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Silver Rückkehr zur Schatzinsel. von Motion, Andrew (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.07.2014
  • Verlag: mareverlag
eBook (ePUB)
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Silver

Juli 1802: Am Nordufer der Themse, unweit von London, liegt das Hispaniola, ein Wirtshaus, das von Jim Hawkins und seinem Sohn geführt wird. Jim junior unternimmt oft einsame Streifzüge durch die nebelverhangene Marschlandschaft; ansonsten muss er nach der Pfeife seines Vaters tanzen und im Schankraum der Kneipe den immergleichen Geschichten lauschen: von Abenteuern auf hoher See, von Mord, Rache, vergrabenen Schätzen - und von einem Mann mit einem Holzbein. Eines Spätabends taucht ein Mädchen bei Jim auf, Natty, mit einer Botschaft ihres Vaters - Long John Silver. Der alters-, aber keineswegs willensschwache Pirat hat einen Plan: Jim und Natty sollen gemeinsam zur Schatzinsel aufbrechen und den Silberschatz bergen, der vor vielen Jahren dort zurückgelassen werden musste. Wenig später stechen Jim und Natty in See, genau wie einst ihre Väter. Während der Reise wachsen nicht nur ihre Gefühle füreinander, sondern auch die Ahnung, dass das eigentliche Abenteuer noch vor ihnen liegt. Und sie haben recht: Als die "Nightingale" ihr Ziel erreicht, weicht die Aufregung um den versteckten Schatz ungeahntem Schrecken. Denn die Schatzinsel ist nicht mehr so menschenleer, wie sie einmal war...

Sir Andrew Motion, 1952 in London geboren, ist Dichter, Romancier und Biograf; von 1999 bis 2009 war er Poet Laureate des Vereinigten Königreichs. Seine dichterischen Tätigkeiten hat er stets mit zahlreichen Aufgaben verbunden als Professor für Kreatives Schreiben, als Herausgeber der Zeitschrift Poetry Review, als Verleger und als Kritiker. Er ist Fellow der Royal Society of Literature und unterrichtet heute am Royal Holloway, University of London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 04.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783866483088
    Verlag: mareverlag
    Übersetzt von: Übersetzung: Modick, Klaus
    Originaltitel: Silver: Return to Treasure Island
    Größe: 2007kBytes
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Silver

2. KAPITEL

Die Geschichte meines Lebens

Ich war zwar nie ein ungezogenes Kind, aber doch eine Enttäuschung für meinen Vater. Stehlen, Betrügen, Grausamkeiten – all das überließ ich anderen. Meine Vergehen waren weniger schwerwiegend, summierten sich jedoch zu einem Charakterzug der Wildheit. Ich missachtete häufig die Wünsche meines Vaters und manchmal auch seine Befehle. Ich widersetzte mich den Plänen, die er für mich hegte. Ich war lieber mit mir allein als in der Gesellschaft, von der er wünschte, dass ich mich in ihr wohlfühlte.

Bei genauerem Nachdenken mag statt Wildheit Unabhängigkeit ein besseres Wort für das sein, was ich eben beschrieben habe. So oder so bleibt die Frage: Was hat sie verursacht? In unserer Jugendzeit blendet uns die Hitze der verstreichenden Augenblicke, und wir halten selten inne, um nachzudenken. Heute, da meine Jugend nur noch eine ferne Erinnerung ist und ich einen weiteren Blick auf meine Existenz gewonnen habe, zieht es mich stärker zu Erklärungen.

Zum einen starb meine Mutter unter den Schwierigkeiten, mich zur Welt zu bringen – und als hätte sie mir eine ihrer eigenen Charaktereigenschaften vererbt, erwuchs daraus meine Neigung, mich als jemanden zu verstehen, für den das ganze Leben eine einzige Schlacht ist. Wo es keinen Kampf gibt, tendiere ich dazu, einen zu erfinden, um mich meines eigenen Mutes zu vergewissern.

Die zweite Ursache, die noch durch den Umstand verstärkt wurde, dass ich weder Bruder noch Schwester habe, war das Land, in dem wir lebten. Mit Land meine ich nicht die Nation England, sondern eher die Landschaft – nämlich das Nordufer der Themse an einem bedeutungslosen Ort zwischen London und dem offenen Meer. Wie diese Landschaft heute aussieht, kann ich mir lediglich vorstellen, da ich seit vielen Jahren nicht mehr in der Heimat gewesen bin. Höchstwahrscheinlich ist sie mit allem bebaut, was für den Betrieb von Docks und Kaianlagen notwendig ist. Aber wie sie damals war, weiß ich noch sehr genau.

Auf der Landseite unseres Hauses erhoben sich die Marschen lediglich einen Viertelfaden über dem Wasserspiegel und das Viertel eines Viertels bei Hochwasser. Die umliegenden Gebäude waren kaum richtige Häuser, sondern nur grob zusammengezimmerte Schuppen, in denen Fischer ihre Ausrüstung lagerten und andere, geheimnisvollere Besucher Dinge abluden oder abholten, die für sie wertvoll waren. Wenn der Nebel es zuließ, gaben diese Hütten eine eindrucksvolle Silhouette ab; Dachsparren ragten in merkwürdigen Winkeln hervor, Dächer sträubten sich wie Haarsträhnen, und Fenster formten ein schräges Gesicht. Meine jungen Augen erblickten in ihnen eine Ansammlung von Ungeheuern oder jedenfalls warzigen Hexen, die sich über einem Kessel die Hände rieben. Lange stand keine dieser Hütten. Was der Wind nicht niederdrückte, verschluckte die Marsch. Und was die Pfade betraf, die sich zwischen und jenseits von ihnen dahinschlängelten, so vergaßen auch diese bald das Ziel, das sie zu Beginn ihrer Reise im Kopf gehabt haben mochten, und endeten im Durcheinander oder im Nirgendwo.

Wenn ich die Gegend als Furcht einflößend schildere, habe ich dafür gute Gründe. Wanderte ich allein unter den weiten Himmeln dahin, hörte ich häufig hinter mir Schritte, wo es keine gab, oder spürte, wie die Stille mich gleich einer Hand am Kragen packte. Doch um ehrlich zu sein, waren die Stimmen der Marsch und insbesondere die des Flusses niemals ganz das eine oder das andere; sie setzten sich aus einer Mischung von Geräuschen zusammen, gespannt zwischen Seufzen und Lachen, als könnten sie

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