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Silberfischchen Roman von Mahlke, Inger-Maria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.09.2010
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Silberfischchen

Hermann Mildt war Polizeibeamter, bis man ihn frühpensionierte, weil er seine tote Frau im Garten fotografierte. Eher unfreiwillig nimmt er Jana Potulski bei sich auf, sie ist Polin ohne Papiere und sucht eine Übernachtungsmöglichkeit. Warum er sich auf sie einlässt, kann er nicht sagen. Er darf ihre Brüste berühren, abends im Bad. Nach drei Tagen läuft sie ihm weg. Erst sucht er sie, dann wartet er, und schließlich findet er sie auf der Straße wieder. Und Jana Potulski kehrt mit ihm in die Wohnung zurück. Doch dann geht alles drunter und drüber. - Meisterhaft im Ton und voll untergründiger Spannung schildert Mahlke die Geschichte einer ungewollten Annäherung, einer Entwahrlosung - ein Roman ganz auf der Höhe unserer Zeit. Inger-Maria Mahlke arbeitet am Lehrstuhl für Kriminologie der Freien Universität Berlin. In ihrem aufsehenerregenden Debüt erzählt die gefeierte Open-Mike-Preisträgerin Inger-Maria Mahlke eine faszinierende Geschichte über Misstrauen, Abhängigkeit und erotische Anziehung. Für ihr Buch 'Archipel' erhielt sie 2018 den Deutschen Buchpreis. Inger-Maria Mahlke, geboren 1977 in Hamburg, aufgewachsen in Lübeck, Studium der Rechtswissenschaften an der FU Berlin. Mitarbeit an Projekten des Lehrstuhls für Kriminologie. 2005 Teilnehmerin der Werkstatt für Nachwuchsautoren unter der Leitung von Herta Müller, 2008 Autorenwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung und 2009 Auswahl für die Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. Preisträgerin des 17. Open Mike 2009. Sie lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 199
    Erscheinungsdatum: 13.09.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841200211
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 752 kBytes
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Silberfischchen

8. (S. 89-90)

Das Bett war frisch bezogen, die Wäsche glatt und angenehm kühl, er lag auf dem Rücken, die Hände warm über dem Bauch gefaltet, die Beine verschränkt. Er hätte ihr nicht weh tun sollen, meinte wieder die kleinen Kugeln zu spüren, gegen seine Handflächen gepresst, rau und fester als das übrige Gewebe. Seine Frau hatte auch nicht gemocht, wenn er kniff oder biss oder sie an den Haaren zog. Es pochte, kurz und fest, es pochte an der Tür, Fingerknöchel auf Holz, drei Mal, schnell hintereinander. Die Türklinke bewegte sich abwärts, die Tür bewegte sich nicht. "Ja bitte", rief er, "was wollen Sie?" "Machen Sie auf", ihre Stimme war laut, verzweifelt vielleicht, die Türklinke schlug auf und nieder, sie zerrte an ihr.

"Moment", er fuhr mit den Füßen in die Pantoffeln. Dumpfe Schläge von der Tür, sie schlug mit der Handfläche gegen das Holz. "Hören Sie auf", brüllte er, was fiel ihr ein. Einen Moment war Stille. "Sie machen jetzt auf", sagte sie, ruhiger. "Was wollen Sie", fragte er, das kühle Metall des Schlüssels zwischen den Fingern. "Sie machen jetzt auf", wiederholte sie leise hinter der Tür. Er drehte den Schlüssel, hatte nicht erwartet, dass sie gegen das Holz gelehnt stand, ihr Gewicht drückte die Tür auf, entriss ihm die Klinke. Jana Potulski taumelte nach vorn, trat auf seinen Fuß, stand in seinem Zimmer, das Gesicht gerötet, die Haare zerzaust.

Den einen Arm hatte sie seitlich vom Körper abgespreizt, in der rechten Hand hielt sie einen Stapel Fotos, hielt sie am äußersten Rand, als wollte sie jede Berührung vermeiden. Als sie seinen Blick bemerkte, streckte sie die Hand aus, streckte ihm die Bilder entgegen, die Kanten berührten seinen Bauch. "Was ist das", fragte sie, ihre Stimme ganz dünn, er wusste, welche Bilder es waren. "Es ist Ihnen verboten, die Schuber zu öffnen, Frau Potulski", seine Stimme überschlug sich, "es ist Ihnen verboten."

Er stieß ihre Hand weg, der Stapel rutschte ihr aus den Fingern. Sie sah zu, wie sie fielen, auseinanderglitten, sich auffächerten auf den Dielen, eins landete auf seinem Pantoffel, er stieß es weg. "Was ist das?", wiederholte sie, bückte sich nicht, machte keine Anstalten, die Bilder aufzuheben. "Meine Frau", antwortete er, "Sie sind Gast, Sie müssen tun, was ich sage." "Sie ist tot", sagte sie, wieder mit der dünnen Mädchenstimme, als werde sie gleich weinen. "Ich sagte doch, ich bin Witwer", er wurde ungeduldig, "heben Sie die Bilder auf."

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