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Sheherazade - Mon Amour von Döhner, Wolf (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
eBook (ePUB)
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Sheherazade - Mon Amour

Zur Zeit des Endes des zweiten Irak-Kriegs trifft der Schrifsteller Bernd auf Katharina, die ihm ihre Geschichte in dem Land erzählt. Sie ist eine begnadete Erzählerin. Und Bernd fühlt sich alsbald wie in den Geschichten der Sheherazade aus deren Erzählungen in 'Tausend und eine Nacht'. Gekonnt spinnt sie den Faden vom Vergangenen ins Gegenwärtige und wieder zurück, bis Bernd schließlich meint, selbst Teil ihrer Geschichte zu sein. Doch dann ist seine Erzählerin plötzlich verschwunden und Bernd beginnt zu glauben, dass alles nur seiner Fantasie entsprungen ist nach einem flüchtigen Treffen mit einer geheimnisvollen Frau im Zug von Berlin nach München. Wolf Döhner war als Lehrer mehrere Jahre im Irak tätig. Nach seiner Pensionierung schrieb und veröffentlichte er zunächst Gedichte und später Erzählungen und Kindergeschichten. Er ist aktives Mitglied des Musik-Revue-Theaters 'Die AchtLosen' an seinem Wohnort Schwäbisch Hall, www.ver-dichtungen.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 110
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783748589082
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 616 kBytes
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Sheherazade - Mon Amour

Im Suq

Katharina erwachte vom Gezwitscher der Vögel. Es roch intensiv nach Kaffee.

Sie stand auf, öffnete die Fensterläden und sah auf einen etwas verwilderten Garten. In der Mitte stand ein großer Maulbeerbaum, in dem sich eine Schar Vögel eingefunden hatte und offensichtlich das Neuste vom Tage austauschte. Rings an der Mauer, die die Rasenfläche und das Grundstück umgab, standen dicht gedrängt Orangenbäume, manche noch in voller Blüte, deren aufdringlicher Geruch den Duft des Kaffees fast zu überdecken drohte.

Sie öffnete die Tür zur Veranda warf eine kurzen Blick auf den bereits gedeckten Tisch und streckte sich dann. Kai kam aus der Küche mit einem Tablett.

"Mein Hemd steht ihnen nicht nur als Schlafanzug recht gut. Sie könnten damit glatt auf die Straße gehen", meinte er lächelnd.

"Mag sein. Aber eher vermute ich, dass ich Anlass zu einem öffentlichen Ärgernis werden könnte. Und genau das will ich tunlichst vermeiden. Stellen Sie sich vor, ich würde so im Suq erscheinen."

"Lieber nicht. Aber Suq ist ein gutes Stichwort. Hätten Sie Lust mit mir einen kleinen Bummel durch den Markt zu machen?"

Katharina war sehr einverstanden und so fuhren sie nach dem Frühstück zunächst zum Hotel, wo sie sich umziehen wollte. Vor dem Sheraton sahen sie noch die Reste eines ausgebrannten Pick-ups bewacht von einigen Irakern in Uniform. Kai hatte Recht gehabt. Wie sie erfuhren, war der Wagen just in dem Moment explodiert, als eine Delegation amerikanischer Diplomaten vor dem Hotel eintraf. Wie durch ein Wunder gab es nur einige Leichtverletzte.

Der Suq bestand aus einem Wirrwarr von überdachten Gassen, deren Ränder mit unzähligen kleinen Buden oder Verschlägen gesäumt war. Ein Fremder konnte sich in diesem Labyrinth durchaus verirren.

Der Markt war bereits lebhaft besucht. Frauen waren oft in kleinen Gruppen unterwegs, während sich die Männer meist einzeln einen Weg durch die Menge bahnten.

"Ich liebe den Suq," meinte Kai, während er interessiert einige Messingvasen betrachtete, die ein Kesselschmied vor seinem Stand aufgebaut hatte. Dieser ließ seine Arbeit ruhen und kam eilfertig, so sehr es sein massiger Körper zuließ, auf die beiden zu.

"Sind sie nicht wunderbar, mein Freund?", sprach er ihn auf Englisch an. "Ihr werdet kaum etwas Vergleichbares im Suq finden. Und das zu einem Preis..." Er verdrehte die Augen in schmerzlicher Verzückung. "Was gebt ihr für diese herrliche Vase. Nennt mir euren Preis. Eure Frau wird sich glücklich schätzen, dieses Schmuckstück in eurer Wohnung aufzustellen."

"Ist schon gut mein Bester", antwortete Kai auf Arabisch, "Die Vase ist wirklich großartig. Aber wir benötigen gerade keine. Vielen Dank."

Katharina hatte dem Gespräch innerlich lächelnd gelauscht. Nun nahm sie mit Erstaunen wahr, wie sich das Verhalten des Kesselflickers änderte.

"Du sprichst perfekt Arabisch. Sehr gut, mein Freund. Wo hast du das gelernt?"

"Bei meiner Mutter."

"Bei deiner Mutter. Dann bist du Iraker?"

"Nein, ich bin Deutscher. Aber meine Mutter war Irakerin."

"Und jetzt willst du deiner jungen Frau, deine Familie vorstellen."

Katharina lachte lauthals heraus und meinte ebenfalls auf Arabisch.

"Habib, mein Freund, ich bin mit diesem Herren nicht verheiratet. Also gibt es niemanden dem ich vorgestellt werden könnte."

"Allmächtiger, noch eine Überraschung. Nun sage bloß, deine Mutter ist auch Irakerin."

"Nicht ganz. Mein Vater war Araber..."

"Gott ist groß! Kommt herein in meine bescheidene Werkstatt und erweist mir die Ehre mit euch einen Chai zu trinken. Und dann müsst ihr mir alles noch einmal erklären."

Damit nötigte er sie ins Innere seiner Hütte, gab einem nahe stehenden Jungen den Befehl für Tee zu sorgen, hob einen Vorhang und platzierte die beiden auf Kissen in einem kleinen Nebenraum, den man von draußen überha

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