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Simonetta von Wander, Daniela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.05.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe
eBook (ePUB)
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Simonetta

Das gewagte und irritierende Doppelleben eines Mädchens, das nur ein Junge sein durfte. Als in Prato im Jahre 1381 der Familie Tagliatori die sechste Tochter geboren wird und schon wieder nicht der heiß ersehnte Sohn, lässt die Mutter aus diesem Mädchen offiziell einen Jungen werden. Simone wächst in den ersten Lebensjahren in ungebrochenem Glauben an seine Männlichkeit auf. Erst im jungen Erwachsenenalter drängen die Probleme, die sich aus diesem seltsamen Zwitterdasein ergeben, an die Oberfläche. Simoneta beginnt, ein gewagtes und irritierendes Doppelleben zu führen: Sie bleibt im Alltag für jedermann erkennbar Simone, der Erbe des Hauses Tagliatori, schlüpft aber allzu gern in Frauenrollen, die ihr ungeahnte Einblicke und Freiheiten verschaffen und die Möglichkeit, sich selbst und ihre Stadt aus neuer Sicht zu erforschen. Bis sie eines Tages auf den schönen, aber undurchsichtigen Michele Rossiorossi trifft, der sie anzieht - und verwirrt ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 525
    Erscheinungsdatum: 16.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838756226
    Verlag: Bastei Lübbe
    Größe: 1998kBytes
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Simonetta

2. Kapitel

Mehr als anderthalb Dezennien früher, an einem Spätherbsttag des Jahres 1381, sagte Anna Maria Tagliatori zu ihrem Mann: "Muss das wirklich sein, soll ich allen Ernstes mitkommen?"

Mit einem unmissverständlichen Blick sah sie an sich hinab auf ihren geschwollenen Leib; sie spürte die Erschöpfung und die Anstrengung der Schwangerschaft im ganzen Körper. Ruhe zu haben, einfach die Beine hochlegen und sich ihren Träumen und Plänen hingeben zu können, danach sehnte sie sich mit jeder Faser ihres Herzens.

Diesmal wurde es ein Junge, sie war sich ganz sicher. Gott hatte ihr mit fünf Töchtern eine genügend schwere Bürde auf die Schultern gelegt, diesmal würde er ein Einsehen haben und ihr einen Sohn schenken, das wusste sie.

"Selbstverständlich kommst du mit", unterbrach die bedächtige Stimme Antonios ihre Gedanken. "Schließlich wolltest du mit Tomeu besprechen, auf welche Weise du die Oliven dieses Jahr anders eingelegt haben wünschst. Und welchen Wein er auf dem brachliegenden Hang anbauen soll. Und so weiter, du weißt es selbst am besten."

Er hatte ja recht.

Manchmal wurden ihr die Pflichten fast zu viel.

Nicht, dass auf Tomeu kein Verlass gewesen wäre. Mehr jedenfalls als auf ihren Mann, dachte sie oft genug. Der Verwalter bewirtschaftete schon seit vielen Jahren das Landgut und dies eigentlich stets zu ihrer Zufriedenheit. Er machte nie viele Worte, wusste noch vor ihr selbst, was zu tun war. Sie arbeitete gern mit ihm zusammen, er gab ihr das Gefühl, sich mit den Erfordernissen ebenso gut auszukennen wie er und ihren Teil der häuslichen Pflichten gewissenhaft und fehlerlos zu bewältigen.

Aber heute, jetzt, knapp vier Wochen vor der Niederkunft, da wäre sie gern zu Hause geblieben, hätte sich in ihr Zimmer zurückgezogen, sich auf ihr breites, aus Walnussholz geschnitztes Bett gelegt und den Blick auf die Baumwipfel ihres kleinen Gärtchens genossen. Sich später stattdessen der weiten Sicht aus dem Schlafzimmerfenster des Landhauses erfreuen zu können hob ihre Laune allerdings ein wenig. Die sanften Formen, die gedämpften Farben im milden Licht eines Oktobertages hatten schon immer eine heilsame Wirkung auf ihre unruhige Seele gehabt.

"Anna Maria! Hörst du mir überhaupt zu?"

Wieder riss Antonios Stimme sie aus ihren Überlegungen. Nein, eigentlich hatte sie ihm nicht zugehört, jedenfalls nicht richtig, das hatte sie sich längst abgewöhnt. Ihr Interesse an seinen Worten war irgendwie im Laufe der Zeit immer kleiner geworden und schließlich fast ganz geschwunden. Früher hatten sie viel miteinander gesprochen, Pläne gehabt, Ehrgeiz. Heute erwähnten sie oft nur noch das Nötigste, Belange, die die dringlichsten Aufgaben des Hier und Jetzt betrafen.

Mit einer ganz bewussten, langsamen Bewegung legte sie eine Hand schützend auf ihren runden Bauch. Sie wollte ihrem Mann zumindest deutlich machen, dass er einiges von ihr verlangte, auch wenn sie ihre Pflichten nicht vernachlässigen würde.

"Ich werde Antonella mitnehmen", beschloss sie. Ihre ehemalige Amme wurde zwar langsam alt und unbeweglich, aber sie war ihre einzige wirkliche Vertraute. Auf ihre Hilfe konnte Anna Maria immer zählen, egal, worum es sich handelte, vor ihr brauchte sie keine Geheimnisse zu haben, keine Gefühle heucheln, die sie nicht empfand. Mit Antonella an ihrer Seite würde sie sich sicher fühlen, fast wie damals, als sie noch ein kleines Mädchen gewesen war.

Natürlich wusste sie inzwischen, dass das Leben sich nicht so einfach darbot, man sich nicht bei Kümmernissen und Schwierigkeiten in die weichen Arme einer liebenden Vertrauten st&u

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