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Sharpes Rivalen Historischer Roman von Cornwell, Bernard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.06.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Sharpes Rivalen

Spanien, Januar 1812. Für Richard Sharpe ist es der schlimmste Winter seines Lebens. Er verliert zu Unrecht das Kommando über seine Schützen. Ihm bleibt nur eine Chance, dieses zurückzuerobern: Er muss die Attacke auf die unbezwingbare Festung von Badajoz anführen. Ein Himmelfahrtskommando. Zu allem Überfluss taucht auch noch Sharpes Nemesis auf, Sergeant Hakeswill, den Mann, den man nicht töten kann - und Sharpe hat es bereits oft genug versucht ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 13.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838753782
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: Richard Sharpe Bd.13
    Originaltitel: Sharpe's Company
    Größe: 1766 kBytes
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Sharpes Rivalen

KAPITEL 1

Wenn man bei Sonnenaufgang ein helles Pferd auf eine Meile Entfernung erkennen kann, heißt das, die Nacht ist vorbei. Späher dürfen sich nun entspannen, Wachbataillone abtreten, denn der Moment für einen Überraschungsangriff im Morgengrauen ist vorüber.

Nicht jedoch an diesem Morgen. Ein Grauschimmel wäre kaum auf einhundert Schritt zu erkennen gewesen, von einer Meile ganz zu schweigen, und die Dämmerung war von schmutzigem Kanonenrauch durchzogen, der von den Schneewolken farblich nicht zu unterscheiden war. Nur ein einziges Lebewesen regte sich im grauen Niemandsland zwischen den britischen und den französischen Linien, ein kleiner dunkler Vogel, der emsig durch den Schnee hüpfte. Captain Richard Sharpe beobachtete in seinen Mantel gehüllt den Vogel und wünschte sich, er würde davonfliegen. Beweg dich, du Halunke! Flieg! Er hasste den Aberglauben, den er nicht loswerden konnte. Er hatte den winzigen Vogel entdeckt, und plötzlich und unverhofft war ihm der Gedanke gekommen, dass der Tag einen bösen Ausgang nehmen müsse, wenn der Vogel nicht binnen dreißig Sekunden davonflog.

Er zählte. Neunzehn, zwanzig, und immer noch hüpfte der vermaledeite Vogel durch den Schnee. Er konnte nicht erkennen, welcher Gattung der Vogel angehörte. Sergeant Harper hätte natürlich Bescheid gewusst. Der hünenhafte Ire kannte alle Vögel, aber das Wissen, um was für einen Vogel es sich handelte, hätte ohnehin nicht geholfen. Beweg dich! Vierundzwanzig, fünfundzwanzig. Verzweifelt formte er rasch einen Schneeball und ließ ihn den Abhang hinunterrollen, sodass sich der kleine Vogel Sekunden vor Ablauf der Frist erschrocken aufschwang, hinein in den wabernden Rauch. Ein Mann musste eben manchmal seines eigenen Glückes Schmied sein.

Gott! Wie kalt es doch war! Den Franzosen machte das nichts aus. Sie saßen hinter den mächtigen Verteidigungsanlagen von Ciudad Rodrigo im Schutze der Häuser und wärmten sich an lodernden Kaminen, aber die britischen und portugiesischen Soldaten kampierten im Freien. Sie schliefen an großen Lagerfeuern, die in der Nacht verloschen, und tags zuvor hatte man bei Tagesanbruch vier portugiesische Wachtposten erfroren aufgefunden. Sie hatten mit am Boden festgefrorenen Mänteln am Ufer des Agueda gelegen. Man hatte sie in den Fluss geworfen, sodass die dünne Eisdecke brach, denn niemand war bei diesem Wetter bereit, Gräber auszuheben. Die Soldaten hatten genug vom Graben. Zwölf Tage lang hatten sie nichts anderes getan. Batterien, Stellungen, Schützengräben – am liebsten hätten sie nie mehr gegraben. Sie wollten kämpfen. Sie wollten mit ihren langen Bajonetten das Glacis, die flach ansteigende Erdaufschüttung vor dem Festungsgraben von Ciudad Rodrigo, erstürmen, wollten sich in die Bresche werfen, wollten die Franzosen vernichten und die Feuerstellen und Häuser für sich erobern. Sie sehnten sich nach Wärme.

Sharpe, Captain der Leichten Kompanie des Regiments South Essex, lag im Schnee und beobachtete durch sein Fernrohr die größte Bresche. Viel konnte er nicht erkennen. Selbst vom Hang aus, ganze fünfhundert Yards von der Stadt entfernt, verbarg das Glacis bis auf deren oberste Spitze fast die gesamte Stadtmauer von Ciudad Rodrigo. Er stellte fest, dass die britischen Kanonen einigen Schaden angerichtet hatten, und er wusste, dass sich Steine und Schutt in den unsichtbaren Graben ergossen haben mussten. Dadurch war eine provisorische Rampe von etwa dreißig Yards Breite entstanden, die die Angreifer zu erklimmen hatten, um ins Innere der Festungsstadt zu gelangen.

Er wünschte sich, jenseits der Bresche die Gassen am Fuße des zerschossenen Kirchturms dicht an der Mauer einsehen zu können.

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