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So schöne Lügen Roman von Burton, Tara Isabella (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.05.2019
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)

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So schöne Lügen

Auch in einer Stadt, in der scheinbar alles möglich ist, muss man sich sein Glück leisten können: Louise ist Ende zwanzig und versucht, sich in New York durchzuschlagen. Eigentlich wollte sie Schriftstellerin werden - jetzt lebt sie in Brooklyn, hat mehrere miserabel bezahlte Jobs und wird von Selbstzweifeln geplagt. Eines Tages begegnet sie Lavinia. Und die hat wirklich alles: Sie wohnt auf der Upper East Side, ist wild, frei und wunderschön. Doch vor allem ist sie reich. Ihr glamouröses Leben teilt sie gern - auf sämtlichen sozialen Netzwerken, aber auch mit Louise. Die beiden ungleichen Frauen werden Freundinnen. Louise wird auf Partys herumgereicht, lässt sich von Lavinia einkleiden, zieht bei ihr ein - sie verfällt Lavinia und ihrer Welt. Auch wenn sie nicht das Geld hat, um in ihr zu bestehen. Irgendwann beginnt sie, die Freundin zu bestehlen. Und um sich aus ihrer Ohnmacht zu befreien, wird sie noch viel weiter gehen. Muss Lavinia sterben, damit Louise leben kann? Tara Isabella Burton erzählt von einer toxischen Freundschaft und von der Macht sozialer Abgründe: ein so intensiver wie spannender Roman über eine Welt der Eitel- und Oberflächlichkeiten, schnell, klug und unverwechselbar. Der Titel erscheint am 24.05.2019 auch als Hörbuch bei DAV (ungekürzte Lesung mit Britta Steffenhagen). Tara Isabella Burton lebt als Journalistin in New York. Sie wurde für ihre Reportagen mit dem Shiva Naipaul Award for Travel Writing

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 17.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832184476
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: 'Social Creature'
    Größe: 2324 kBytes
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So schöne Lügen

1

Zur ersten Party, auf die Lavinia sie mitnimmt, soll Louise unbedingt ein Kleid von ihr anziehen.

"Habe ich auf der Straße gefunden", sagt Lavinia. "Ist original aus den Zwanzigern."

Stimmt vielleicht sogar.

"Das hat irgendwer einfach weggeworfen. Ist das zu glauben?"

Louise glaubt es nicht.

"Wahrscheinlich dachten die alle, es wäre bloß irgendein alter Fetzen." Sie stülpt die Lippen vor und trägt Lippenstift auf. "Und das ist das Problem mit den Leuten. Kein Mensch macht sich mehr klar, was die Dinge bedeuten. "

Lavinia nestelt an Louises Kragen herum. Lavinia bindet Louise eine Schärpe um die Taille.

"Na jedenfalls, kaum hatte ich es gesehen - ich hätte - ich hätte niederknien können! Den Boden küssen - küssen Katholiken den Boden, oder nur Matrosen? Na, jedenfalls hätte ich am liebsten meinen Mund an Ort und Stelle auf einen der festgetretenen Kaugummis auf dem Bürgersteig gepresst und gerufen: Danke, Gott, dass die Welt heute mal Sinn ergibt! "

Lavinia pudert Louises Wangen. Lavinia trägt Rouge auf. Lavinia redet weiter.

"Irgendwie ist das alles so verdammt perfekt, verstehst du? Irgendwie - in irgendeinem Brownstone im East Village stirbt eine einsame, alte Frau. In den letzten zwanzig Jahren hat sie kein Mensch besucht, und jetzt schmeißen sie ihren ganzen Scheiß einfach auf die East Ninth Street und bei Sonnenuntergang - da komme ich anspaziert. Diese alte Frau und ich haben, ohne uns je begegnet zu sein, im Abstand von neunzig Jahren zwei traumhafte, poetische Nächte erlebt, in denen wir dasselbe Kleid trugen - oh, Louise, kannst du es nicht förmlich riechen ?"

Lavinia hält Louise die Spitze unter die Nase.

"In so einem Kleid könnte man seiner großen Liebe begegnen", sagt Lavinia.

Louise atmet tief ein.

"Und weißt du, was ich dann gemacht hab?"

Lavinia malt Louise mit dem Augenbrauenstift einen Schönheitsfleck.

"Ich habe mich bis auf die Unterwäsche ausgezogen - nein, halt, den BH habe ich auch ausgezogen. Ich bin in das Kleid geschlüpft - mein eigenes habe ich auf der Straße liegen lassen -, und dann bin ich den Rest der Nacht darin rumgelaufen, den ganzen Weg bis zur Upper East Side."

Lavinia knöpft Louise das Kleid zu.

Jetzt lacht Lavinia. "Wenn du dich an mich hältst", sagt sie, "werden dir auch solche Dinge passieren, das verspreche ich dir."

Lavinia macht Louise die Haare. Zuerst versucht sie dasselbe wie bei sich selbst: wilde, aufspringende Locken. Aber Louises Haar ist zu platt und zu glatt, darum zwirbelt sie es zu einem festen, sauberen Knoten.

Lavinia nimmt Louises Gesicht in beide Hände. Sie küsst sie auf die Stirn. Dann brüllt sie auf.

"Gott", sagt Lavinia. "Du siehst so schön aus. Ich ertrage es nicht. Ich könnte dich umbringen. Los, wir machen ein Foto."

Sie holt ihr Handy heraus und benutzt es als Spiegel.

"Stellen wir uns vor die Pfauenfedern", sagt Lavinia. Louise gehorcht.

"Schmeiß dich in Pose."

Louise weiß nicht, wie.

"Oh bitte!" Louise wedelt mit dem Handy. "Das kann jeder. Du weißt schon. Brust raus, Po raus. Den Kopf ein bisschen neigen. Tu so, als wärst du ein Stummfilmstar. Genau. Nein, nein, Kinn runter. Genau so!"

Lavinia rückt Louises Kinn zurecht. Sie macht mehrere Fotos.

"Das letzte ist gut", sagt Lavinia. "Wir sehen super aus. Das poste ich." Sie hält Louise das Handy hin. "Welchen Filter soll ich nehmen?"

Louise erkennt sich selbst nicht wieder.

Glatte, glänzende Haare. Dunkle Lippen. Hohe Wangenknochen. Sie trägt ein Charleston-Kleid und sieht mit den Katzenaugen und falschen Wimpern aus, als gehöre sie nicht in dieses Jahrhundert. Als sei sie nicht real.

"Ich glaube, wir nehmen Mayfair. Das gibt so einen Schimmer auf den Wangenknochen. Mein Gott&nbs

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