, die Bombe möge Felder oder Brachland treffen, irgendetwas, nur nicht die dicht besiedelten Vorstadtstraßen. Doch die Explosion war zu nah, und Ginnie spürte, wie die Druckwelle der Detonation die Grundfesten des Hauses erschütterte. Putz platzte in ganzen Stücken von der Decke, und die Luft war voller Staub. Mit zitternden Händen griff Ginnie nach Tasse und Untertasse. Heute waren sie alle hier davongekommen, aber irgendwo hatte es jemanden erwischt.

Die Sirene heulte monoton Entwarnung, als Ginnie hinaus auf den Hinterhof trat. Mit hochrotem Kopf und außer sich vor Zorn kam ihr Vater aus dem Luftschutzraum.

"Du dummes Ding, wolltest du dich umbringen?", schimpfte er.

"Mir ist nichts passiert, Dad. Wie geht es Fred?"

Ihr Vater schüttelte den Kopf. "Er wird's überleben. Aber du hättest tot sein können, begraben unter Trümmern, wenn es uns getroffen hätte." Er umarmte sie unbeholfen. "Bring dem armen Kerl seinen Tee. Ich schaue drinnen nach, ob was kaputtgegangen ist."

Sidney Travis, Möbelhändler und besorgter Vater, nein, zuerst besorgter Vater, dann Möbelhändler, hastete ins Haus. Ginnie hörte, wie er vor sich hin schimpfte und die Deutschen verfluchte. Sie blieb auf dem Hinterhof stehen und musterte besorgt die umstehenden Häuser. Erleichtert seufzte sie, als nach eingehender Begutachtung offensichtlich war: Die Ladenzeile in der Collier Lane hatte kaum etwas von der Druckwelle abbekommen. Die zweckmäßigen Betonkästen stammten aus Vorkriegszeiten; im Erdgeschoss befanden sich die Ladenlokale, darüber Wohnungen, und auf der Rückseite gab es eine funktionale, aber triste Zufahrtsstraße für Warenanlieferungen. In den Plänen des Architekten hatte das Konzept vermutlich modern gewirkt, vielleicht sogar einen gewissen Stil besessen. Aber die Collier Lane befand sich in einem der ärmeren Vororte Ostlondons, zwischen kleineren Fabriken und eintönigen Reihenhäusern aus der Zeit Edwards VII. Architektonische Utopien verkamen in einer solchen Umgebung rasant zu schäbigen Ansammlungen von Glas- und Betongebäuden. Jetzt waren zudem die meisten Scheiben kreuzweise mit Kreppband verklebt, und überall waren Sandsäcke aufgetürmt, nur Ginnies Vater weigerte sich standhaft, sein Schaufenster zu vernageln. Das sei schlecht fürs Geschäft, erklärte er, und Hitler und seine Luftwaffe könnten ihm mal den Buckel herunterrutschen.

Ginnie wusste, dass sie diesmal Glück gehabt hatten. Sie hatten überlebt, während andere, Gebete hin oder her, dort, wo die Bombe eingeschlagen war, ums Leben gekommen sein dürften. Ginnie eilte in den Schutzraum und rümpfte die Nase, als ihr der durchdringende Geruch von verschwitzten Körpern entgegenschlug. Porzellanladen-Fred saß immer noch auf der Holzbank, blass und verstört. Sie reichte ihm den Tee. "Ich hoffe, er ist Ihnen süß genug."

Er antwortete mit einem unsicheren Lächeln. "Danke, mein Kind."

Ginnie blickte besorgt zur anderen Insassin des Schutzraums. Ida Richmond wohnte in einer Wohnung über dem Laden und tat, was in ihren Augen erste Hilfe war: Sie gab beruhigende La

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