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Serenus I Roman Teil Eins von Mann, Raya (eBook)

  • Verlag: epubli
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Serenus I

Serenus, Erzähler und Hauptfigur, ist ein moderner Don Giovanni. Er liebt den Körper der Frauen und ist getrieben von seiner Gier nach der Lust, die er ihnen schenkt - und sie ihm. Die Frauen, in deren Körper und Seele er eindringt, sind dem Mann nicht mehr wehrlos ausgeliefert wie bei Mozart, sondern sie wehren sich. Meistens sind sie es, die ihn voller Leid zurücklassen. In seinem echten Leben gab es die eine wahre Liebe, doch Serenus sparte sie in seiner Chronik aus. Raya Mann ergänzte sie mit ihren beiden eigenen Romanen 'Agnes betet' und 'Die eine wahre Liebe'. Die Autorin ist die eine wahre Liebe von Serenus und die Herausgeberin seiner Erzählung. Die drei Romane schildern die Lebensgeschichte eines Verführers, der am Ende leer ausgeht. Das Lektorat besorgte Nina Eisen. -

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 100
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783748519829
    Verlag: epubli
    Größe: 385 kBytes
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Serenus I

Laura 1984

Serenus wollte den Sommer über in Italien bleiben und erst an Weihnachten nach Hause zurückkehren. Er war richtig stolz auf seinen Plan. Nach der Abschlussfeier würde die ganze Klasse für eine Woche nach Venedig reisen. Er hatte sich Informationen über Saisonstellen im Tourismus beschafft und einen Ferienjob ergattert. Er würde vier volle Monate in einer neu eröffneten Club-Hotel-Anlage in der Maremma verbringen und danach ein paar Wochen durch Italien reisen. Vielleicht würde er sogar nach Rom fahren.

Der Bruder hatte für seine tausendseitige Dissertation in lateinischer Sprache ein Stipendium vom Ignatius-von-Loyola-Förderungswerk bekommen, das mit einer zweijährigen Post-Doc-Stelle an der Universität des Vatikans verbunden war. Serenus war unentschlossen, ob er sich das wirklich antun wollte. Er sah den Bruder inmitten von Jesuiten und Mitgliedern des Opus Dei. Er fand das alles so verdreht, dass sich die sexuelle Orientierung des Bruders daneben wie ein Spleen ausnahm. War der Vatikan nicht viel mehr als ein Vorwand? In Wirklichkeit erschien ihm ein Abstecher nach Rom unvermeidlich, weil Rosanna, mit verweinten Augen und mit blauem Topas im Ohr, vor zwei Jahren dort gelandet war. Konnte eine Reise dorthin anders enden als in einer Sackgasse? Es blieb ihm ja noch so viel Zeit, es sich anders zu überlegen. Jetzt war zuerst Venedig an der Reihe und danach die Toskana.

Italien betörte ihn vom ersten Tag an. Dieses Land war der Schoss, aus dem Rosanna entsprungen war. Hier traf er sie an jeder Ecke an. Er hörte sie im Geschwätz, im Gelächter, im Geschrei, er erkannte sie in den Gebärden und in den Gefälligkeiten. An allen Frauen entdeckte er etwas Kleines, das ihm bekannt vorkam, ohne jedoch ihrer Doppelgängerin zu begegnen.

Schon als er nach der Ankunft den Bahnhof verließ und die zwölf Stufen auf den Vorplatz hinabstieg, verliebte er sich auf der Stelle in diese Stadt. "Venedig sehen und mit ihr versinken", dachte er. Die Klassenkameraden teilten sich nach ihren Interessen bald in Grüppchen auf. Serenus kümmerte sich um die Ausstellungen und fand immer jemanden, der ihn begleitete. Das kulturelle Programm jenes Sommers war ein Glücksfall.

In einem mächtigen alten Palast sah er die gigantischen Schwarzweißbilder von nackten Frauen mit halblangen Haaren, sportlichen Körpern und festen Brüsten. Helmut Newton hatte sie im Stehen und Gehen fotografiert.

Er verbrachte einen ganzen Tag in einer Ausstellung, die mit akribischem Eifer die Baugeschichte Venedigs wiedergab. Er sah, wie die Laguneninseln gepfählt worden waren und so den Fundamenten Halt gaben, wie die Grundmauern das Wasser abhielten und wie die Keller entwässert wurden. Er betrachtete Pläne von alten Fassaden und herrschaftlichen Wohnräumen. Danach konnte er die Stadt erst richtig sehen.

Eine berühmte Galerie, deren Name ihm etwas sagte, zeigte Abstraktes von einem spanischen Maler, den er nicht kannte. Bestürzt betrachtete er eine Fläche von sechs Quadratmetern.

Das war, was er wollte!

Durch mehrere graue und braune Schichten hindurch konnte er den knotigen Sackstoff erkennen. Der Künstler hatte die Ölfarben direkt auf die Jute gepinselt. Manche Stellen waren matt, wo das Tuch das Leinöl aufgesogen hatte. An anderen Stellen war der Glanz erhalten geblieben, jedoch hatte der Künstler dort Sand und Asche in das Bild gestreut. Zuletzt hatte er die ganze Fläche flüchtig mit rostroter und schwarzer Wasserfarbe lasiert. Seine schweren Pinsel und groben Bürsten hatte er mit wütenden, raumgreifenden Gesten geführt. Insgesamt wirkte das Bild so, als ob der Künstler es unter tausend Verwünschungen hingeschmiert hätte. Aber das war eine Täuschung. Serenus konnte abschätzen, dass man an einem solchen Werk monatelang arbeiten konnte. Bevor Serenus die Galerie verließ, erbat er sich von der Kassiererin einen Faltprospekt und einen passenden Briefumschlag. Auf die Vord

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