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Sicher ist sicher ist sicher Roman von Kummer, Tanja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.10.2015
  • Verlag: Zytglogge Verlag
eBook (ePUB)
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Sicher ist sicher ist sicher

Das grosse Fest - die grosse Angst Ein Roman über eine Frau mit wachem Verstand und grossen Ängsten Die Geschichte einer Frau, die alles daran setzt, dass niemand davon erfährt, worüber sie sich wirklich Gedanken und Sorgen macht Tanja Kummer erzählt eindringlich und mit gewohnt präzisem Stil Martina Ortolfi lebt mit Mann und Tochter am Bodensee. Sie arbeitet Teilzeit als Buchhändlerin und ist rund um die Uhr mit ihren Ängsten und Zwängen beschäftigt. Wann es angefangen hat, weiss sie nicht: Vielleicht nach der Geburt von Jona und den plötzlich aufflackernden Befürchtungen, dass dem Kind überall etwas zustossen kann? Lange sind ihre übermässigen Sorgen Fantasie geblieben, aber am letzten Weihnachtsfest ist wirklich etwas passiert. Seither wird Martina Ortolfi von der Angst überschwemmt und sie kann nicht anders, als mit Kontrolle Gegensteuer zu geben: Ist der Herd wirklich aus? Und die Kerzen? Was habe ich über dieses neue Buch gesagt? Kann man das falsch verstehen? Weiss bald die ganze Stadt, dass ich etwas Furchtbares gesagt habe? Wie koche ich, ohne die Lebensmittel zu berühren und Leute mit meinen Bakterien zu vergiften? Die Protagonistin greift zu immer mehr Beruhigungsmitteln. Sie erzählt niemandem von ihren Zuständen und setzt alles darauf, dass sich die Ängste zurückziehen werden, wenn sie nur das perfekte Weihnachtsfest ausrichtet.Der Countdown läuft: In vier Tagen ist Weihnachten, und Martina versucht unter Hochdruck, sich um das Essen, die Geschenke und das Herrichten der Wohnung zu kümmern. Sie lädt sich mehr und mehr auf - bis die Angstblase platzt. 'Tanja Kummer weiss die Saiten der Tristesse anzuschlagen, derweil uns ihre Sprache entgegenlacht.' NZZ online, Alexandra Kedve, Juli 2006

1976 in Frauenfeld geboren, lebt in Winterthur.1997 veröffentlichte sie einen ersten Text, einen Gedichtband. Es folgten mehrere mit diversen Werkbeiträgen und Preisen ausgezeichnete Erzählungen. Die Autorin schreibt für das Radio SRF Geschichten für Kinder und Erwachsene und bloggt auf thurgaukultur.ch. 2014 war sie mit dem Erfolgstitel 'Alles Gute aus dem Thurgau' auf grosser Lese-Reise. Mit dem Trio 'vergiiget, verjuchzet, verzapft' mit Christine Lauterburg (Jodel) und Dide Marfurt (Musik) performt sie auf der Bühne ihre Spoken-Word-Texte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 232
    Erscheinungsdatum: 21.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783729620469
    Verlag: Zytglogge Verlag
    Größe: 636 kBytes
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Sicher ist sicher ist sicher

Donnerstag, 21. Dezember

Der Wecker zeigt 02:15. Früher war die Digitalanzeige rot, ein Rot, das mich an Blut zu erinnern begann. Ich musste etwas unternehmen. Für gewöhnlich lasse ich Geräte stoisch reparieren, bis wirklich nichts mehr zu machen ist. Oliwia nennt mich "Öko-Tante". Als ich Dani demon strierte, dass der Wecker kaputt ist und er ihn entsorgen müsse, sagte er: "Sicher nicht, den haben wir noch nicht lange, der hat sicher noch Garantie." Damit hatte er Recht. Doch ich hatte die Garantie verschwinden lassen. "Nein, die ist abgelaufen, ich kaufe einen neuen Wecker."

Müsste man mich beschreiben, würde man bestimmt nicht sagen, dass ich eine Person bin, die für Über raschungen gut ist. Aber hätten Oliwia und Dani sehen können, wie ich die Abdeckung des Weckers abge nommen und zwei Kabel aus seinem Bauch gerissen habe, hätten sie sicher über diese ganz andere Seite von Martina Ortolfi-Rechsteiner gestaunt.

Der Wecker zeigt 02:15 und ich liege still, damit Dani nicht aufwacht. Ab und zu falle ich ins Dösen. Um halb Fünf schleiche ich die Treppe hinab. Im Wohnzimmer wickle ich mich auf dem Sofa in die Wolldecke und starre ins Düstere. Mich beruhigt das schwarze Nichts kurz vor Ende der Nacht, wenn nichts ist, keine Geräusche wahrnehmbar sind. In diesen Stunden kann ich am besten nachdenken. Dann weiß ich, dass Angst vor Spinnen normal ist. Und dass Angst vor dem Tod normal ist. Dann ist mir auch klar, dass es keinen Kurzschluss mit fatalen Folgen gibt, wenn der Stecker nicht bündig in der Buchse steckt. Mein Kopf weiß es. Meine Gefühle hatten es vergessen. Ich habe keine Panikattacken. Aber was ich darüber gelesen habe, leuchtet mir ein; dass man zum Beispiel in einer Menschenmenge auf einmal das Gefühl hat, keine Luft mehr zu kriegen. Ich habe keine Panik, ich habe Befürchtungen, rund um die Uhr, manchmal stärker, manchmal schwächer, manchmal blubbern die Sorgen, manchmal kochen sie. Ich muss immer an sie denken.

Oben geht das Licht an. Ich raffe mich auf, um das Frühstück vorzubereiten. Das ist einfach: Die Gonfi , Mandelcrème und Erdnussbutter sind in Gläsern, ich brauche sie nur auf den Tisch zu stellen, die Margarine ist auch verpackt. Das Brot schneidet Dani lieber selbst. Ich brauche nichts zu berühren, außer den weißen Tellern mit den violetten Blümchen, die uns Danis Eltern zur Hochzeit geschenkt haben, aber die halte ich am äußersten Rand. Während den Vorbereitungen trinke ich einen Orangenblütentee, dieser Tee soll beruhigen, ich trinke ihn als Vorbereitung für den Kaffee, der bald folgt. Kaffee macht mich nervös, aber ich trinke ihn trotzdem, weil ich noch immer die Hoffnung habe, dass er mich aus meiner chronischen Müdigkeit reißt und ich den Tag hindurch so aktiv werde, dass ich abends wieder einmal subito einschlafe. Der Kaffee heizt aber vor allem meinen Stoffwechsel an. Ich hatte nie viel Speck auf den Rippen, aber seit den vielen Sorgen rumpelt und zischt es immer in meinem Darm, ich muss ständig aufs Klo und verliere immer mehr Gewicht.

Mir kommt es vor, als würde Lili die Sachen für die Schule heute betont langsam zusammensuchen. Ich gehe ihr hinterher, lese laut den Stundenplan vor und nenne die Utensilien, die sie braucht: "Zirkel. Turnschuhe. Das Aufsatzheft", und versuche mit der freien Hand, das Vogelnest an ihrem Hinterkopf auseinanderzuzupfen.

"Ich bin die Dessertfee, juhee, ein Pling mit meinem Zauberstab und schon stehen Pudding und Co. für euch parat", murmelt sie vor sich hin.

Dani hat das Frühstück zur Seite geschoben und korrigiert noch einige Arbeiten. Ich hüte mich zu sagen, dass er immer mehr arbeitet, denn dann zählt er auf, was er alles der Familie zuliebe nicht mehr macht. Exkursionen mit der Klasse unternimmt er zum Beispiel keine mehr. Wilhelm fand das nur recht, er sagte dazu: "Dieses zeitraubende Herumgereise ist nicht unsere Aufgabe, sondern die der Eltern!" Dani hatte eine u

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