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So weit die Störche ziehen Roman von Graw, Theresia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.08.2020
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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So weit die Störche ziehen

Verlorene Träume - eine junge Frau beweist Mut in dunklen Zeiten
Ostpreußen 1939: Während die Welt aus den Fugen gerät, wächst die junge Dora Twardy behütet auf dem Pferdegestüt ihrer Familie auf. Der Tochter des Gutsherren mangelt es an nichts, auch nicht an Verehrern. Doch als die deutsche Wehrmacht Polen angreift, muss Dora schlagartig erwachsen werden. Ihr Vater wird eingezogen und übergibt ihr die Verantwortung für den Hof. Mit aller Kraft kämpft Dora um den Erhalt des Familienbesitzes. In den Wirren des Krieges stehen ihr zwei Männer bei: der sanftmütige Freund ihres Bruders, Wilhelm von Lengendorff, und der abenteuerlustige Kriegsfotograf Curt von Thorau. Zu spät erkennt Dora, wen sie wirklich liebt ...

Theresia Graw wurde 1964 in Oberhausen geboren. Nach ihrem Studium der Germanistik und Kommunikationswissenschaft war sie als Reporterin und Moderatorin für verschiedene Privatsender tätig, bevor sie zum Bayerischen Rundfunk wechselte. Neben ihrer Tätigkeit als Journalistin schreibt sie Romane. "So weit die Störche ziehen" ist ihr persönlichstes Buch, in dem sie die Geschichte ihrer aus Ostpreußen stammenden Familie mit einer fiktiven Handlung verwebt. Theresia Graw hat zwei erwachsene Kinder und lebt in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 640
    Erscheinungsdatum: 03.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843723060
    Verlag: Ullstein
    Serie: Ullstein Taschenbuch 06252
    Größe: 2866 kBytes
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So weit die Störche ziehen

1.

Ende August 1939

Wie eine Königin thronte Dora Twardy auf ihrem Lieblingsplatz vor dem elterlichen Gutshaus, den Blick aufmerksam auf die Auffahrt des Hofes gerichtet. Sie saß mit überkreuzten Beinen auf der breiten Balustrade der Veranda, den Rücken an einen der weiß getünchten Stützpfosten gelehnt, und ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Doch die Ruhe und Gelassenheit, die sie auf den ersten Blick ausstrahlte, täuschten. Unablässig zwirbelten ihre Finger an den langen Enden des Bindegürtels, der um ihr blaugeblümtes Hemdblusenkleid mit den kleinen weißen Kragen geschlungen war. Dora konnte nicht verbergen, wie ungeduldig sie darauf wartete, dass ihr Vater und ihr großer Bruder Hans endlich zurückkamen. Am Vormittag waren sie aufgebrochen, um am Bahnhof in Wormditt den neuen Zuchthengst in Empfang zu nehmen.

»Es kann nicht mehr lange dauern«, sagte sie zu ihren beiden Besuchern. »Vater hat gesagt, dass sie noch vor dem Abendessen zurück sind.«

Ihre Worte waren an die Geschwister Kosubek gerichtet, die es sich neben ihr im Schatten des Verandadaches bequem gemacht hatten. Friedrich Kosubek saß aufrecht in dem weiß lackierten Korbstuhl und drehte das Glas mit Zitronenlimonade, das eines der Hausmädchen gerade herausgebracht hatte, in seiner Hand. Die Eiswürfel darin klirrten leise, während er Dora mit verstohlener Bewunderung beobachtete. Seine Schwester Elsbeth hatte sich auf der hölzernen Schaukelbank niedergelassen, die mit vier langen Ketten unter dem Vordach angebracht war, und ließ sich gemächlich auf und ab schwingen, wobei sie darauf achtete, dass die Limonade in ihrem Glas nicht überschwappte.

»Warum bist du eigentlich so unruhig, Dora? Man sollte meinen, es sei nichts Besonderes, wenn ein neues Pferd auf euren Hof kommt.«

»Oh, Elli, das ist ja nicht irgendein neues Pferd!«, antwortete Dora. »Es ist Siegfried, und das ist einer der besten Trakehnerhengste weit und breit. Er stammt in direkter Linie von einer englischen Vollblutzucht ab. Sein Vater hat schon dreimal den großen Preis von Paris gewonnen. So ein wertvolles Tier haben wir noch nie im Stall gehabt. Ich will ihn unbedingt sofort sehen.«

»Ich wette, du möchtest ihn auch unbedingt sofort reiten«, bemerkte Friedrich.

»Ja, Fritz, nur zu gern. Aber das erlaubt mir Vater ganz sicher nicht. Siegfried soll ein Riesenvieh sein und feurig wie zwei, sagt er.«

»Na«, meinte Friedrich neckend. »Wenn er so viel Temperament hat, dann passt er ja gut zu dir.«

»Das soll wohl ein Kompliment sein, Fritz?«

Dora warf ihm ein kleines spöttisches Lächeln zu. Es entging ihr nicht, dass Friedrich errötete.

»Oh, verzeih«, murmelte er. »Ich wollte dich natürlich keinesfalls mit einem Pferd vergleichen.«

Aber Dora lachte nur. Sie war mit ihren Gedanken schon wieder ganz woanders.

»Im Übrigen, Elli«, rief sie munter. »Vater bringt nicht nur das Pferd mit - sondern auch noch eine Überraschung für dich.«

»Für mich? Aber warum denn? Was für eine Überraschung?«

»Ach, Elli!« Friedrich schüttelte den Kopf. Nach der kleinen Irritation durch Doras unerwarteten Flirt hatte er nun seine feste Stimme wiedergefunden. »Wenn man darüber reden würde, wäre es ja keine Überraschung mehr.«

»Das stimmt.« Dora nickte ihrer Freundin lächelnd zu, sichtlich bemüht, die Worte, die ihr auf der Zunge lagen, ungesagt hinunterzuschlucken.

Die drei Freunde schwiegen wieder und hingen ihren Gedanken nach. Nur das Quietschen der Schaukel war zu hören.

Von ihrem Posten aus beobachtete Dora die von Linden gesäumte Einfahrt mit dem weit offen stehenden Hoftor, neben dem der Schäferhund Thassos mit der Nase auf den Vorderpfoten an seiner langen Kette lag. Vor der Veranda erstreckte sich das Geviert des Gutshofes: die hohe Scheune am anderen Ende des kopfsteingepflasterten Platzes mit dem Storchennest auf dem Dach, das seit ein paar Tagen leer und verlassen war, de

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